Wirtschaft

"GDL setzt auf Konfrontation" Mitten in Reise-Lockerungen droht Bahnstreik

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Sind sich auch in der vierten Tarifrunde nicht einig geworden: GDL-Chef Claus Weselsky (l.) und DB-Personalvorstand Martin Seiler.

(Foto: picture alliance/dpa)

Noch am Abend könnte sich entscheiden, ob der Deutschen Bahn Streiks drohen. Auch in der vierten Tarifrunde kann sich der Konzern nicht mit den Gewerkschaftsvertretern einigen. Bahn-Personalvorstand Martin Seiler gibt sich weiter gesprächsbereit, der Ton ist aber rau, Vorwürfe werden lauter.

Die Verhandlungen zwischen Deutscher Bahn (DB) und der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) ist auch in der vierten Tarifrunde gescheitert. Die DB warf der GDL nach der Verhandlungsrunde vor, auf "Konfrontation um jeden Preis" zu setzen. Die DB hatte in der vierten Verhandlungsrunde nach eigenen Angaben einen Abschluss auf Niveau des Öffentlichen Diensts angeboten, der die "besondere Situation der Bahn durch die Pandemie" berücksichtige. Die Führung der GDL habe sich jedoch nicht bereit gezeigt, über "vorhandene Spielräume und Lösungen zu sprechen", kritisierte die DB. Der Konzern sei dagegen weiterhin verhandlungsbereit.

"Der heutige Tag hat gezeigt, dass es der Gewerkschaftsspitze in erster Linie um Konfrontation und die Ausweitung ihres Zuständigkeitsbereichs geht", kritisierte DB-Personalvorstand Martin Seiler. Die GDL-Führung nehme bewusst Schaden für die Kunden und Kundinnen und die DB in Kauf - "und das mitten in der aufkommenden Reiselust nach dem Corona-Lockdown".

Streit schadet auch angeschlagener Bahn

Ein Warnstreik träfe nicht nur die Kunden, sondern auch den finanziell schwer angeschlagenen Konzern in einem ungünstigen Moment. Nach der Lockerung der Corona-Regeln nimmt das Geschäft des bundeseigenen Unternehmens gerade wieder Fahrt auf. Im Regionalverkehr fahre man das volle Angebot, im Fernverkehr nahezu 100 Prozent, sagte Seiler. "Die Buchungen ziehen wieder an, das ist schön." Umso wichtiger sei es, dass die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) ihren solidarischen Beitrag leiste.

Die Vertragsparteien im Öffentlichen Dienst hatten sich im Herbst auf Lohn- und Gehaltssteigerungen von 3,2 Prozent bei einer Laufzeit von 28 Monaten geeinigt. Wegen des Verkehrseinbruchs gelten an Flughäfen jedoch Sonderregeln mit verzögerten Tarifsteigerungen, verringerter Arbeitszeit und einer Aussetzung leistungsorientierter Bezahlung. Die Bahn macht Milliardenverluste. Im September schnürte sie deshalb ein Tarifpaket mit ihrer größten Gewerkschaft, der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft. Ab Anfang 2022 erhalten die Beschäftigten 1,5 Prozent mehr Geld. Bis Ende 2023 sind betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen.

Die DB forderte die GDL auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Wir wollen weiterhin über ein ausgewogenes und solidarisches Tarifpaket verhandeln", erklärte Seiler. "Nach über einem Jahr in der Pandemie ist statt Streiks Vernunft gefragt". Ein Pressesprecher der GDL sagte, dass die Gewerkschaftsführung am Abend zusammentrete, um über die weiteren Schritte zu beraten. Es kann sein, dass dann Warnstreiks beschlossen werden.

Quelle: ntv.de, als/AFP/dpa

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