Wirtschaft

Anleihemarkt unter Beobachtung Lagarde: Inflation ist nur ein "Ausrutscher"

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Notenbankchefin Christine Lagarde in einer Videoschalte mit dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments.

(Foto: picture alliance / AA)

Der Anstieg der Verbraucherpreise im Euroraum lässt die EZB weiterhin kalt. Kurzfristige Ausschläge seien kein Anlass etwas zu tun, betont Notenbankchefin Lagarde. Angesichts steigender Anleiherenditen ist die EZB in Habachtstellung. "Je nach Marktbedingungen" sollen zusätzliche Anleihenkäufe "flexibel" erfolgen.

Die europäischen Notenbank hält an ihrem Kurs fest: Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nicht auf kurzfristige Ausschläge bei der Inflation reagieren, wie Notenbankchefin Christine Lagarde im Wirtschafts- und Währungsausschuss des EU-Parlaments erklärte.

Die EZB erwartet dieses Jahr einen Anstieg der Teuerungsrate, der aber aus ihrer Sicht vor allem von vorübergehenden Faktoren geprägt ist. Die EZB hatte bereits in Aussicht gestellt, durch diese Entwicklung "hindurchsehen" zu wollen. "Wir werden uns nicht auf Ausrutscher konzentrieren, auf nicht-nachhaltige Bewegungen, und ich denke, wir müssen uns gegenseitig warnen, dass die Inflationszahlen im Laufe von 2021 steigen werden", sagte Lagarde.

"Wir dürfen den Wald nicht mit den Bäumen verwechseln. Eine kurzfristige Inflationsbewegung, die mit vorübergehenden Faktoren … zusammenhängt, sollte keine bestimmte Bewegung auslösen, im Gegenteil", sagte Lagarde weiter. Dies sei keine Aufholjagd. "Wir versuchen … zu verhindern, dass die Renditen der wirtschaftlichen Entwicklung einen Schritt voraus sind ."

Im Februar zogen die Verbraucherpreise wie im Januar um 0,9 Prozent an. Zuvor waren sie im Zuge der Pandemie sogar mehrere Monate in Folge gefallen. Experten erwarten, dass die Jahresteuerung in den nächsten Monaten weiter zulegen wird.

Vom billionenschweren US-Stimuluspaket für die Konjunktur gingen wahrscheinlich moderate Impulse für das Wachstum in Europa aus, sagte Lagarde weiter. Zugleich wies sie darauf hin, dass es entscheidend für die Erholung der Wirtschaft in Europa sei, dass das EU-eigene Hilfspaket, das 2020 beschlossen wurde, umgesetzt werde. Die Regierungen der EU-Länder haben noch bis Ende April Zeit, um ihre Projektpläne bei der EU-Kommission einzureichen, wie sie Gelder aus dem vereinbarten 750 Milliarden Euro großen Wiederaufbaufonds einsetzen wollen.

Erhöhung der Anleihenkäufe: "Wenn nötig, werden wir etwas tun"

Bei den Anleihenkäufen der EZB wird sich das beschlossene höhere Tempo nach Aussage von Lagarde voraussichtlich erst mit der Zeit in den Daten widerspiegeln. Die wöchentlichen Daten zu den Käufen würden weiterhin von Faktoren wie den Anleihetilgungen verzerrt, sagte sie. "Die Erhöhung der Geschwindigkeit unseres Programms wird sichtbar werden, wenn es über längere Zeitstrecken betrachtet wird."

Die EZB hatte vergangene Woche auf ihrer Zinssitzung beschlossen, die Geschwindigkeit ihrer Anleihenkäufe im Rahmen ihres Pandemie-Programms PEPP deutlich zu erhöhen. Damit will sie einer unerwünschten Verschärfung der Finanzierungsbedingungen für Unternehmen, Staaten und Haushalte entgegentreten. Denn seit Jahresbeginn waren die Staatsanleiherenditen kräftig nach oben geklettert. Die Renditen dienen beispielsweise Banken als Orientierung, wenn sie ihre Kreditkonditionen festlegen.

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"Die Käufe werden flexibel umgesetzt je nach Marktbedingungen", sagte sie den EU-Abgeordneten. Der Rat der EZB werde bei seinen alle sechs Wochen stattfindenden geldpolitischen Beratungen über die Angemessenheit der Anleihenkäufe im Rahmen des Pandemiekaufprogramms PEPP sprechen. "Wir messen natürlich alle sechs Wochen, wenn wir unsere geldpolitische Ratssitzung haben, diese Größen, um eine Einschätzung vorzunehmen - Finanzierungsbedingungen, Inflationsausblick", sagte Lagarde in der Anhörung des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Europaparlaments und fügte hinzu: "Wenn nötig, werden wir etwas tun."

Die Euro-Wächter hatten im Februar im Rahmen des PEPP-Programms Papiere im Volumen von knapp 60 Milliarden Euro erworben. Analysten erwarten, dass die Monatsvolumina nun klar noch oben gehen werden.

Quelle: ntv.de, ddi/rts

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