Wirtschaft

Meissener Porzellan in der Krise Kahlschlag bei den blauen Schwertern

Eine Malerin zeichnet gekreuzte Kurschwerter. Foto: Sebastian Kahnert/zb/dpa/Archivbild

Die Kosten beim Meissener Porzellan sollen deutlich sinken.

(Foto: Sebastian Kahnert/zb/dpa/Archivbild)

Europas älteste Porzellan-Manufaktur ist seit Jahren in der Krise. Der Ausflug in die Welt des Luxus scheiterte. Doch auch die Rückbesinnung auf das Kerngeschäft ist bislang keine Erfolgsgeschichte. Nun sind Stellenstreichungen unausweichlich.

Die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen will jede dritte Stellen streichen. Damit reduziere sich die Zahl der Mitarbeiter von 619 auf 418, teilte das Traditionsunternehmen mit. "Das ist ein großer Schock für Meißen", sagte die Meißener CDU-Abgeordnete Daniela Kuge. Das Unternehmen verwies auf das schwierige Marktumfeld in der Porzellanbranche sowie den zu erwartenden wirtschaftlichen Abschwung. Die "ambitionierten Wachstumsziele" hätten nicht erreicht werden können.

Sachsens Finanzminister Matthias Haß sagte, "um das Unternehmen langfristig und nachhaltig zu sichern, sind diese schmerzlichen Einschnitte jetzt ‎unumgänglich". Personal- und Sachkosten müssten reduziert werden. "Auch um das Unternehmen ‎perspektivisch unabhängig zu machen von Finanzhilfen des Freistaates."

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Auf der Albrechtsburg in Meissen erfand Johann Friedrich Böttger 1707 das "weiße Gold". König August der Starke hielt ihn dort fest.

(Foto: imago images/Rainer Weisflog)

Im Vorjahr setzte die Porzellan-Manufaktur rund 38 Millionen Euro um - deutlich weniger als erwartet. In dem 2017 unter dem damaligen CDU-Finanzminister Georg Unland verabschiedeten Zukunftsplan waren Umsätze von rund 50 Millionen Euro in den kommenden Jahren angepeilt worden.

Nun gehe es darum, die Porzellan-Manufaktur als einzigartiges kulturelles Erbe nachhaltig zu sichern, sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums. Die Manufaktur ist eine hundertprozentige Tochter des Freistaats. Es gebe etwa die Überlegung, das Know-how zur Porzellanherstellung in einer Akademie zu sichern. "Noch sind wir aber in einer frühen Phase", so die Sprecherin. Der Stellenabbau soll in Absprache mit dem Betriebsrat auch über Altersabgänge und nicht nachbesetzte Stellen geregelt werden. Die Ausbildung junger Mitarbeiter ist nach Unternehmensangaben von den Stellenstreichungen nicht betroffen.

Fehler im Management

Das Unternehmen mit dem bekannten Symbol der gekreuzten blauen Schwerter will sich zudem von nicht profitablen Standorten vor allem in Deutschland trennen. "Welche, das befindet sich derzeit in der Prüfung", sagte eine Manufaktur-Sprecherin.

Bereits seit Jahren kämpft Europas älteste Porzellan-Manufaktur mit Millionenverlusten. Der Umbau zum Luxuskonzern unter dem ehemaligen Chef Christian Kurtzke scheiterte. Er ließ auch Schmuck, Kleidung und Accessoires produzieren - das Konzept misslang.

2017 kündigten die Geschäftsführer Tillmann Blaschke und Georg Nussdorfer einen Kurswechsel und die Rückbesinnung auf das Kerngeschäft - das Porzellan - an. Damals gewährte der Freistaat der gut 300 Jahre alten Manufaktur Zuschüsse in Höhe von 28 Millionen Euro - als Investition in Produktion und Gebäude. Im Vorjahr zeigten sich die beiden Chefs noch optimistisch, ab 2021 wieder schwarze Zahlen zu schreiben.

Quelle: jwu/dpa