Wirtschaft

Milliarden-Übernahme von GitHub Microsoft bricht mit eigener Geschäftspolitik

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Im Hause Microsoft wendet man sich nun der Open-Source-Bewegung zu.

(Foto: AP)

Die Übernahme der Software-Plattform GitHub ist für Microsoft mit 7,5 Milliarden Dollar Volumen eine teure Angelegenheit. Gleichzeitig wird damit auch eine neue Strategie des Unternehmens gefahren - die Mischung von Open Source und Business.

Microsoft kauft die Software-Entwicklungsplattform GitHub für 7,5 Milliarden Dollar. Der Kaufpreis von umgerechnet 6,4 Milliarden Euro werde in Aktien bezahlt, wie Microsoft mitteilte. Bei GitHub veröffentlichen Entwicklerteams ihren Software-Code und arbeiten an gemeinsamen Projekten. Nach eigenen Angaben verwenden die Plattform mehr als 1,8 Millionen Unternehmen und Organisationen weltweit, darunter auch Schwergewichte wie Google, SAP, IBM und Facebook. Microsoft gehörte bislang zu den führenden Nutzern.

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GitHub habe sich gegen einen Börsengang und für das Zusammengehen mit Microsoft auch entschieden, weil Microsoft-Chef Satya Nadella einen so großen Eindruck hinterlassen habe, schreibt der Finanzdienst Bloomberg unter Berufung auf eine nicht genannte Person. Für GitHub bedeute der Preis einen drastischen Wertanstieg: Bei der vergangenen Finanzierungsrunde im Jahr 2015 sei die Plattform noch mit zwei Milliarden Dollar bewertet worden.

Für Microsoft ist die Übernahme ein klarer Schnitt zu seinem früheren, auf Windows ausgerichteten Geschäftskonzept. Denn das Herzstück von GitHub ist quelloffene Open-Source-Software. Lange Jahre hatte das Microsoft-Management um den früheren CEO Steve Ballmer die Open-Source-Bewegung regelrecht verteufelt - und setzte stattdessen auf seine proprietäre "Cashcow" Windows.

"Good bye GitHub"?

Die Gräben zwischen dem Software-Konzern und der Open-Source-Bewegung sind auch heute noch nicht gänzlich zugeschüttet. Erste Reaktionen auf Twitter wie "Good bye GitHub" oder "GitHub is dead" ließen nicht lange auf sich warten. Interessant dürfte nun auch sein, wie große Microsoft-Konkurrenten und GitHub-Nutzer wie Google auf die veränderten Besitzverhältnisse reagieren werden. Microsoft könne aber von dem Schritt profitieren, indem das Unternehmen über die Plattform unter den Entwicklern Respekt und Vertrauen aufbauen könne, schreibt "The Verge".

Er hätte eine solche Nachricht beim Start der Plattform vor zehn Jahren nicht für möglich gehalten", schrieb der Gründer und bisherige Chef von GitHub, Chris Wanstrath. Lange habe Open Source und Business als etwas gegolten, was sich so gut wie Öl und Wasser vermischen lasse. Bei Microsoft soll er künftig an "strategischen Software-Initiativen" arbeiten. Neuer GitHub-Chef wird Microsoft-Manager Nat Friedman, ein Open-Source-Experte und treibende Kraft hinter der Entwickler-Software Xamarin, die der Software-Konzern bereits 2016 übernommen hatte.

Die Übernahme bestätigt den Kurs des aktuellen Microsoft-Chefs Satya Nadella, massiv auf Cloud-Dienste zu setzen und den einstigen Windows-Riesen verstärkt für die Open-Source-Gemeinde zu öffnen. Entwickler seien die Gestalter einer neuen digitalen Ära, schrieb Nadella in einem Blogeintrag. Sie stünden im Zentrum bei der Entwicklung von Lösungen für die dringendsten Herausforderungen der Welt. "Die wahre Kraft liegt jedoch darin, dass jeder Entwickler zusammenarbeiten, Code teilen und auf die Arbeit des jeweils anderen aufbauen kann." Im Konzern soll GitHub in der Sparte "Intelligente Cloud" geführt werden.

Quelle: ntv.de, mba/dpa

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