Wirtschaft

Folgen des Coronavirus Konsum macht Chinas Wirtschaft anfällig

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Derzeit sind mehrere Millionenstädte abgeriegelt, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern.

(Foto: imago images/ZUMA Press)

Chinas Wirtschaft und ihre Bedeutung für die Welt haben sich grundlegend geändert seit der Sars-Epidemie 2002. Daher ist das Coronavirus gefährlicher für das Land und seine Handelspartner.

Wie hart der Virusausbruch in der Industriemetropole Wuhan die Wirtschaft Chinas oder gar der Welt treffen wird, traut sich bislang kaum ein Experte vorauszusagen. Doch es gibt unübersehbare Anzeichen, dass die Pandemie weit über ihren Ursprungsort hinaus spürbare Folgen haben wird. So meldet etwa der Ticket-Dienst Maoyan, dass der Umsatz an Chinas Kinokassen am ersten Tag des chinesischen Neujahrsfests um mehr als 99 Prozent gegenüber dem Vorjahr einbrach. Viele Kinos und auch andere Kultur- und Vergnügungsstätten im ganzen Land blieben an dem in normalen Jahren besonders umsatzstarken Feiertag gleich ganz geschlossen.

Die Auswirkungen der Epidemie auf den Konsum der Chinesen und dessen Bedeutung für die Gesamtwirtschaft ist einer der Unterschiede der aktuellen Situation zur Ausbreitung des Sars-Virus 2002, der oft von Ökonomen als Vergleich für die möglichen wirtschaftlichen Folgen herangezogen wird. Den Schaden von damals beziffern Ökonomen häufig mit etwa einem Prozent Wachstum, das Chinas damals boomende Volkswirtschaft eingebüßt habe. Doch Kinobesuche und private Konsumausgaben, die aktuell stark unter der Epidemie leiden, spielten damals in der extrem auf Industrieexporte ausgerichteten Wirtschaft kaum eine Rolle. Heute ist Privatkonsum für mehr als die Hälfte des ohnehin viel geringeren Wirtschaftswachstums als vor 17 Jahren verantwortlich.

Auch Chinas Rolle in der Weltwirtschaft ist viel größer. 2002 waren es noch gut acht Prozent, heute ist sind rund doppelt so viel. Die lahmende Nachfrage aus China gehörte schon im vergangenen Jahr zu den großen Sorgen der deutschen Exportwirtschaft. Besonders stark dürfte sich die Coronavirus-Pandemie aber auf die vorrangigen Reiseziele chinesischer Touristen auswirken. Laut der Welttourismusorganisation gaben Chinesen bei Auslandsreisen 2018 277 Milliarden Dollar aus, fast doppelt so viel wie die zweitplatzierten US-Amerikaner und etwa dreimal so viel wie die ehemaligen Reiseweltmeister aus Deutschland.

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Nimmt man den Sars-Erreger als Maßstab, könnten die chinesischen Auslandsreisen um etwa ein Drittel einbrechen. Das würde etwa Japan besonders hart treffen, Chinesen sind dort inzwischen die größte ausländische Kundengruppe der Tourismusbranche, die inzwischen knapp ein Fünftel der japanischen Wirtschaftsleistung erbringt.

Die Auswirkungen der Maßnahmen in China auf den gigantischen Industriesektor des Landes sind bislang kaum abzuschätzen. "Entlastend ist, dass wir jetzt Ferienzeiten haben sowie in China", sagt Ulrich Kater, der Chefvolkswirt der Dekabank, ntv.

Derzeit sind mehrere Millionenstädte abgeriegelt, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. In Wuhan einem Logistik- und Industriezentrum, dessen Wirtschaftskraft etwa mit der eines ganzen Landes wie Vietnam vergleichbar ist, ist auch der innerstädtische Verkehr weitgehend gestoppt. "Mit jedem Tag, den das weitergeht, wächst die Belastung der Konjunktur in China", warnt Kater.

Quelle: ntv.de, mbo