"Wenn wirtschaftlich geboten"Lufthansa kündigt weitere Kürzungen auf der Kurzstrecke an

Bei der Lufthansa fallen diesen Sommer bereits durch die Schließung der Cityline 20.000 Flüge weg. Das Aus der Regionaltochter könnte allerdings erst der Anfang einer großen Streichwelle bis 2028 sein.
Wegen hoher Kosten für Kerosin und der fortgesetzten Streiks reagierte die Lufthansa bereits Mitte April und schloss ihre Regionaltochter Cityline. Vor allem unprofitable Kurzstreckenflüge, insgesamt 20.000 im Sommer, fallen so schon jetzt weg. Die Lufthansa zog damit die Konsequenz aus dem Tarifstreit mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit über die betriebliche Altersvorsorge.
Der Kahlschlag bei Cityline ist allerdings nur Teil einer größeren Strategie: Die Schrumpfung des Kurzstreckennetzes der Lufthansa-Gruppe wird im laufenden Sommerprogramm weitergehen. "Wir werden immer dann gezielt Kapazität auf der Kurzstrecke reduzieren, wenn es wirtschaftlich geboten ist", sagte Dieter Vranckx, Chief Commercial Officer im Konzernvorstand, dem "Handelsblatt." Das sei ein fortlaufender Prozess, bei dem die Verbindungsqualität des Netzwerkes für die Kunden stets erhalten bleiben müsse.
"Der größte Teil der Konsolidierung im Kontinentalverkehr soll spätestens 2028 abgeschlossen sein", sagte Vranckx. Wie weit das Netz noch ausgedünnt wird, wollte der Manager nicht sagen. "Es ist für die gesamte Gruppe wirtschaftlich nicht sinnvoll, jeden Flughafen von jedem unserer sechs Drehkreuze anzufliegen", verteidigte Vranckx die Maßnahmen: "Wir haben das Ziel einer bereinigten Ergebnismarge von 8 bis 10 Prozent ausgegeben. Davon sind wir noch weit entfernt."
Lufthansa ist an den Drehkreuzen Frankfurt, München, Zürich, Wien, Brüssel und Rom aktiv. Im Gespräch mit dem "Handelsblatt" weist Vranckx auch auf Ineffizienzen hin. Dort fliegen Lufthansa Classic, Swiss, Brussels Airlines, Australina Airlines und ITA teilweise dieselben Ziele an. "Mit mittlerweile fünf Netzwerk-Airlines und sechs Drehkreuzen gibt es natürlich auch Überlappungen beim Einzugsgebiet."
Streiks sowie die deutlich gestiegenen Kerosinkosten haben die Gewinnerwartungen des MDax-Konzerns zuletzt gedämpft. Das Ergebnis werde "vermutlich geringer ausfallen als ursprünglich gedacht", sagte Finanzchef Till Streichert Mitte Mai. Allein die Kerosinrechnung soll im laufenden Jahr mit 8,9 Milliarden Euro 1,7 Milliarden höher ausfallen als zunächst geplant. Bis einschließlich April sind laut Streichert durch die Arbeitskämpfe an die 200 Millionen Euro Schaden entstanden.
Gleichwohl halte man an der Prognose fest, im Tagesgeschäft den Vorjahreswert von knapp zwei Milliarden Euro deutlich um mindestens 10 Prozent zu übertreffen. Die aktuellen Umstände hätten den bei der Prognose eingebauten Puffer allerdings weitgehend aufgebraucht, räumte der Finanzchef ein.