Wirtschaft
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Donnerstag, 08. November 2018

Kraftwerksbau nagt am Gewinn: Kaeser gibt "mutige Prognose"

Der Dax-Konzern Siemens blickt zum Ende des Geschäftsjahres auf steigende Kennzahlen bei Umsatz und Gewinn, warnt zugleich aber vor wachsendem Gegenwind. In der Kraftwerkssparte müssen die Münchner ein tiefrotes Minus verkraften.

Siemens will sich von den weltweiten Handelskriegen und politischen Einflüssen nicht beirren lassen. Der Münchner Industriekonzern stellte für das Geschäftsjahr 2018/19 (per Ende September) ein "moderates" Umsatzwachstum von drei bis fünf Prozent in Aussicht. Das operative Ergebnis soll auf vergleichbarer Basis ebenfalls wachsen, die Rendite aus dem Industriegeschäft soll elf bis zwölf Prozent erreichen. "Das ist in diesem Umfeld eine mutige Prognose", sagte Vorstandschef Joe Kaeser. "Wenn sich jeder Sorgen macht, muss es einen geben, der Hoffnung macht und den Leuten den Weg zeigt." Finanzvorstand Ralf Thomas sagte vor Analysten, bisher zeigten sich im Geschäft mit Industriesoftware und anderen kurzzyklischen Gütern keine negativen geopolitischen Einflüsse.

Dabei kämpft Siemens im Infrastruktur-Geschäft, wo die Kunden meist staatliche Stellen sind, durchaus mit politischen Faktoren. Im Ringen um den Ausbau der Energieversorgung im Irak etwa hatte sich die US-Regierung mit Verweis auf die Befreiung des Landes vehement für den Siemens-Rivalen GE stark gemacht. Kaeser macht sich nun darauf gefasst, dass man sich den Milliardenauftrag mit den Amerikanern zumindest teilen muss: "Wir möchten nur Geschäfte machen. Wir schicken keine Kampfhubschrauber hin."

Sorgenkind Kraftwerkssparte

In der Kraftwerks-Sparte brach der Gewinn im Geschäftsjahr um drei Viertel ein - auch weil der Abbau von weltweit rund 6000 Stellen allein im vierten Quartal 300 Millionen Euro kostete. Die Kosten sollen damit um eine halbe Milliarde Euro pro Jahr gesenkt werden. Das reiche wohl aus, sagte Finanzchef Thomas. "Aber am Ende des Tages entscheidet die Nachfrage darüber." Vor allem große Turbinen für Gas- und Dampfkraftwerke sind weniger gefragt. Immerhin liegt die operative Umsatzrendite der Sparte noch bei fast fünf Prozent. Das schaffe kein anderer in dieser umkämpften Branche, sagte Kaeser.

Der Umbau der Kraftwerkssparte ließ den Gewinn von Siemens im Industriegeschäft 2017/18 um sechs Prozent auf 8,8 Milliarden Euro schrumpfen. Dabei sei es in sechs der acht Sparten besser gelaufen als ein Jahr zuvor. Aushängeschild bleibt die "Digital Factory", die vor allem Software für die Industrie -Automation verkauft und auf eine Umsatzrendite von 20 Prozent kommt. "In der industriellen Digitalisierung sind wir heute die eindeutige Nummer eins", sage Kaeser.

Der Konzernumsatz stieg währungsbereinigt um zwei Prozent auf 83,0 Milliarden Euro, der Auftragseingang um acht Prozent auf 91,3 Milliarden. Der Nettogewinn stagnierte bei 6,1 Milliarden Euro, auch weil die Ausgliederung der Zug-Sparte zu höheren Steuerlasten führte. Die Dividende will Siemens trotzdem um zehn Cent auf 3,80 Euro je Aktie erhöhen. Zudem beginnt im November erneut ein drei Milliarden Euro schweres Aktienrückkaufprogramm, das vierte seit 2012.

Umbau als wichtigstes Projekt

Die Zug-Sparte Siemens Mobility soll mit dem französischen Rivalen Alstom fusionieren, das Vorhaben stößt aber auf Widerstand der EU-Kommission. Kaeser sagte, Siemens sei bereit, Geschäfte in bestimmten Regionen zu verkaufen, um die Übernahme genehmigt zu bekommen. China, die Heimat des Weltmarktführers CRRC, habe sie bereits ohne Auflagen durchgewinkt.

Wenn es trotzdem nicht gelinge, die Brüsseler Wettbewerbshüter umzustimmen, habe Siemens andere Optionen. "Dann haben wir das beste Mobilitätsunternehmen der Welt." Medienberichten zufolge könnte Siemens Mobility dann an die Börse gebracht werden.

Das laufende Geschäftsjahr steht bei Siemens ganz im Zeichen des Umbaus. Kaeser will die Sparten neu zuschneiden, ihnen mehr strategische Freiheiten lassen - und ihnen höhere Renditeziele stecken. Stichtag für die neue Struktur ist der 1. April 2019. Die Zentrale soll schlanker werden. Finanzchef Thomas sagte, das könne auch "Effizienzmaßnahmen in einigen Supportfunktionen" nach sich ziehen. Dass mit dem Umbau ein massiver Stellenabbau verbunden sei, wies Kaeser aber erneut zurück.

Quelle: n-tv.de