Angriff auf FlüssiggasanlagenKatar stoppt LNG-Produktion - europäischer Gaspreis explodiert

Katar ist ein Schwergewicht der globalen Flüssiggasversorgung. Der Iran nimmt die LNG-Anlagen des Emirats nach den amerikanisch-israelischen Attacken ins Visier. Offenbar mit Erfolg: Die Produktion steht still, der Gaspreis in Europa explodiert - obwohl Deutschland nicht zu den Kunden gehört.
Der europäische Gaspreis ist nach iranischen Angriffen auf zwei Flüssiggasanlagen in Katar deutlich angestiegen. Der als Referenzwert betrachtete niederländische Gaskontrakt TTF schoss am Mittag um mehr als 50 Prozent nach oben und notierte zeitweise auf dem Jahreshoch von 47,70 Euro pro Megawattstunde. Der katarische Staatskonzern Qatar Energy hatte zuvor angekündigt, die Produktion von Flüssigerdgas (LNG) in der weltweit größten Exportanlage in Ras Laffan an der katarischen Nordküste einzustellen. Auch in der Anlage Mesaieed südlich der Hauptstadt Doha wird demnach vorerst kein LNG hergestellt.
Laut dem katarischen Verteidigungsministerium wurden beide Anlagen zum Ziel iranischer Drohnenangriffe. In einem Fall soll ein Wassertank getroffen worden sein, wie es heißt. Es habe keine Opfer gegeben.
Katar gehört weltweit zu den wichtigsten LNG-Lieferanten. Qatar Energy ist für rund 20 Prozent der weltweiten LNG-Versorgung verantwortlich. Ein Analyst von Citi schätzt, dass eine längere Unterbrechung der katarischen LNG-Produktion die Preise in den Bereich von 100 Euro je Megawattstunde heben könnte. Sollte der Konflikt in den kommenden Tagen stattdessen "mit einer glaubwürdigen Deeskalation im Anschluss" enden, sei zu erwarten, dass die Preise schnell auf das Vorkriegsniveau sinken werden, heißt es weiter.
Zwar beliefert Katar mit seinem Flüssiggas vorwiegend asiatische Länder. Jedoch kann jede Unterbrechung der Exporte einen steigenden Wettbewerb um alternative Lieferungen verursachen und damit die Preise weltweit, einschließlich in Europa, in die Höhe treiben - ähnlich, wie es 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine passierte.
Neuer Bieterwettbewerb
Unabhängig von den iranischen Drohnenattacken war erwartet worden, dass der Öl- und der Gaspreis wegen der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran zulegen würden. Der Iran kontrolliert die für die Schifffahrt wichtige Straße von Hormus. Diese verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman, dem Arabischen Meer und dem Indischen Ozean. Ein Fünftel der weltweiten Öl- und LNG-Produktion wird täglich über diese Handelsroute transportiert.
Die deutsche Öl- und Gasversorgung ist laut der Bundesregierung durch die Entwicklungen nicht gefährdet: "Sie müssen keine Sorgen haben. Die Lieferquellen sind diversifiziert", sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius. Eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums ergänzte, dass nur geringe Mengen Öl aus der Golfregion kämen, LNG gar nicht. Allerdings habe die faktische Sperrung der Straße von Hormus große Auswirkungen auf den Preis. Man müsse abwarten, wie lange der Konflikt anhalte und wie sich die Preise entwickelten.
Deutschland bezieht sein Erdgas vorwiegend über Pipelines aus Norwegen (44 Prozent). Über Terminals in Deutschland (10), den Niederlanden (24) und Belgien (21) wird zudem Flüssiggas importiert - allerdings mehrheitlich aus den USA. In den USA stieg der Gaspreis um gut 7 Prozent.
Laut Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat die Bundesregierung ihre Krisenmechanismen reaktiviert. Steigende Energiepreise könnten zu einer zusätzlichen Belastung für die Wirtschaft werden, sagte die CDU-Politikerin bei der regionalpolitischen Jahrestagung des Bundeswirtschaftsministeriums in Halle. Eingriffe in den Markt seien derzeit aber nicht geplant. Diese "macht man erst dann, wenn sie absolut unvermeidbar sind".