Wirtschaft

Exporte legen zu Mühsamer Weg aus dem Pandemie-Tal

68e01f38434d1058a11331633f9f5b08.jpg

Im Mai waren die Exporte hingegen um fast 30 Prozent und im April um mehr als 30 Prozent eingebrochen. Der Außenhandel nimmt nun weiter Fahrt auf.

(Foto: dpa)

Als Export-Europameister erholt sich Deutschland zurzeit von der Corona-Krise - wenn auch nur langsam. Der Außenhandel kommt im Juli weiter in Schwung. Die Einfuhren erhöhen sich derweil aber kaum. Insgesamt ist der Weg zum Vorkrisenniveau aber noch lang.

Die deutschen Unternehmen haben im Juli erneut mehr waren ins Ausland verkauft. Allerdings blieb der Handel weiter deutlich hinter dem Vorkrisenniveau zurück. Im Vergleich zum Juni stiegen die Ausfuhren um 4,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Exporte kriechen nur mühsam aus dem Pandemie-Tal", sagte der Außenhandelschef des Deutschen Industrie und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. "Die leichte Belebung im Juli ist vor allem krisenbedingten Nachholeffekten zu verdanken. Die Erholung des Außenhandels bleibt insgesamt aber enttäuschend."

Ökonomen hatten mit einem Plus von 5,0 Prozent gerechnet. Damit erholt sich der Export-Europameister weiter von den Corona-bedingten Einbrüchen im März und April, wenn auch in einem verlangsamten Tempo. Auf Jahressicht lagen die Exporte allerdings um 11,0 Prozent niedriger. Im Vergleich zum Februar 2020 - dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie - betrug der Rückgang 12,1 Prozent.

Langer Weg zur Normalität

Wie weit der Weg zur Normalität noch ist, zeigt ein Blick auf die Entwicklung in den ersten sieben Monaten des Jahres. Von Januar bis Juli sanken die Ausfuhren trotz der Aufholjagd der vergangenen Monate um 13,1 Prozent. Dabei schrumpfte das Geschäft mit den EU-Staaten um 13,6 Prozent, das mit dem Rest der Welt um 12,4 Prozent. "Ein großer Hemmschuh für ein Wiederanspringen des internationalen Handels sind die Einschränkungen bei Geschäftsreisen, so dass zahlreiche Geschäfte oder Investitionen vor Ort nicht abgeschlossen werden können", sagte Treier.

Insgesamt wurden im Juli Waren im Wert von 102,3 Milliarden Euro exportiert. Gleichzeitig kauften die Firmen für den Statistikern zufolge für 83,1 Milliarden Euro bei ausländischen Kunden ein. Bei den Einfuhren bedeutet das ein Plus von 1,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Auch hier liegt das Niveau aber weiterhin unterhalb der Werte von vor der Corona-Krise: Zum Juli 2019 betrug das Minus 11,3 Prozent und im Vergleich zum Februar 11,5 Prozent.

Corona löst strukturelle Probleme nicht

Die Außenhandelsbilanz schloss im Juli 2020 mit einem Überschuss von 19,2 Milliarden Euro ab. Im Juli 2019 hatte der Saldo in der Außenhandelsbilanz 21,3 Milliarden Euro betragen. Der deutsche Außenhandel hatte bereits im Juni auf Monatssicht deutlich zugelegt. Im Mai waren die Exporte hingegen um fast 30 Prozent und im April um mehr als 30 Prozent eingebrochen - so stark wie noch nie seit Beginn der Außenhandelsstatistik im Jahr 1950.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass die deutschen Exporte in diesem Jahr wegen der Corona-Rezession bei vielen wichtigen Handelspartnern um mehr als zwölf Prozent einbrechen werden. 2021 sollen sie dann um knapp neun Prozent wachsen. Es bleiben allerdings enorme Risiken.

"Tatsächlich leidet der deutsche Exportsektor nach wie vor unter strukturellen Herausforderungen wie Handelsspannungen, Brexit und Unterbrechungen in der globalen Lieferkette sowie Schwierigkeiten seiner wichtigsten Handelspartner, mit dem Virus fertig zu werden", sagte ING-Ökonom Carsten Brzeski.

Quelle: ntv.de, mba/AFP/rts