Wirtschaft

Wo sind die 1,9 Milliarden Euro? Keine Spur von Wirecards Treuhandkonten

In dem Skandal über die verschwundenen Wirecard-Milliarden meldet sich nun der Vorstand des Dax-Konzerns zu Wort: Die in der Bilanz fehlenden 1,9 Milliarden Euro würden mit "überwiegender Wahrscheinlichkeit" nicht existieren.

Der Vorstand des Bezahldienstleisters Wirecard geht davon aus, dass die Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von insgesamt 1,9 Milliarden Euro "mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht bestehen". Die Gesellschaft war bisher von der Existenz dieser Konten ausgegangen und hatte sie als Aktivposten ausgewiesen. Die Summe entspricht nach Angaben des Unternehmens in etwa einem Viertel der Konzernbilanzsumme.

Wirecard
Wirecard ,58

Gleichzeitig nahm Wirecard die vorläufige Einschätzung des Geschäftsjahres 2019 zurück. "Mögliche Auswirkungen auf die Jahresabschlüsse vorangegangener Geschäftsjahre können nicht ausgeschlossen werden", heißt es weiter.

Gefälschte Konten?

Schon am Freitag hatten die philippinischen Banken BDO Unibank und Bank of the Philippine Islands mitgeteilt, dass der deutsche Dax-Konzern kein Kunde bei ihnen sei. Die beiden Banken hätten laut Wirecard mitgeteilt, dass "die betreffenden Kontonummern nicht zugeordnet werden konnten". Es gebe Hinweise, dass ein Treuhänder "zu Täuschungszwecken" falsche Bestätigungen vorgelegt habe. Auf den Konten der philippinischen Banken hätte die Summe eigentlich liegen sollen.

Wirecard konnte bislang keinen Nachweis über das Vorhandensein der 1,9 Milliarden Euro erbringen. Da die Wirtschaftsprüfer von EY in der Folge das Testat für den Jahresabschluss verweigerten, könnten Banken Wirecard nun den Geldhahn abdrehen. Die Aktie ist seit Tagen im Sturzflug.

Wegen des Skandals war am Freitag der Gründer und Chef von Wirecard, Markus Braun, mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Die Firma hatte zuvor ihren Jahresabschluss zum vierten Mal verschoben und mit dem möglichen Betrugsfall die Börse schockiert.

Quelle: ntv.de, bad/dpa/rts/AFP