Wirtschaft

Fast 1300 Euro pro Kopf Korruption kostet Deutschland Milliarden

imago78653037h.jpg

Korruption ist vor allem in der öffentlichen Verwaltung ein Problem, wie das Bundeslagebild des Bundeskriminalamts zeigt.

imago/photothek

Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen, Bestechung von Beamten oder Schmiergeldzahlungen in der freien Wirtschaft - auch in Deutschland gibt es solche Fälle. Eine Studie zeigt das Ausmaß der Schäden.

Mehr als 104 Milliarden Euro gehen Deutschland angeblich Jahr für Jahr aufgrund von Korruption verloren. Das sind etwa vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das geht aus einer Studie der Europäischen Grünen hervor, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. In der gesamten EU belaufen sich die Kosten der Korruption pro Jahr demnach auf mehr als 900 Milliarden Euro.

Der Studie zufolge verliert Deutschland durch Korruption viermal mehr Geld als bundesweit in die Arbeit der Polizei gesteckt wird und zehn Mal mehr als für öffentlichen Wohnungsbau ausgegeben wird.

Der Finanzexperte der Europäischen Grünen, Sven Giegold, fordert von der Bundesregierung ein engagiertes Eingreifen. Korruption zerstöre das Vertrauen in den Staat und seine Fürsorgepflicht. "Milliarden Euro versickern jährlich im deutschen Korruptionssumpf. Das Geld wäre gut investiert in Schulen, Wohnungsbau und Gesundheitsvorsorge", sagte Giegold dem RND. Die Bundesregierung solle unter anderem beim Schutz von Hinweisgebern vorangehen. Auch müsse sich Berlin für einen besseren Schutz von Whistleblowern und eine starke Europäische Staatsanwaltschaft einsetzen, so der Europa-Parlamentarier.

Um das Ausmaß der Korruption zu verdeutlichen, zitieren die Autoren der Studie greifbare Beispiele. Demnach gehe durch Korruption doppelt so viel Geld verloren wie für Familien und Kinder ausgegeben wird. Würden die 104 Milliarden Euro unter allen Einwohnern Deutschlands verteilt, dann bekäme jeder die Summe von 1276 Euro, heißt es in der Studie.

Im Vergleich zu den anderen EU-Staaten liegt Deutschland im unteren Mittelfeld. Spitzenreiter in Sachen Korruption ist der Studie zufolge Rumänien. Dort gehen 15,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verloren. In den Niederlanden sind es nur 0,76 Prozent. In Frankreich liegt der Wert bei sechs Prozent. Die Zahlen aus der Studie wurden den Autoren zufolge aus verschiedenen, öffentlich zugänglichen Statistiken ermittelt. Im weltweiten Korruptionswahrnehmungsindex, den Transpareny International erstellt, lag Deutschland zuletzt auf dem zwölften Platz hinter Großbritannien und Luxemburg.

Quelle: n-tv.de, ino

Mehr zum Thema