Wirtschaft

Russland und die Öl-Staaten Moskau rückt näher an die Opec heran

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Milliardenfragen auf dem Verhandlungstisch: Russlands Energieminister Alexander Nowak spricht beim Opec-Treffen in Wien.

(Foto: REUTERS)

Einigung beim großen Opec-Treffen in Wien: Ein breites Bündnis rohstoffreicher Staaten dehnt das vereinbarte Förderlimit bis ins kommende Frühjahr aus. Ein neuer Öl-Machtblock zeichnet sich ab, denn Russland will künftig enger mit der Opec kooperieren.

Russland sieht die neue Allianz mit den Opec-Staaten als Erfolgsmodell, das vertieft werden sollte. "Wir starten in eine neue Ära der Kooperation", sagte Energieminister Alexander Nowak am Rande des Treffens der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) in Wien.

In einer gemeinsamen Sitzung legten sich die Opec-Staaten dort zusammen mit Abgesandten aus elf Nicht-Opec-Ländern auf eine gemeinsame Förderstrategie für die nächsten Monate fest. Wie Delegierte am Nachmittag erklärten, verständigten sich die Mitglieder der Opec auf eine Verlängerung der Förderkürzungen um weitere neun Monate. Damit werden die seit Januar geltenden Limits bei der Ölproduktion bis zum März 2018 ausgeweitet.

Förderlimit wird verlängert

Das Ziel, Angebot und Nachfrage wieder ins Lot zu bringen, sei bereits zum Teil erreicht worden, sagte der saudi-arabische Energieminister Chalid al-Falih. Erwartet wird, dass sich die übrigen Teilnehmerstaaten der Opec-Maßnahme zur Stärkung des Ölpreises anschließen werden.

Den gemeinsamen Beschluss zur Produktionskürzung bezeichnete Nowak erneut als "historischen Moment", der die Instabilität im Ölmarkt wirksam bekämpft habe. Kaum einer der Marktbeobachter habe erwartet, dass sich die 24 teilnehmenden Staaten so strikt an ihre eigenen Vorgaben halten würden, sagte der russische Energieminister.

Die Organisation erdölexportierender Länder hat zusammen mit elf Nicht-Opec-Staaten ihre Tagesproduktion seit Januar um 1,8 Millionen Barrel (je 159 Liter) gekürzt, um am Weltmarkt einen höheren Ölpreis durchzusetzen. Die Menge entspricht etwa zwei Prozent der täglichen Weltproduktion.

Paradoxe Kursreaktion

An den Märkten führte der Beschluss zunächst nicht zu der angestrebten Stützung der Rohöl-Notierungen. Anleger reagierten enttäuscht, hieß es aus dem Handel, da nicht wenige Investoren mit einer Verlängerung um ein volles Jahr gerechnet hatten. In ersten Reaktionen gaben die Preise nach, hielten sich aber oberhalb der psychologisch wichtigen 50-Dollar-Marke: Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich zeitweise um 2,3 Prozent auf 52,72 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Leichtöl WTI kostete mit 50,08 Dollar zeitweise sogar 2,5 Prozent weniger.

Im Vorfeld hatten sich das führende Opec-Land Saudi-Arabien und Russland als wichtigstes Öl-Land außerhalb des Förderkartells bereits auf eine neunmonatige Verlängerung verständigt. Doch war an den Märkten spekuliert worden, die Verlängerung könnte großzügiger ausfallen. "Es ist eine Enttäuschung, dass sich die Opec nicht zu mehr durchringen konnte, um die Preise zu stabilisieren", meinte Olivier Jakob, Analyst bei der Schweizer Beratungsfirma Petromatrix. Eine Verlängerung von neun Monaten sei in den Preisen längst berücksichtigt, sagte Jakob. "Das zeigt, dass die Opec nicht viel mehr machen kann."

Ausnahmen für Libyen und Nigeria

Nach Angaben aus der saudischen Delegation werden Libyen und Nigeria sich an der Förderbremse nicht beteiligen, da in beiden Ländern wegen der andauernden Unruhen ohnehin weniger Öl gefördert wird. Abgesehen davon werde Saudi-Arabien seine Exporte ab Juni senken und somit ebenfalls zu einem Angebotsrückgang auf dem Weltmarkt beitragen. Der saudische Ölminister Chalid al-Falih sagte vor dem Treffen, am Volumen würde sich voraussichtlich nichts ändern.

Die Opec und ihre Partner hatten sich Ende November auf eine sechsmonatige Förderbremse ab Januar geeinigt und damit die Preise wieder über 50 Dollar je Fass getrieben. Anfang 2016 war der Preis für ein Fass Öl erstmals seit 2003 unter 30 Dollar gefallen. Noch im Sommer 2014 hatte er bei 115 Dollar gelegen. Dieser Preisabsturz hat in vielen Förder-Ländern enorme Löcher in die Staatseinnahmen gerissen, die dauerhaft untragbar schienen.

Nebenwirkungen der Opec-Aktion

Die künstliche Verknappung hat allerdings auch unerwünschte Folgen - zumindest aus der Sicht der Opec-Staaten: Die Stabilisierung der Preise bei mehr als 50 Dollar macht die im Vergleich zur saudischen Förderung kostspieligere Ausbeutung von unkonventionellen Öllagerstätten in den USA wieder attraktiver.

Beim sogenannten Fracking haben US-Firmen inzwischen technische Fortschritte gemacht und können daher auf diese Weise günstiger Öl fördern als noch vor wenigen Jahren. Seit Mitte 2016 ist die US-Ölförderung um mehr als zehn Prozent gestiegen auf über 9,3 Millionen Fässer täglich. Damit sind die USA als Ölförderer fast schon auf Augenhöhe mit Saudi-Arabien und Russland. Der US-Ölboom und die zeitweise sinkende Weltnachfrage gelten als Hauptfaktoren für das derzeit noch bestehende Überangebot am Rohölmarkt.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/rts