Wirtschaft

"Erhebliche Einschränkungen" Krise hat schmerzhafte Folgen für Fresenius

131424205.jpg

Die vorsorgliche Bereitstellung an Klinikkapazitäten ging auch für private Krankenhausbetreiber wie Helios ins Geld.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der größte Belastungstest in der öffentlichen Gesundheitsversorgung der Gegenwart geht an Fresenius nicht spurlos vorüber. Der Dax-Konzern muss die Geschäftsprognosen für das Pandemie-Jahr 2020 anpassen. Die Fresenius-Tochter FMC hält sich überraschend gut.

Deutschlands größter privater Krankenhausbetreiber Fresenius muss wegen der Corona-Krise seine Ziele für das laufende Jahr nach unten korrigieren. Im zweiten Quartal schlugen die Folgen der Pandemie voll auf das Geschäft des Gesundheitskonzerns durch. Das im deutschen Leitindex Dax gelistete Unternehmen mit Sitz in Bad Homburg bei Frankfurt musste zeitweise zahlreiche Klinikbetten für Corona-Patienten frei halten. Zugleich konnten deutlich weniger fest eingeplante Operationen stattfinden, was Fresenius über den sinkenden Bedarf etwa an Flüssigmedizin, Narkosemittel und klinischer Ernährung zu spüren bekam.

Die auf diese Medizinprodukte spezialisierte Fresenius-Tochter Kabi wurde dadurch deutlich gebremst. Zudem ließ die Nachfrage nach Medikamenten zur Behandlung von Corona-Patienten in Europa und den USA im Lauf des Sommers nach. Im China-Geschäft verzeichnete Fresenius unterdessen nur eine "schrittweise Erholung". Die Projekttochter Vamed musste Planungen aufschieben und schrieb Verlust.

Von April bis Juni kletterte der Umsatz von Fresenius um zwei Prozent auf 8,9 Milliarden Euro. Der Betriebsgewinn blieb mit gut 1,1 Milliarden Euro etwa stabil, während das um Sondereffekte bereinigte Konzernergebnis um 13 Prozent auf 410 Millionen Euro nachgab.

Fresenius SE
Fresenius SE 39,36

Vorstandschef Stephan Sturm sprach von "teils erheblichen Einschränkungen, insbesondere im Krankenhausbetrieb". Er peilt nun für dieses Jahr währungsbereinigt ein Umsatzwachstum von drei bis sechs Prozent an, wie Fresenius mitteilte. Der Gewinn unterm Strich werde inklusive Corona-Effekten in einer Spanne von minus vier Prozent bis plus ein Prozent liegen, hieß es. Bisher hatte Fresenius einen stärkeren Umsatzanstieg und ein Gewinnplus von bis zu fünf Prozent angepeilt.

An der Börse kam der Quartalsbericht mit der gekappten Prognose nicht gut an. Die Aktien von Fresenius gaben nach Vorlage der Zahlen deutlich stärker nach als der Gesamtmarkt.

Das Zurückstecken bei den eigenen Zielvorgaben ist schmerzhaft, da Fresenius schon 2018 zweimal die Prognose kürzen musste und nach einem Übergangsjahr wieder durchstarten wollte. Der Dax-Konzern hatte die Zahl der Intensivbetten für Corona-Patienten im Frühjahr kräftig aufgestockt, ausgelastet wurden sie aber selbst auf dem Höhepunkt der Pandemie bei weitem nicht. Zuwendungen des Bundes konnten den Effekt fehlender Einnahmen aus aufgeschobenen Operationen nur abmildern.

FMC trotz Krise robust

Die Tochter Helios, die 86 Kliniken in Deutschland betreibt, verzeichne nun aber eine "allmähliche Zunahme" von Behandlungen. Die Krankenhäuser insgesamt kehren wieder zum Regelbetrieb zurück, aufgeschobene Operationen werden nachgeholt. In den Kliniken in Spanien kann Fresenius bisher nicht auf finanziellen Ausgleich bauen.

FMC
FMC 73,14

Als robust erwies sich die Dialysetochter FMC, die nach einem Umsatz- und Ergebniszuwachs im zweiten Quartal ihre Jahresziele unverändert ließ. Trotz der Corona-Krise konnte die ebenfalls im Dax notierte FMC den Betrieb in den weltweit mehr als 4000 Dialysezentren ohne nennenswerte Unterbrechungen aufrechterhalten.

Dabei profitierte FMC auch vom Trend zur Heimdialyse, die Nierenpatienten eine komfortablere Blutwäsche zu Hause ermöglicht. Im zweiten Quartal stieg so die Zahl der Heimdialyse-Behandlungen in Nordamerika nach der Übernahme des US-Konzerns NxStage kräftig um 15 Prozent.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa