Wirtschaft

Ende 2018 verjähren Ansprüche Kleine Anleger zu VW-Klage aufgerufen

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Am Oberlandesgericht Braunschweig beginnt am 10. September ein Prozess in der Sache.

(Foto: dpa)

Bis Ende des Jahres können Anleger, die durch den Dieselskandal hohe Kursverluste erlitten haben, gegen Volkswagen klagen. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz will kleine Anleger mobilisieren - und wirbt mit der Übernahme der Prozesskosten.

Es ist ein Kampf von David gegen Goliath, den die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) beschwört: Kleine Anleger, die im Zuge des Dieselskandals hohe Kursverluste erlitten haben, gegen den Volkswagenkonzern samt hochspezialisierter Anwälte. Die DSW rief betroffene Anleger auf, gegen den Autobauer zu klagen - und zwar "ohne Kostenrisiko und auf Augenhöhe". Die Zeit drängt, denn Ende 2018 verjähren ihre Ansprüche.

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VW St. 144,10

Dabei geht es um viel Geld: Als der Dieselskandal 2015 bekannt wurde, stürzte der Aktienkurs des Volkswagen-Konzerns binnen Tagen um 40 Prozent ab. Nach Meinung der DSW und vieler Anleger hätte Volkswagen sie damals schon viel früher über die Manipulationen und mögliche Konsequenzen informieren müssen. Deshalb verlangen sie Schadenersatz von dem Konzern.

Am Oberlandesgericht Braunschweig beginnt am 10. September ein Prozess in der Sache. In dem dortigen Musterverfahren sind etwa 1800 Kläger mit einer Forderungssumme von über neun Milliarden Euro gebündelt. Wer sich dort nicht angeschlossen hat, den will die DSW nun für ihre Klage gewinnen.

Hinter dem Aufruf steht Klaus Nieding, DSW-Vizepräsident und Vorstand einer Anwaltskanzlei, die schon viele Anlegerprozesse geführt hat. Gemeinsam mit dem Rechtsportal Myright hat er ein Modell entwickelt, wie geschädigte Anleger Volkswagen auf Schadenersatz verklagen können. Die Prozesskosten trägt eine US-Investmentfirma, die Kläger müssen nichts zahlen. Im Erfolgsfall müssen sie allerdings 30 Prozent der Schadenersatzsumme an die Firmen abtreten. Über ein Portal im Internet könnten die Geschädigten ihre Ansprüche einfach anmelden, erklärte Myright-Chef Sven Bode. Nieding und seine Partner erstellen daraus eine Klage und reichen sie im Namen des Anlegers ein.

DSW will 5000 VW-Anleger aktivieren

Bei der DSW seien 5000 VW-Anleger registriert, die bisher keine Rechtsansprüche geltend gemacht haben, sagte Nieding. Die will er aktivieren. Dazu könnte noch eine "große Gruppe institutioneller Anleger" kommen, mit denen die Anwälte und die DSW derzeit im Gespräch sind. Bei den großen Anlegern geht es demnach alleine um eine Schadenssumme von etwa fünf Milliarden Euro.

Eine Frist für die Anmeldung bei Myright steht noch nicht fest, sie wird aber wahrscheinlich Ende November oder Anfang Dezember sein, da die Anträge bis zur Verjährungsfrist bearbeitet werden müssen. Wer sich bis dahin nicht meldet, "wird auch nichts bekommen", sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.

Nachdem Nieding die Klage eingereicht hat, wird in dem Verfahren erstmal wenig passieren. Die Kläger müssen nämlich auf das Ergebnis des Musterverfahrens warten. Entscheidet das OLG im Sinne der Kläger, müssen dann andere Richter über die konkreten Ansprüche der einzelnen Anleger befinden.

Wer sich der Aktion des DSW nicht anschließen möchte, kann auch selbst noch bis Ende 2018 Klage gegen Volkswagen einreichen. Das Prozessrisiko trägt er dann zwar allein - muss im Erfolgsfall aber mit niemandem teilen.

Quelle: n-tv.de, ftü/AFP

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