Wirtschaft

Sorge im Fortbestand Klage könnte für Solarworld das Aus sein

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(Foto: picture alliance / dpa)

In vier Verträgen verpflichtet sich Solarworld 24.000 Tonnen Silizium zum US-Konzern abzunehmen. Und vor Gericht sieht es für den Bonner Konzern nicht gut aus. Damit sind in Mitteldeutschland mehr als 2000 Jobs in Gefahr.

Auf Europas größter Solarkonzern Solarworld kommen existenzbedrohende Wochen zu. Im Streit um einen Liefervertrag fordert der US-Konzern Hemlock knapp 800 Millionen Dollar Schadenersatz vom Bonner Konzern. Der Silizium-Lieferant legte seinen Berechnungen ausstehende Zahlungen von rund 585 Millionen Dollar (531,3 Millionen Euro) zugrunde mit einer jährlichen Verzinsung von zwölf Prozent, wie es laut Reuters in einer Erklärung des zuständigen US-Gerichts hieß. Damit summieren sich die Forderungen auf 793,5 Millionen Dollar. Das Unternehmen beschäftigt im sächsischen Freiberg sowie im thüringischen Arnsberg zusammen mehr als 2200 seiner weltweit knapp 3000 Angestellten.

Richter Thomas L. Ludington hatte Schadenersatzansprüche von Hemlock für berechtigt erklärt und die US-Firma aufgefordert, ihre Forderungen aufzulisten. Sein erstinstanzliches Urteil steht aber noch aus. Solarworld-Chef Frank Asbeck hatte zuletzt bekräftigt, im Falle einer Niederlage Rechtsmittel einzulegen. Hemlock hat die Solarworld-Tochter Deutsche Solar verklagt.

Hintergrund ist eine Auseinandersetzung um nicht abgenommenes Silizium. Die vier Verträge sehen vor, dass Solarworld bis Ende 2019 insgesamt rund 24.000 Tonnen Silizium von Hemlock kauft. Laut Gerichtsunterlagen nahm der Konzern aber seit Ende März 2012 kein Silizium von dem Lieferanten mehr ab.

In den Boom-Jahren der Solarbranche waren Zellenhersteller bereit, fast jeden Preis für Silizium zu zahlen und schlossen langfristige Verträge. Im Abschwung rächte sich das. Richter Ludington hatte dem Antrag von Hemlock auf ein beschleunigtes Verfahren ohne Jury und weitere Anhörung stattgegeben.

2015 verbuchte der seit Jahren Verluste schreibende Konzern bei einem Umsatz von 763 Millionen Euro einen Fehlbetrag von 33,2 Millionen Euro. Der Solarkonzern hat keine Rückstellungen wegen einer möglichen Prozessniederlage gebildet. Im Geschäftsbericht für das vergangene Jahr bezeichnet das Unternehmen die Wahrscheinlichkeit, dass es Schadensersatz an Hemlock zahlen muss, als "gering". Die Auswirkungen einer solchen Zahlungsverpflichtung würden aber auch nach den Angaben aus dem Geschäftsbericht "bis hin zur Bestandsgefährdung" gehen.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/DJ

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