Wirtschaft

"Kakao steigert die Intelligenz" Landliebe streicht strittige Werbeslogans

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Landliebe muss künftig auf bestimmte Werbesprüche verzichten.

(Foto: dpa)

Kakao soll die Intelligenz steigern - dessen ist sich Landliebe sicher und wirbt mit dem Slogan für zuckerhaltige Schulmilch. Die wissenschaftliche Grundlage ist jedoch dünn. Nach einer Abmahnung durch Foodwatch zieht das Unternehmen nun Konsequenzen.

Werbung wie "Kakao steigert die Intelligenz" hat der Schulmilchlieferant Landliebe nach Kritik der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch jetzt zurückgezogen. "Diese Bedenken von Foodwatch nehmen wir ernst und haben entschieden, diese Aussagen künftig nicht mehr zu verwenden", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme des Konzerns FrieslandCampina, zu dem Landliebe gehört. Gerügt habe Foodwatch formal-juristische Mängel, die man aufgreife. Zugleich verteidigte das Unternehmen in dem Statement die staatliche Förderung des Kakaos im Schulmilchprogramm.

Nach Darstellung von Foodwatch hat Landliebe nach einer Abmahnung des Vereins eine Unterlassungserklärung unterschrieben. Demnach dürfen bestimmte Werbeaussagen zu gezuckerter Schokomilch nicht mehr verbreitet werden. Unter anderem verzichtet Landliebe der Unterlassungserklärung zufolge in Broschüren oder auf Websites auf folgende Aussagen: "Kakao zum Frühstück verursacht weniger Karies als Wasser", "Kakao schmeckt und macht geistig fit", "Kakao steigert die Intelligenz und Konzentration" sowie auf weitere Hinweise auf Leistungssteigerung durch Schokomilch.

Wissenschaftlich dünnes Eis

Trotzdem betonte Landliebe in der Erklärung, sachlich seien die kritisierten Aussagen aber zutreffend und wissenschaftlich untermauert. An den wissenschaftlichen Studien darf allerdings gezweifelt werden. Laut Foodwatch sind alle Autoren der Studien auf unterschiedlichen Wegen mit der Milchwirtschaft verbandelt und machen teilweise auch Werbung für Produkte wie beispielsweise "Milchschnitte" oder "Nutella". Um die Studien zu tarnen, wurden eigens dafür Institute gegründet, die vorgeben, zu staatlichen Universitäten zu gehören. Ihre Finanzierung bleibt aber undurchsichtig.

Foodwatch ging auch mit Bundesländern ins Gericht, die das Schulmilchprogramm unkritisch mitgemacht hätten. "Wenn es den Bundesländern um die Gesundheit der Kinder und nicht um den Profit der Milchindustrie geht, sollte mit dem Zuckermilchprogramm in Schulen nun endlich Schluss sein", sagte Vereins-Geschäftsführer Martin Rücker.

Klöckner soll sich positionieren

Die Verbraucherorganisation forderte Nordrhein-Westfalen, Berlin und Brandenburg auf, die Subventionen für Milchgetränke mit Zuckerzusätzen an Schulen zu stoppen. Die einzelnen Schulen entscheiden selbst darüber, ob sie an dem Programm teilnehmen. Auch von Ernährungsministerin Julia Klöckner erwarte Foodwatch ein deutliches Signal gegen staatliche Förderung von Zuckerkonsum an den Schulen, sagte Foodwatch-Vertreter Rücker. FrieslandCampina wies darauf hin, dass es gute Gründe gebe, dass nicht nur Milch, sondern auch zuckerhaltiger Kakao gefördert werde. Denn nicht alle Kinder würden pure Milch mögen. "Auch diese Kinder sollen die Möglichkeit erhalten, in den Genuss von subventionierten Milcherzeugnissen zu kommen."

Dabei bleibe Landliebe deutlich unter der staatlichen Vorgabe für Schulkakao von 7 Prozent. "Wir finden es daher immer noch deutlich besser, wenn Kinder, die keine Milch mögen, zu Schulkakao greifen statt zu herkömmlichen Erfrischungsgetränken." Unter anderem würden die Kinder durch das Programm mit Kalzium versorgt.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa

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