Wirtschaft

"Es droht Versorgungskollaps" Logistik sucht 60.000 Brummi-Fahrer

110252273.jpg

Pendelt zwischen Deutschland und den Niederlanden: Lkw-Fahrer van der Scheer gehört inzwischen zu einer seltenen Spezies.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nicht gerade ein Traumberuf: Der Logistik-Branche fehlen inzwischen 60.000 Lkw-Fahrer. Die Lücke wird ständig größer, es droht der Kollaps. Mehr Wertschätzung und mehr Frauen im Führerhäuschen könnten helfen, meint ein Verband.

In Deutschland fehlen nach Angaben der Spediteure rund 60.000 Lastwagenfahrer. "Wir stehen in Deutschland und Europa vor dem Versorgungskollaps, denn wir finden keine Fahrer mehr", sagte Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher beim Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) in Berlin. Die 560.000 Fahrer seien im Durchschnitt älter als 50 Jahre, jedes Jahr gingen 30.000 Kollegen in Rente. Gleichzeitig steige aber der Transportbedarf von Waren.

Dass die Rede vom Lieferengpass ganz real ist, belegte der Verband recht plastisch: Vor einem Jahr habe erstmals in Berlin ein Supermarkt ein Hinweisschild ins Schaufenster gestellt, dass wegen Logistikproblemen nicht alle Waren wie gewohnt vorrätig seien. Im Hitzesommer 2018 habe es bundesweit "Lieferschwierigkeiten bei Mineralwasser" gegeben, obwohl es versandbereit war. Das Ganze sei ein europaweites Problem, sagte Engelhardt.

Ein geringes Ansehen des Berufs, schlechte Arbeitsbedingungen und das vermeintliche Aus durch autonomes Fahren schreckten den Nachwuchs ab. Inzwischen habe auch die osteuropäische Konkurrenz Nachwuchsschwierigkeiten. Um mehr Fahrer anzuziehen, böten viele Unternehmer mehr als den Tariflohn. Dabei scheuen Frauen das Führerhäuschen nach wie vor - nur 1,6 Prozent der Beschäftigten sind weiblich.

Der Verband setzt sich ein für bessere Bedingungen auf Parkplätzen und an Verladestellen, Visa-Erleichterungen für ausländische Fahrer und für mehr Frauen am Steuer. Trotz Digitalisierung würden Fahrer gebraucht, versicherte der BGL. 2018 hätten zwar 3600 Lehrlinge ihre Ausbildung begonnen, relativ viele. Das sei aber nur ein "Tropfen auf dem heißen Stein".

Quelle: n-tv.de, mau/AFP/dpa

Mehr zum Thema