Wirtschaft

KI frisst KopfarbeitMillionen Wissensarbeiter müssen sich warm anziehen

22.02.2026, 11:07 Uhr 87137Von Raimund Brichta
00:00 / 03:37
Bunte-Post-its-mit-traurigen-Gesichtern-symbolisieren-Unzufriedenheit-im-Job-und-die-Belastungen-im-Arbeitsalltag
"Ich weiß gar nicht, was ich den Beschäftigten raten soll", sagt ein Headhunter. (Foto: picture alliance / CHROMORANGE)

Lange galt: Wer mit dem Kopf arbeitet, ist auf der sicheren Seite. Inzwischen geraten genau diese Tätigkeiten zunehmend ins Visier künstlicher Intelligenz. Was bedeutet das für Millionen Menschen im Büro - und wie real ist die Bedrohung für die eigene berufliche Zukunft?

Auch anspruchsvolle Tätigkeiten lassen sich zunehmend automatisieren. Künstliche Intelligenz kann große Datenmengen analysieren, Rechnungen prüfen, Berichte erstellen oder sogar Programmcodes schreiben - schneller und mit weniger Fehlern als viele menschliche Fachkräfte. Aufgaben also, die lange Domäne gut ausgebildeter Angestellter waren. Der Headhunter Heiner Thorborg wird deutlich: "Überall dort, wo programmierbare Prozesse ablaufen, droht Gefahr."

Die Warnung gilt speziell für klassische Wissensberufe. Im Controlling, in der Steuerberatung oder in der Datenanalyse könnten KI-Systeme zunehmend Aufgaben übernehmen, die bislang von Menschen erledigt werden, sagt der Arbeitsmarktexperte im Podcast "Brichta & Bell". Entsprechende Entwicklungen sind bereits im Gange, etwa bei der automatisierten Programmierung oder der systematischen Auswertung großer Datenmengen.

Setzt sich dieser Trend fort, stehen viele Beschäftigte vor einer schwierigen Situation. "Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich weiß gar nicht, was ich denen raten soll", sagt Thorborg. Der Rat könne derzeit nur lauten, sich weiterzubilden und sich möglichst schnell in weniger gefährdete Tätigkeitsfelder zu entwickeln.

Wirtschaftskrise überlagert KI-Effekt

Besonders brisant: Die aktuelle wirtschaftliche Schwächephase dürfte den tatsächlichen Einfluss der KI auf den Arbeitsmarkt derzeit überlagern. Viele Unternehmen stellen ohnehin weniger Personal ein oder bauen Stellen ab. Erst wenn sich die Konjunktur wieder erholt, könnte sichtbar werden, wie stark KI-basierte Systeme tatsächlich zum Stellenabbau beitragen.

Der Headhunter warnt deshalb vor falscher Sicherheit. "Dass es passieren wird, ist ohne Frage." Wer überwiegend mit Tätigkeiten beschäftigt sei, die sich automatisieren lassen, müsse sich "warm anziehen" und schneller als bislang über mögliche Alternativen nachdenken.

Diese Warnung gilt nicht nur für Fachkräfte. Auch Führungspositionen dürften nicht verschont bleiben. Zwar sieht Thorborg auf der Führungsebene klare Vorteile in der menschlichen Kommunikation und Entscheidungsfähigkeit - gleichzeitig könnten administrative Aufgaben automatisiert werden, was sogar Vorteile bringt. So könnten etwa standardisierte Managementaufgaben von KI-Systemen übernommen werden. Das ermögliche es Führungskräften, sich stärker aufs Wesentliche zu konzentrieren.

Gleichzeitig räumt Thorborg ein, dass sich der Bedarf an Führung langfristig verändern könnte: "Das kann natürlich auch bedeuten, dass die Anzahl der Führungskräfte sich reduziert, weil es weniger Menschen zu führen gibt."

Für viele heißt das: weiterbilden oder umdenken - und zwar rechtzeitig. Setzt sich der Wandel im augenblicklichen Tempo fort, steigt der Anpassungsdruck auf Millionen Wissensarbeiter deutlich.

Das vollständige Gespräch mit Headhunter Heiner Thorborg finden Sie in der aktuellen Folge von "Brichta & Bell - Wirtschaft einfach und schnell" .

Quelle: ntv.de

DigitalisierungKünstliche IntelligenzArbeitsmarktPodcast