Wirtschaft

"Neutral ist nicht genug" Microsoft will CO2-Ausstoß ins Minus treiben

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Microsoft-Chef Satya Nadella möchte seinen Konzern klimafreundlicher machen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die IT-Branche trägt signifikant zum Ausstoß von Kohlenstoffdioxid und damit zum Klimawandel bei. Zu den großen Verursachern gehörte auch lange Microsoft. Der Konzern will deshalb seine Strategie ändern und bis zum Jahr 2030 CO2-negativ sein.

Microsoft will im großen Stil zur Reduzierung von klimaschädlichen Treibhausgasen beitragen. Spätestens zum Jahr 2030 wolle der Softwarekonzern der Atmosphäre mehr Kohlendioxid entziehen als man produziere, kündigte Microsoft-Chef Satya Nadella an. Und bis zum Jahr 2050 wolle Microsoft all den Kohlenstoff aus der Umwelt entfernen, den das Unternehmen seit seiner Gründung im Jahr 1975 entweder direkt oder durch den Stromverbrauch verursacht habe.

"Neutral ist nicht genug, um den Erfordernissen der Welt zu begegnen", erklärte Microsoft. CO2-neutral ist das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits seit 2012. "Der wissenschaftliche Konsens ist eindeutig", sagte Nadella. "Die Welt ist mit einer akuten Kohlenstoff-Krise konfrontiert." Wenn die Emissionen nicht reduziert würden und die Temperaturen weiter anstiegen, werde dies nach Einschätzung der Wissenschaft "verheerende" Folgen haben.

Hintergrund der Microsoft-Initiative ist die Tatsache, dass die IT-Branche wegen des großen Strombedarfs bislang signifikant zum CO2-Ausstoß und damit zum Klimawandel beigetragen hat. Einigen Studien zufolge setzt allein das Internet mit Cloud-Anwendungen wie Amazon AWS, Google Cloud oder Microsoft Azure sowie Streamingdiensten wie Netflix inzwischen mehr CO2 frei als die globale Luftfahrt. Nadella räumte ein, dass es noch keine Verfahren gebe, um der Atmosphäre sehr große Mengen an CO2 zu entziehen. Deshalb werde Microsoft einen Fonds in Höhe von einer Milliarde Dollar (900 Millionen Euro) auflegen, um die Entwicklung von Techniken und Methoden zu fördern, mit denen man "CO2-negativ" werden könne.

Das Unternehmen werde dabei auf ein Portfolio von Techniken setzen - darunter Wiederaufforstung, Kohlenstoffbindung im Boden, Bioenergie mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung sowie direkte Luftaufnahme. An der Initiative sollen auch Partner und Zulieferer von Microsoft beteiligt werden. Ab 2021 werde die CO2-Reduktion ausdrücklich bei der Auswahl von Zulieferern berücksichtigt. Intern werde Microsoft eine CO2-Abgabe von 15 Dollar pro Tonne CO2 einführen, mit der jede Abteilung in der internen Verrechnung auch tatsächlich belastet werde.

"Dies ist eine gewagte Wette für Microsoft"

Bei der Entwicklung der Anlagen und Verfahren zur CO2-Reduktion gehe es vor allem darum, dass sie auch im großen Maßstab zum Einsatz kommen können und bezahlbar seien. Außerdem sollten sie kommerziell verfügbar gemacht werden und überprüfbar sein. "Angesichts des aktuellen Stands der Technologie und der Preisgestaltung werden wir uns zunächst auf naturbasierte Lösungen konzentrieren", erläuterte Microsoft in einem Blogeintrag. Bis 2050 strebe man an, auf technologiebasierte Lösungen umzusteigen, wenn diese rentabler werden.

"Die Reduzierung des Kohlenstoffs ist das Ziel, das die Welt erreichen muss", betonte Nadella. "Dies ist eine gewagte Wette - ein 'Moonshot' - für Microsoft." Es werde nicht leicht für sein Unternehmen sein, bis 2030 kohlenstoffnegativ zu werden. "Aber wir glauben, dass es das richtige Ziel ist." Mit dem richtigen Engagement sei es aber auch ein erreichbares Ziel.

Quelle: ntv.de, ibu/dpa/AFP