Wirtschaft

Reaktion auf Bauernproteste Lidl macht Schweinefleisch teurer

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Schweineprodukte wie Schnitzel sind bei Lidl in Zukunft 1 Euro pro Kilogramm teurer.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit Wochen klagen Landwirte über Existenznöte und protestieren gegen die Billigpreise von Einzelhandelshandelsketten. In vielen Städten blockieren sie Zentrallager. Lidl reagiert darauf nun mit einer Preiserhöhung. Andere Discounter könnten nachziehen.

Der Discounter Lidl hat als Reaktion auf die jüngsten Protest- und Blockadeaktionen von Landwirten die Preise für Schweineprodukte erhöht. Lidl habe den Einkaufspreis für zehn Artikel aus dem Schweinefleischsortiment um einen Euro pro Kilogramm angehoben, als Folge steige der Verkaufspreis im gleichen Umfang, teilte der Discounter in Heilbronn mit.

Lidl hatte vergangene Woche schon angekündigt, 50 Millionen Euro zusätzlich an die Landwirte über die Initiative Tierwohl auszuzahlen. Jetzt folge eine weitere Soforthilfemaßnahme für die unter Druck stehenden Schweinebauern, hieß es. "Preis bewusst erhöht für unsere Bauern" steht laut Lidl bei Artikeln wie Schweinehackfleisch oder Schinkenschnitzeln am Preisschild.

"Die Preiserhöhung dieses Artikels geben wir zu 100 Prozent weiter." Die Kunden hätten so die Möglichkeit, sich bewusst dafür zu entscheiden, einen Beitrag für die Unterstützung der heimischen Landwirtschaft zu leisten, erklärte der Discounter. Der Konzern habe mit seinen Lieferanten vereinbart, dass der Aufschlag zu hundert Prozent an die Landwirte weitergegeben werde. So solle das Geld "schnell und unbürokratisch auf den Höfen" ankommen.

Verband fordert neue Rahmenbedingungen

Die sich in Existenznot sehenden Bauern klagen über zu geringe Erzeugerpreise und ein aus ihrer Sicht unfaires Gebaren der Einzelhandelsketten. In den vergangenen zwei Wochen blockierten sie mit ihren Traktoren in vielen Städten Zentrallager. Der Deutsche Bauernverband forderte am Mittwoch, die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Handel bedürfe "neuer Rahmenbedingungen und einer grundlegenden Veränderung". Das Forderungspapier richtete sich an Aldi, Lidl, Edeka und Rewe. Am Freitag will Lidl-Konkurrent Aldi Gespräche unter anderem mit der Bauern-Protestbewegung "Land schafft Verbindung" führen.

Der Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) im niedersächsischen Damme, Torsten Staack, begrüßte die Reaktion Lidls. Er gehe davon aus, dass auch die anderen Händler nachziehen werden. Den stark gefallenen Erzeugerpreisen stünden gestiegene Verbraucherpreise gegenüber. "Von den höheren Verbraucherpreisen ist bei den Bauern bislang nichts angekommen." Die Diskussion müsse zu einer auch für Bauern nachhaltigen Preispolitik führen.

Quelle: ntv.de, chf/dpa/AFP

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