Wirtschaft

Fed über Inflation unbesorgt Powell sieht rasante Corona-Erholung

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Ist er besorgt oder nicht: Die Börsenmakler legen jedes Wort von Fed-Chef Powell auf die Goldwaage.

(Foto: picture alliance / Consolidated News Photos)

Mit Bangen erwarten die Börsen den Zinsentscheid der US-Notenbank. Der kommt, wie erhofft: Die ultralockere Geldpolitik geht weiter. Und die Wirtschaftsdaten von Fed-Chef Powell machen noch mehr Mut: Danach verschwindet die Corona-Krise sehr bald im Rückspiegel.

Angesichts der erfolgreichen Impfkampagne und des jüngsten riesigen Konjunkturpakets rechnet die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) im laufenden Jahr mit einem deutlich stärkeren Wirtschaftswachstum. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft soll trotz Corona in diesem Jahr um 6,5 Prozent wachsen. Das ging aus einer neuen Wirtschaftsprognose der Zentralbank hervor. Im Dezember war die Notenbank noch von einem Wachstum der US-Wirtschaft um 4,2 Prozent ausgegangen.

Auch die Lage am Arbeitsmarkt soll sich schneller verbessern. Bis Jahresende rechnet die Notenbank mit einer Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent. Im Dezember hatte die Fed noch 5,0 Prozent angenommen. Notenbankchef Jerome Powell schränkte ein, dass die Lage auf dem Arbeitsmarkt immer noch deutlich schlechter sei als vor der Pandemie. Derzeit gebe es rund 9,5 Millionen Jobs weniger als noch Anfang 2020, sagte Powell. Die Arbeitslosenquote lag im Februar bei 6,2 Prozent. Vor der Pandemie hatte die Quote bei 3,5 Prozent gelegen, dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten. Die Entwicklung der Wirtschaft hänge weiter vom Verlauf der Pandemie ab und sei daher höchst unsicher, warnte Powell. "Seit Januar ist die Zahl neuer Infektionen, Krankenhausaufenthalte und Todesfälle gefallen, und die laufenden Impfungen geben uns Hoffnung für die Rückkehr zu normaleren Bedingungen später in diesem Jahr", sagte Powell.

Die Fed beließ ihren Leitzins wegen der Corona-Krise wie erwartet auf dem sehr niedrigen Niveau von 0,0 bis 0,25 Prozent. Auch die Wertpapierkäufe in Höhe von rund 120 Milliarden US-Dollar im Monat zur Stützung der Konjunktur werden weitergehen. Die Fed werde Arbeitsmarkt und Wirtschaft "so lange es nötig ist" mit "allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln" unterstützen, versprach Powell. Analysten hatten vor der Fed-Entscheidung damit gerechnet, dass die Notenbank an ihrem bisherigen Kurs festhält.

"Höhere Inflation kein Grund für Zinssenkung"

Die Fed hat bereits mit einer beispiellosen Lockerung ihrer Geldpolitik reagiert, um die Wirtschaft in der Corona-Krise zu stützen. In ihrer neuen Prognose rechnet die Notenbank nun auch mit einer Inflationsrate von 2,4 Prozent für dieses Jahr - deutlich höher als die noch im Dezember angenommenen 1,8 Prozent. Powell betonte, ein temporäres Überschreiten des Fed-Ziels von rund zwei Prozent für die Teuerungsrate sei kein Grund für eine Zinserhöhung. Der Prognose zufolge ist bis einschließlich 2023 nicht mit einer Erhöhung des extrem niedrigen Leitzinses zu rechnen.

Der US-Kongress hatte vergangene Woche ein von Präsident Joe Biden vorgeschlagenes riesiges Konjunkturpaket im Umfang von rund 1,9 Billionen Dollar (rund 1,6 Billionen Euro) beschlossen. Das entspricht fast zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Das Paket sieht unter anderem Direkthilfen von 1400 Dollar pro Person für die meisten US-Steuerzahler vor. Das Finanzministerium erklärte, bislang seien bereits 90 Millionen Zahlungen im Wert von rund 242 Milliarden Dollar elektronisch erfolgt. Der Kongress hatte erst Ende Dezember ein Hilfspaket in Höhe von rund 900 Milliarden Dollar verabschiedet, um den dramatischen Einbruch der Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr zu überwinden. Nach der Zuspitzung der Pandemie hatte das Parlament im vergangenen Frühjahr außerdem schon Konjunkturpakete in Höhe von fast drei Billionen Dollar beschlossen. Der Schuldenberg ist seither sehr schnell angestiegen.

Die Impfkampagne in den USA, einem Land mit 330 Millionen Einwohnern, kommt gut voran. Insgesamt wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC bislang rund 113 Millionen Dosen Corona-Impfstoff verabreicht. Knapp 74 Millionen Menschen erhielten demnach mindestens eine Dosis, rund 40 Millionen gelten bereits als voll geimpft. In den USA werden die Impfstoffe von Moderna und Biontech/Pfizer eingesetzt, bei denen zwei Dosen gespritzt werden, und der Impfstoff von Johnson & Johnson, der bereits nach einer Dosis seine volle Wirkung entfaltet.

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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