Wirtschaft

Engpässe verknappen Angebot Kaffeepreise steigen auf 10-Jahres-Hoch

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Die Futures-Preise für die höherwertigen Arabica-Bohnen liegen inzwischen bei 2,50 US-Dollar pro Pfund und damit fast doppelt so hoch wie noch Anfang 2021.

(Foto: picture alliance / Zoonar)

Auch Kaffeehändler bleiben von Engpässen nicht verschont. Aus Angst, am Ende leer auszugehen, kaufen Unternehmen momentan laut Experten Bohnen "für den Fall der Fälle" - und greifen dabei gern auf Futures zurück. Das treibt nicht nur den Preis, sondern hat auch Auswirkungen auf Landwirte.

Unternehmen und Händler stocken angesichts von Lieferengpässen und einer im vergangenen Jahr gestiegenen Nachfrage gerade eilig ihre Kaffee-Vorräte auf. Das hat zur Folge: Die Kaffeepreise an den Futures-Märkten sind auf ein 10-Jahres-Hoch gestiegen, wie die "Financial Times" berichtet.

Um am Ende nicht leer auszugehen, greifen Händler momentan gern auf Futures zurück. Also auf Produkte, mit denen sie sich Lieferungen zu einem bestimmten Preis sichern können. Als Konsequenz werden die Bestände an einem der wichtigsten Handelsplätze für Kaffee-Futures, der International Exchange, immer weniger. Und das treibt wiederum die Future-Preise nach Angaben von Händlern weiter in die Höhe. Der Rückgang sei "ein sehr deutliches Signal an den Markt, dass es eine anhaltende unmittelbare Kaffeeknappheit gibt", zitiert die "Financial Times" Ilya Byzov vom Schweizer Kaffeehändler Sucafina. Die Futures-Preise für die höherwertigen Arabica-Bohnen liegen inzwischen bei 2,50 US-Dollar pro Pfund und damit fast doppelt so hoch wie noch Anfang 2021.

Laut dem brasilianischen Rat der Kaffee-Exporteure haben Händler gleichzeitig Schwierigkeiten, Container und Schiffe zu buchen. Außerdem würden Reedereien Beladungen häufig verschieben. Dem Bericht der "Financial Times" zufolge ist das Kaffee-Exportvolumen im Vergleich zum Vorjahr um 24 Prozent gesunken. Die Sorge um Engpässe habe zu Käufen "für den Fall der Fälle" geführt, sagt Carlos Mera, Analyst der Rabobank dem Blatt. "Wenn mehr Kaffee im Transit feststeckt, braucht man zusätzliche Kaffeevorräte, um die Nachfrage zu decken."

Der starke Anstieg der Bohnenpreise habe obendrein zu einer Hortung durch die Landwirte geführt, die den Exportfluss einschränkt und den Preisdruck noch verstärkt. Nach Angaben der in São Paulo stationierten Beamten des US-Landwirtschaftsministeriums häufen sich "Ausfälle", bei denen Kaffeebauern im Voraus vereinbarten Verträge auf dem physischen Markt nicht einhalten.

"Die drei größten Arabica-Erzeuger, Brasilien, Kolumbien und Äthiopien, verzeichnen vermehrt Zahlungsausfälle, bei denen die Landwirte den Kaffee nicht zu den vereinbarten Preisen liefern und versuchen, ihn zu den derzeit höheren Preisen weiterzuverkaufen", schreibt das USDA in seinem jüngsten Bericht über brasilianischen Kaffee. Befürchtungen über eine weitere Dürre in Brasilien trugen ebenfalls zum Anstieg der Kaffeepreise bei.

Das Auftreten des Wetterphänomens La Nina, das im südlichen Teil Südamerikas zu Trockenheit neigt, hat im zweiten Jahr in Folge zu Befürchtungen über geringe Produktionsmengen geführt - und das, obwohl die Nachfrage ungebrochen ist. Im südlichen Teil Brasiliens fielen weniger Niederschläge als normal, was die Landwirte weiter beunruhigt, so die Händler.

Quelle: ntv.de, jki

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