Wirtschaft

Katar an vielen Firmen beteiligt Kleines, reiches Land - als Investor gefragt

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REUTERS

Die neuen Spannungen auf der Arabischen Halbinsel sorgen die deutsche Wirtschaft bislang wenig. zu klein ist das Handelsvolumen mit Katar. Doch das Land ist einer der weltweit größten Investoren - und an etlichen Global Playern beteiligt.

Die deutsche Wirtschaft reagiert auf die diplomatischen Zerwürfnisse auf der Arabischen Halbinsel um das Emirat Katar vorerst gelassen. "Die wirtschaftliche Relevanz ist kurzfristig sehr überschaubar", heißt es vom Außenhandelsverband BGA. Auch größere Ausschläge an den Börsen gab es zunächst nicht. Und doch ist die Entwicklung nicht ganz ungefährlich: Das kleine Golf-Emirat gilt wegen seines Öl- und Gasreichtums als eines der reichsten Länder der Welt - und ist ein gefragter Investor mit Beteiligungen an renommierten deutschen, aber auch an etlichen anderen internationalen Großkonzernen.

In der Rangfolge der deutschen Handelspartner lag Katar bei den Exporten im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt auf Platz 52, bei den Importen sogar nur auf Platz 79. Doch auch wenn das Handelsvolumen mit Deutschland gering sei - zuletzt waren es drei Milliarden Dollar -, die Entwicklung werde trotzdem beobachtet. So sind die Scheichs etwa bei Europas größtem Autohersteller Volkswagen, bei der Deutschen Bank und beim Technologiekonzern Siemens engagiert.

QIA soll die Zeit nach dem Öl vorbereiten

Die Experten des Instituts SWFI zählen die katarische Dachgesellschaft für diese Beteiligungen, die "Qatar Investment Authority" (QIA), zu den 15 größten Staatsfonds. Die QIA sieht sich selbst als globalen Investor, der seine Gelder in etlichen Vermögensklassen und Branchen in allen Teilen der Welt anlegt. Experten taxieren die investierte Summe auf mehr als 330 Milliarden Dollar.

"QIA bemüht sich um langfristig orientierte Rückflüsse aus Investitionen, ohne sich ungebührlichen Risiken auszusetzen", beschreibt QIA seine Strategie. Vorrangiges Ziel sei es, Gelder aus dem Öl- und Gasgeschäft so anzulegen, dass der Staat und künftige Generationen auf lange Sicht profitieren. Es gehe um nachhaltige Renditen ohne übermäßigen Risikogehalt.

Scheu sind die Experten auch bei der Nennung der Beteiligungen. Selbst spricht der Fonds lediglich allgemein von Anteilen an Volkswagen, Barclays, Canary Wharf, der Harrods-Gruppe, Credit Suisse, Heathrow, Glencore, Tiffany & Co und Total.

Deutschland war für Katar zuletzt wenig Einträglich

Bei Volkswagen ist die Qatar Holding mit 14,6 Prozent einer der ganz großen Aktionäre. Bei der Deutschen Bank hielten Katars Ex-Premier Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al-Thani und sein Cousin Hamad Bin Khalifa Al-Thani Ende vergangenen Jahres zusammen rund acht Prozent sowie Kaufoptionen im Volumen von rund zwei Prozent. Bei Hapag Lloyd wird die QIA mit 14,4 Prozent Kapitalanteil geführt. Auch Konzerne wie Hochtief, Porsche und Solarworld haben Erfahrungen mit katarischen Aktionären. Dabei haben gerade die deutschen Engagements den Großanlegern aus dem Emirat in den vergangenen Jahren erhebliche Verluste gebracht.

Doch Katar ist noch viel breiter engagiert. So beteiligt sich das Emirat auf den Immobilienmärkten, kauft Ländereien, Wälder, Anleihen und andere Finanzinstrumente. Und das Land ist weiter aktiv. Erst jüngst hat sich Katar wieder in der Türkei engagiert. Daneben wurden Anteile an der russischen Ölgesellschaft Rosneft erworben. Beim französischen Mischkonzern Lagardere hat Katar gerade seinen Anteil erhöht und prüft offenbar weitere Aufstockungen. null

Die deutsche Handelskammer führt nach Angaben der katarischen Botschaft in Berlin 64 Firmen aus Deutschland an, die in Katars Hauptstadt Doha einen Sitz haben. Dazu zählten Allianz, Deutsche Bank, BMW, Siemens , Thyssen Krupp, Solarworld und Wintershall. Das Land hat wiederholt sein Interesse bekundet, noch stärker mit Deutschland zu kooperieren.

Denn die katarische Wirtschaft hat auch bedingt durch den Ölpreis-Rückgang beständig an Fahrt verloren. Im vergangenen Jahr belief sich das Wachstum auf nur noch 2,6 Prozent.

Quelle: n-tv.de, jwu/dpa/rts

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