Wirtschaft

Ex-Fed-Chef Bernanke klagt an "Mehr Banker hätten ins Gefängnis gehört"

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Ex-Fed-Chef Ben Bernanke hätte lieber mehr Ermittlungen gegen verantwortliche Banker gesehen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Als US-Zentralbankchef steuerte Ben Bernanke die Welt durch die schlimmste Finanzkrise der Geschichte. Im Rückblick bereut er vor allem eines: Mehr Banker hätten persönlich für ihre Vergehen haften sollen.

Auch sieben Jahre nach dem großen Crash streiten die Protagonisten der Finanzkrise über die Verantwortung für die schlimmste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise. Nun mischt sich auch der ehemalige US-Notenbankchef Ben Bernanke in die Diskussion ein. Mehr Bankchefs hätten für ihre Verfehlungen ins Gefängnis gehen sollen, sagte Bernanke in einem Interview mit "USA Today".

Die US-Justiz habe sich darauf konzentriert, Finanzfirmen anzuklagen. "Ich hätte es lieber gesehen, wenn es mehr Ermittlungen gegen einzelne Personen gegeben hätte, denn ganz offensichtlich wurde alles, was falsch gelaufen ist oder illegal war von Individuen verursacht und nicht einer abstrakten Firma", sagte der ehemalige Chef der Federal Reserve. Als oberster Notenbanker habe er daran aber nichts ändern können. Verantwortlich wären das Justizministerium und andere Ermittlungsbehörden gewesen. "Eine Finanzfirma ist natürlich eine juristische Fiktion, es ist keine Person. Man kann eine Bank nicht ins Gefängnis stecken".

"Wir hatten keine Wahl"

Bernanke, der damals als Fed-Chef an vorderster Front gegen die Krise kämpfte, veröffentlicht in dieser Woche seine Memoiren "The Courage to Act" ("Der Mut zu handeln"). In dem Buch verteidigt Bernanke seine Politik der milliardenschweren Rettungspakete für Pleitebanken: "Ohne die Stabilisierung des Finanzsystems hätten wir in eine Depression wie in den 30er Jahren abrutschen können. Die Panik, die uns getroffen hat, war die schlimmste in der US-Geschichte."

Auch seine wohl umstrittenste Entscheidung als Notenbankchef verteidigte Bernanke: die Investmentbank Lehman Brothers Pleite gehen zu lassen. "Wir waren sehr, sehr entschlossen, sie nicht zusammenbrechen zu lassen", sagt Bernanke. "Aber leider haben sich die potenziellen Lehman-Käufer Bank of America und Barclays gegen einen Kauf entschieden, weil Lehman so tief in den roten Zahlen steckte".

Damals durfte die Fed Banken noch keine direkten Kapitalspritzen geben - das Gesetz wurde erst nach der Lehman-Pleite beschlossen. Genügend Sicherheiten für einen Notkredit habe Lehman auch nicht gehabt. "Es war keine Frage der Wahl, sondern der Machbarkeit. Wir hatten damals einfach keine anderen Möglichkeiten mehr".

Zu beschäftigt zum Erklären

Er sei nicht sonderlich erpicht darauf gewesen, die Wall Street zu retten. "Aber wir haben es getan, weil wir wussten, dass wenn das Finanzsystem zusammenbricht, die Wirtschaft gleich als Nächstes dran ist", verteidigte Bernanke sein Handeln. Trotzdem habe man zu langsam gemerkt, wie schwer der Wirtschaftscrash werden würde. Sein schlimmster Fehler sei aber die schlechte Krisenkommunikation gewesen. "Ich wünschte, ich hätte mir mehr Zeit genommen, zu erklären, was wir getan haben".

Man sei zu beschäftigt gewesen, das Problem zu lösen. Dabei habe er nicht gut genug vermittelt, warum es im öffentlichen Interesse war, die Finanzindustrie zu retten, die die Krise ausgelöst hat. "Jedes Mal wenn ich einen Auto-Aufkleber gelesen habe, auf dem stand 'Wo ist mein Rettungspaket?' hat es weh getan."

Bernanke hat sich in seiner akademischen Laufbahn intensiv mit der Weltwirtschaftskrise beschäftigt, bevor er Notenbankchef wurde. Dabei erkannte er, dass die Fed in den 30er Jahren mit ihrem zögerlichen Handeln die Krise verschlimmert habe. Diesen Fehler habe er nicht wiederholen wollen. Einer seiner drastischsten Schritte war deshalb, 2008 die Zinsen in den USA fast bis auf Null zu drücken – wo sie bis heute geblieben sind. Was als Ausnahmezustand gedacht war, ist nun seit sieben Jahren Normalität. "Wir haben nicht gedacht, dass es so lange dauern würde".

Quelle: ntv.de

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