Wirtschaft

Ausgleich für Verpflichtungen Kohlekompromiss beschert RWE-Aktionären Milliarden

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Der Nebel lichtet sich: RWE wird laut dem Kohlekompromiss bei einer vorzeitigen Stilllegung seiner Tagebauten nicht auf milliardenschweren Pensions- und Rückbauverpflichtungen sitzen bleiben.

(Foto: imago/CoverSpot)

Öffentlich beklagt RWE die Härten, die die Vorschläge zum Kohleausstieg für den Konzern mit sich brächten. Tatsächlich könnten die Pläne aber den Wert des Unternehmens in die Höhe schießen lassen.

Die Reaktion von RWE kam prompt: Sofort nach Bekanntwerden der Empfehlungen der Kohleausstiegskommission verschickte der größte Braunkohle-Stromproduzent des Landes und Betreiber mehrerer großer Tagebauten seine Stellungnahme - und hob die "gravierenden Folgen" der Vorschläge für das eigene Braunkohlegeschäft hervor. Ein Ende der Kohleverstromung 2038 hält das Unternehmen "für deutlich zu früh". In einem Interview spricht RWE-Chef Rolf Martin Schmitz von Tausenden Arbeitsplätzen, die bei einer Umsetzung der Kommissionspläne vernichtet würden.

Zu einem ganz anderen Ergebnis kommen allerdings Finanzanalysten, die die möglichen Auswirkungen des Kommissionsergebnisses für RWE untersucht haben. Viele Banken hoben ihre Prognosen für die Kursentwicklung der Aktie an. Der Zeitplan zum Kohleausstieg sei nun klar und für die Essener weniger belastend als befürchtet, schreibt etwa Goldman-Sachs-Experte Alberto Gandolfi. RWE könne insgesamt Kompensationszahlungen von zwischen 3,5 und 5,5 Milliarden Euro erwarten.

Auch Guido Hoymann, Leiter der Aktienanalyse beim Bankhaus Metzler und zuständig für die Sektoren Versorger und Transport, beurteilt das Ergebnis der Kohlekommission als positiv für RWE. Derzeit wird der Gesamtkonzern an der Börse mit rund zwölf Milliarden Euro bewertet. "Die Bewertung der konventionellen Stromerzeugung liegt dabei etwa bei minus vier Milliarden Euro", so Guido Hoymann, Chefanalyst für Versorger und den Transportsektor beim Bankhaus Metzler. Denn in diesem Bereich habe RWE hohe Verpflichtungen etwa für Pensionen und den Rückbau von Tagebauten.

Mit den Kommissionsvorschlägen sei nun gesichert, dass der Konzern nicht auf diesen Milliardenkosten sitzen bleibe, wenn er Kraftwerke und Tagebauten stilllegen muss, sagt Hoymann. Einen großen Gewinn werde RWE bis zum Ende der Kohleverstromung wohl nicht mehr aus diesem Bereich ziehen. Das Geschäft dürfte eher ein Nullsummenspiel werden. Da bisher allerdings befürchtete Milliardenlasten in den Börsenkurs eingepreist sind, können die Aktionäre auf eine deutliche Kurserholung hoffen, wenn die Kommissionsvorschläge umgesetzt werden.

Einige Analysten erwarten zudem, dass Stromerzeuger wie RWE von einem steigenden Strompreis profitieren werden, wenn Kraftwerke abgeschaltet werden und das Angebot auf dem Strommarkt sinkt. Hoymann gibt allerdings zu bedenken, dass die Produktionskosten bei den Gaskraftwerken fast doppelt so hoch seien wie bei den dann nach und nach abgeschalteten Kohlemeilern. Hohe Gewinne für die Kraftwerksbetreiber würden dann trotz steigender Preisen für die Verbraucher kaum übrig bleiben.

Quelle: n-tv.de

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