Wirtschaft

2399 Tonnen schweres GeschenkLitauen liefert Ukraine vollständiges Heizkraftwerk

13.01.2026, 14:46 Uhr
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Das Heizkraftwerk mit dem offiziellen Namen Vilnius CHP-3 war Berichten zufolge das schmutzigste von ganz Litauen. (Symbolbild) (Foto: IMAGO/Anadolu Agency)

Mit Angriffen auf die energetische Infrastruktur möchte Russland die Ukraine zermürben. Mitten im eisigen Winter erhält das Land eine gute Nachricht: Litauen liefert ein altes Heizkraftwerk aus Vilnius.

Der litauische Energieversorger Ignitis Gamyba hat ein altes Heizkraftwerk aus der Hauptstadt Vilnius auseinandergebaut und in die Ukraine geliefert. Wie das britische Branchenportal Energy Institute meldet, verfügt die Anlage für Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) über eine Gesamtleistung von 1000 Megawatt (603 MW Heizleistung und 360 MW Stromleistung) und kann bis zu einer Million Menschen mit Energie und Wärme versorgen. Aus Sicherheitsgründen wird nicht mitgeteilt, in welche Region der Ukraine die Einzelteile des Kraftwerks geliefert wurden. Bekannt ist dem Bericht zufolge allerdings, dass die Anlage nicht in Gänze wiederaufgebaut wird. Stattdessen soll sie gewissermaßen als Ersatzteillager für ukrainische Kraftwerke dienen, die von Russland zerstört wurden.

Das Heizkraftwerk mit dem offiziellen Namen Vilnius CHP-3 war mehr als 30 Jahre in Betrieb und litauischen Berichten zufolge das schmutzigste Kraftwerk des Landes. Laut Ignitis Gamyba waren zudem die Betriebskosten zu hoch. Deshalb wurde das Kraftwerk 2016 stillgelegt und durch eine moderne Biokraftstoffanlage ersetzt, die Strom und Wärme aus Müll erzeugt.

2399 Tonnen in 149 Lieferungen

Im Sommer 2024 kündigte der litauische Energieversorger an, dass es das Kraftwerk der Ukraine schenken wird. "Obwohl die Anlage seit neun Jahren stillgelegt ist, konnten wir die volle Funktionsfähigkeit bewahren und erhalten. Die Komponenten werden zur Wiederherstellung der lebenswichtigen Infrastruktur in der Ukraine beitragen."

Laut der EU-Kommission handelt es sich bei der Lieferung um die "bisher größte koordinierte logistische Operation" Europas. Insgesamt wurden über einen Zeitraum von elf Monaten 149 Einlieferungen mit einem Gesamtgewicht von 2399 Tonnen durchgeführt. Darunter befanden sich den Angaben zufolge 40 übergroße Frachtstücke, etwa extrem schwere Transformatoren mit einem Gewicht von jeweils etwa 172 Tonnen.

"Ich danke Litauen, Polen, Rumänien und allen Partnern, die zum Erfolg dieser gewaltigen Operation beigetragen haben", sagt Hadja Lahbib, die belgische EU-Kommissarin für Krisenschutz. "Das ist ein eindrucksvoller Beweis für das unerschütterliche Engagement der EU für die Widerstandsfähigkeit der Ukraine."

Angriffe auf Häuser und Energieanlagen

Russland greift seit Beginn der russischen Invasion vor mehr als vier Jahren systematisch die Energieversorgung der Ukraine an, um die Bevölkerung zu zermürben. Das russische Militär habe in der vergangenen Woche rund 1100 Drohnen, 890 gelenkte Fliegerbomben und 50 Raketen und Marschflugkörper gegen die Ukraine eingesetzt, sagt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj. "Gegen Ziele, die keine militärische Bedeutung haben: Energieanlagen und Wohnhäuser."

Inzwischen ist das ukrainische Stromnetz so geschwächt, dass die Stromversorgung in vielen ukrainischen Regionen beschränkt oder sogar ganz zusammengebrochen ist. Angesichts der Frosttemperaturen ist die Lage für viele Ukrainer katastrophal. Unter anderem musste die Hauptstadt Kiew die Wasser- und Wärmeversorgung am Wochenende bei Temperaturen von bis zu minus 17 Grad für Reparaturarbeiten abschalten.

Quelle: ntv.de, chr

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