Wirtschaft

Dow schließt fester Mögliche Zinserhöhung schreckt Investoren

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Jerome Powell bleibt wahrscheinlich Notenbank-Chef, das nährt die Spekulationen um eine baldige Straffung der Geldpolitik.

(Foto: REUTERS)

Die Wall Street präsentiert sich am Dienstag zweigeteilt. Die US-Renditen bauen ihre Vortagsgewinne weiter aus, wovon vor allem Finanzwerte profitieren. Für den Technologie-Sektor sind die Signale dagegen belastend. Für Turbulenzen sorgt außerdem der Kussturz der türkischen Lira.

Die US-Börsen haben am Dienstag keine gemeinsame Richtung gefunden. Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss 0,6 Prozent höher auf 35.813 Punkten. Der technologielastige Nasdaq gab dagegen 0,5 Prozent auf 15.775 Punkte nach. Der breit gefasste S&P 500 legte 0,2 Prozent auf 4690 Punkte zu.

Nasdaq Composite
Nasdaq Composite 14.951,92

Die Aussicht auf eine raschere Straffung der US-Geldpolitik hielt einige Investoren von der Wall Street fern. "Es ist denkbar, dass die Zinsen früher als erwartet angehoben werden", sagte Rick Meckler, Partner beim Vermögensverwalter Cherry Lane. Das sei zwar positiv für Banken, aber negativ für die übrigen Branchen, vor allem den Technologiesektor. Eine steigende Inflation und höhere Zinsen entwerten zukünftige Gewinne dieser wachstumsstarken Firmen. Banken winken dagegen bei steigenden Zinsen höhere Gewinne aus dem klassischen Kreditgeschäft.

Genährt wurden die Zinserhöhungsspekulationen von der Nominierung des bisherigen Notenbank-Chefs Jerome Powell für eine zweite Amtszeit. Diese Entscheidung sei ungünstiger für den Aktienmarkt, sagte Benjamin Bente, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Vates. Die Nominierung der für den Posten ebenfalls hoch gehandelten Notenbank-Direktorin Lael Brainard wäre ein Signal für eine längerfristig lockere Geldpolitik gewesen. "Powell wird die Schrauben zumindest ein wenig anziehen."

In Erwartung einer rascheren Drosselung der Fed-Wertpapierkäufe zogen sich Investoren bei US-Staatsanleihen zurück. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Treasuries zeitweise auf ein Vier-Wochen-Hoch von 1,669 Prozent.

Aufwärts ging es dagegen für den Ölpreis, obwohl die USA den Angebotsengpass durch die Freigabe staatlicher Reserven lindern wollen. Börsianer kritisierten, dass Ölfirmen das zusätzliche Rohöl aber zu einem späteren Zeitpunkt zurückgeben müssten. Außerdem wäre die angekündigte Menge von 50 Millionen Fass im Rahmen der jüngst beschlossenen Gesetze zum Schuldenabbau ohnehin verkauft worden. Die US-Sorte WTI verteuerte sich um 2,6 Prozent auf 78,77 Dollar je Barrel (159 Liter).

Türkische Lira im Sturzflug

Für Aufsehen sorgte außerdem der größte Kurssturz der türkischen Lira seit mehr als 20 Jahren. Auslöser der Panik-Verkäufe war Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, der die jüngsten Zinssenkungen der Notebank verteidigte und gelobte, trotz Kritik seinen "wirtschaftlichen Unabhängigkeitskrieg" zu gewinnen. Daraufhin stieg der Dollar um bis zu 18,6 Prozent auf ein Rekordhoch von 13,4913 Lira. Den Absturz der türkischen Währung könne nur eine Not-Zinserhöhung aufhalten, mahnten die Analysten der Bank Societe Generale (SocGen). Börsennotierte Fonds auf türkische Werte gerieten ebenfalls unter die Räder. So fiel der iShares-ETF um gut acht Prozent auf ein 13-Monats-Tief von 19,07 Dollar.

Best Buy
Best Buy 93,86

Bei den Einzelwerten sorgte Best Buy mit einem Kurssturz von mehr als zwölf Prozent für Aufsehen. Damit steuerten die Aktien des Elektronik-Händlers auf den größten Tagesverlust seit acht Jahren zu. Wegen Lieferschwierigkeiten warnte das Unternehmen vor einem Weihnachtsgeschäft unter Markterwartungen. Es rechnet für das vierte Quartal mit einem Umsatz auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

Steigende Frachtkosten machen auch den Modefirmen Urban Outfitters sowie Abercrombie & Fitch zu schaffen. Erstere legte gemischte Geschäftszahlen vor, während Letztere für das laufende Quartal vor geringeren Margen warnte. Die Aktien von Urban Outfitters fielen daraufhin um neun Prozent. Abercrombie-Titel brachen um mehr als zwölf Prozent ein.

Quelle: ntv.de, ino/rts

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