Wirtschaft

Mit 81 noch einmal Boss Milliarden-Fusion krempelt Brillenmarkt um

155b45fa9721f42ff021b2163b39af9a.jpg

Sonnenbrillen von Ray Ban: Im Portfolio der Italiener Luxottica vertreten.

(Foto: REUTERS)

Das vom reichsten Mann Italiens geformte Brillenimperium Luxottica wird nun zum globalen Giganten. Wieder ist es der Patriarch selbst, der die 50-Milliarden-Euro-Ehe einfädelt.

Als im vergangenen Jahr einer der beiden Co-Chefs beim italienischen Luxusbrillenhersteller Luxottica nach lautstarker Kritik abtritt, ergreift Leonardo Del Vecchio noch einmal seine Chance. Der heute 81-Jährige weilt bis dahin still und zufrieden als Patriarch im Hintergrund über den Gestell-Produzenten von Armani und Chanel. Doch im Februar 2016 wechselt Del Vecchio zurück ins Tagesgeschäft – die Entscheidung zahlt sich nun aus.

Denn Branchenprimus Luxottica, der auch die eigene Marke Ray Ban vertreibt, will mit dem französischen Brillenglas-Spezialisten Essilor fusionieren. Damit entsteht ein neuer Weltmarktgigant, der gleichzeitig Gestelle produziert (Luxottica) und Gläser liefert (Essilor). Das neue Unternehmen wiegt rund 50 Milliarden Euro an der Börse, kommt auf einen Umsatz von 15 Milliarden Euro und operiert mit 140.000 Mitarbeitern in 150 Ländern.

An der Börse kamen die Pläne sehr gut an: Die Papiere von Essilor stiegen in Paris zeitweise um fast 20 Prozent. In den vergangenen Monaten hat das US-Geschäft den Kurs der Franzosen um ein Fünftel gedrückt – immer noch knapp 22 Milliarden Euro an Wert. Luxottica hingegen war zuletzt ein paar Milliarden mehr wert; die Papiere legten dementsprechend in Mailand auch etwas "verhaltener" um 14 Prozent in der Spitze zu.

Dass Del Vecchio die Mega-Fusion in die Wege leitet, scheint angesichts seines Lebenslaufs nur konsequent: Als Waise in einem Kloster aufgezogen, zog er in den 1960ern als Zulieferer ins italienische Brillen-Eldiradi Agordo. Anfang der 70er entwickelte er eine eigene Kollektion, in den 80ern steuerte er den eigenen Vertrieb selbst und löste sich von der 4000-Seelen-Gemeinde rund 100 Kilometer nördlich von Venedig.

Reichster Mann Italiens

Del Vecchio expandiert aus Italien heraus, er entwickelt sich vom Brillenliebhaber zum ambitionierten Geschäftsmann, erzählen Weggefährten: Er gewinnt namhafte Kunden (Armani, Chanel, Bulgari) und kauft Unternehmen wie Ray Ban auf. Sein Imperium scheffelt Milliarden – der Sprung an die Börse ist nur noch ein logischer Schluss. Kurz danach wird er als reichster Mann Italiens gehandelt und erntet viel Respekt in der Finanzwelt, als er sich wohldurchdacht zurückzieht.

Elf Jahre später ist er wieder da und bringt Luxottica auf einem Markt, der von chinesischen Billigfirmen überschwemmt wird, zurück auf den Wachstumspfad. "Beim Gespräch mit den Menschen, beim Besuch der Filialen und verschiedener Märkte habe ich festgestellt, dass das Unternehmen zurückhängt", begründete er sein Comeback in einem italienischen Zeitungsinterview.

Und nun der große Coup. Del Vecchio dürfte die Entscheidung über die Mega-Fusion in einem Punkt aber auch schwer gefallen sein. Immerhin war der Patriarch schon einmal abgetreten und kam nach elf Jahren noch einmal zurück an die Konzernspitze. Doch Experten sehen nun ein Ende seiner Ära, da er mit der Milliarden-Hochzeit gleichzeitig genügend Nachfolger hinter seinem Thron versammelt hat.

Quelle: n-tv.de