Wirtschaft

Rekorde bei Logistiker Schenker Mehr Reisende sollen Bahn zurück in die Spur bringen

imago0113621402h.jpg

Die Bahn will wieder die 100-Millionen-Marke bei den Reisenden überspringen.

(Foto: imago images/Jens Koehler)

In der Corona-Krise hat sich die Zahl der Fahrgäste bei der Bahn halbiert. Im laufenden Jahr rechnet der Konzern mit der Rückkehr vieler Passagiere. Das dürfte auch die Bilanz entspannen. Lieblingskind des Unternehmens ist derzeit aber die florierende Logistik-Sparte Schenker.

In die Fernzüge der Deutschen Bahn werden nach Erwartung des Konzerns in diesem Jahr wieder deutlich mehr Menschen steigen als in den vergangenen beiden Corona-Jahren. "Für dieses Jahr rechnen wir im Fernverkehr damit, wieder die Marke von 100 Millionen Fahrgästen deutlich zu übertreffen", sagte Vorstandschef Richard Lutz. Das wäre mindestens ein Viertel mehr als im vergangenen Jahr - aber noch nur zwei Drittel aus Vor-Corona-Zeiten. Mit der steigenden Zahl von Reisenden soll es nach deutlichen Verlusten zuletzt im laufenden Geschäft in diesem Jahr wieder finanziell besser laufen.

Angesichts steigender Krankmeldungen setzt die Bahn seit dem 10. Januar in einigen Fällen kürzere Züge ein. Das soll vorsorglich die Instandhaltungswerke entlasten. "Wir haben in den letzten Tagen unser Angebot minimal reduziert und teilweise die Zugbesetzung ein bisschen ausgedünnt", sagte Lutz. Derzeit laufe der Betrieb insgesamt aber ruhig und weitestgehend reibungslos.

"Allerdings: Wenn die Infektionszahlen weiter so rasant steigen, werden wir uns das natürlich noch einmal anschauen", fügte Lutz hinzu. Um größere Ausfälle zu vermeiden, habe die Bahn Vorkehrungen bei besonders sensiblen Berufsgruppen getroffen, erklärte Lutz. "In Stellwerken beispielsweise fahren wir Zwei- statt Drei-Schichtbetrieb, das heißt eine Schicht bleibt frei und kann notfalls einspringen."

Bahn strebt operative Schwarze Null an

Die Corona-Krise hatte die Fahrgastzahl in den ICE und Intercitys nahezu halbiert - 2019 waren es noch rund 151 Millionen Passagiere gewesen. In der Folge rutschte die hoch verschuldete Bahn tief in die roten Zahlen und wird seit Ausbruch der Pandemie mit Steuer-Milliarden gestützt. 2021 dürfte das Minus aus dem laufenden Geschäft (Ebit) nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen bei knapp 1,9 Milliarden Euro gelegen haben.

Für das laufende Jahr allerdings ist Konzernchef Lutz wieder optimistischer. "Wir gehen davon aus, dass wir im Geschäftsjahr 2022 knapp über einer schwarzen Null liegen werden, also nach zwei tiefroten Jahren wieder ein positives operatives Ergebnis (Ebit) erwirtschaften können." Zuletzt war im Aufsichtsrat von einem Ebit-Plus von rund 100 Millionen Euro 2022 die Rede gewesen. Nach der Mittelfristplanung des Konzerns soll das laufende Geschäft dann vom nächsten Jahr an wieder deutlichere Gewinne abwerfen.

Schon im Weihnachtsgeschäft hatten die Fahrgastzahlen nur noch rund zehn Prozent unter Vorkrisenniveau gelegen, sagte Lutz. Auch im üblicherweise eher schwachen Januar gebe es bisher stabile Zahlen. So erreiche der Nahverkehr rund 50 bis 60 Prozent der Vor-Corona-Zeit.

Arriva kommt wieder ins Schaufenster

Derweil will die Bahn einen neuen Anlauf unternehmen, die internationale Tochter Arriva zu verkaufen. Arriva betreibt Busse und Bahnen in 14 europäischen Ländern, vor allem in Großbritannien. Die Bahn nimmt seit einigen Jahren aber ihren Heimatmarkt wieder stärker in den Blick. 2019 hatte der Konzern den Verkauf angesichts des Brexits und wegen zu geringer erwartbarer Erlöse gestoppt. Im Folgejahr belasteten Abschreibungen bei der Tochter das Konzernergebnis.

Mehr zum Thema

"Arriva ist im Kern eine gesunde Firma in einem attraktiven Markt", sagte Lutz. Es sei deshalb richtig, die Tochter in neue Hände zu geben, die das Wachstumspotenzial stärker unterstützen und finanzieren könnten. "2023 oder 2024 wollen wir bei Arriva wieder in die Verkaufsaktivitäten einsteigen."

Zu immer wiederkehrenden politischen Forderungen, auch die internationale Logistiktochter Schenker abzustoßen, äußerte sich Lutz indes zurückhaltend. Die Logistik-Tochter habe zwei fantastische Jahre hinter sich und stabilisiere den Konzern finanziell mit Rekordumsätzen und Rekordgewinnen. "Was die Zukunft bringt, das wird man sehen. Derzeit bin ich jedenfalls heilfroh, dass wir Schenker haben."

Quelle: ntv.de, jwu/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen