Wirtschaft

Abfindung so teuer wie Vertrag Müller bekommt wohl neue Funktion bei VW

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Obwohl er seinen Posten räumen soll, plagen Matthias Müller auch in Zukunft wohl keine Geldsorgen.

dpa

Mehr als 10 Millionen Euro hat Volkswagens Noch-Konzernchef Müller im vergangenen Jahr verdient - dass eine Abfindung da nicht ganz günstig wird, ist offensichtlich. Deshalb will ihn der Konzern Medienberichten zufolge auf eine andere Stelle setzen.

Der erwartete grundlegende Umbau beim weltgrößten Autokonzern Volkswagen nimmt immer deutlichere Konturen an. Es wird nicht nur damit gerechnet, dass der Aufsichtsrat den bisherigen VW-Markenchef Herbert Diess zum Nachfolger des amtierenden Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller bestimmt. Auch die Zukunft Müllers könnte bereits besiegelt sein: Nach "Handelsblatt"-Informationen könnte er eine neue Funktion erhalten, weil sein regulärer Vertrag noch bis zum Jahr 2020 läuft.

Auf der laufenden Aufsichtsratssitzung soll zwar beschlossen werden, dass Müller seinen Posten räumt, meldet die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise. Seinen Vorstandsvertrag werde er aber behalten. "Eine Vertragsaufhebung würde keinen Sinn machen, da die Abfindung genauso hoch sein würde wie der laufende Vertrag", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person dem Blatt. Im vergangenen Jahr hatte Müller mehr als 10,1 Millionen Euro eingestrichen.

Daneben sollen die Aufseher nach Angaben aus dem Konzernumfeld weitere Personalien beschließen. Gunnar Kilian, noch Generalsekretär im Betriebsrat, soll Personalvorstand werden und auf Karlheinz Blessing folgen. Außerdem wolle der langjährige Einkaufsvorstand Francisco Javier Garcia Sanz seinen Posten abgeben, heißt es. Sanz ist seit 2001 Vorstand bei VW und auch Aufsichtsratschef beim Bundesligisten VfL Wolfsburg. Zugleich solle Porsche-Chef Oliver Blume in den Konzernvorstand aufrücken.

Marken sollen neu sortiert werden

Die Aufseher zogen ihre Beratungen um einen Tag vor - ursprünglich war das Treffen für Freitag geplant, an dem nun die Öffentlichkeit über die Beschlüsse informiert werden soll. Bei der Aufsichtsratssitzung wird auch eine Neufassung wichtiger Strukturen angedacht, bekräftigten Quellen aus dem Konzern. Wie konkret diese Pläne bereits diskutiert oder gar beschlossen werden könnten, ist aber noch unklar. Nach "Spiegel"-Informationen sollen die einzelnen Marken in vier Gruppen aufgeteilt werden - für Volumenmodelle (VW, Skoda, Seat), Oberklasse-Autos (Audi, Bentley), Sportwagen (Porsche, Bugatti, Lamborghini) und Nutzfahrzeuge (MAN, Scania, leichte Nutzfahrzeuge). Ein Sprecher des VW-Aufsichtsrates wollte dies nicht kommentieren.

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In der Debatte ist seit längerem auch eine separate Ausgliederung des Lkw-Geschäfts mitsamt eigenem Börsengang oder eine Holding-Struktur. Eine Verlagerung der Sparte von Braunschweig nach München werde kommen, hieß es aus Kreisen der Kontrolleure zu einem Bericht des "Handelsblatts" - der Schritt dürfte auch im Zusammenhang mit einem möglichen Börsengang der Volkswagen Truck & Bus GmbH stehen. Bayerns Landeshauptstadt ist zudem bereits die Heimat von MAN.  

Am Dienstag hatte VW überraschend einen Umbau der Führungsetage angekündigt. Die Angaben blieben mit Blick auf weitere Details aber noch sehr vage. Dem seit Herbst 2015 amtierenden Vorstandschef Müller soll intern Entscheidungsschwäche vorgeworfen werden, der geplante Umbau demnach einen "Aufbruch" ermöglichen. Der 59-jährige Diess galt bereits länger als "Kronprinz" im Konzern. In seiner Zeit als Chef der Marke VW mit Modellen wie Golf oder Passat verbesserte er die Effizienz bei den ertragsschwachen Wolfsburgern. Zudem scheut er Konflikte mit dem Betriebsrat nicht - in Teilen der Belegschaft gilt er aber auch als umstritten.

"Gefahr des Besserwissers an der Spitze ist groß"

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer nannte Diess eine gute Wahl. Zugleich warnte er vor einer Personalunion aus Konzern- und VW-Markenvorsitz. "Unter (den früheren Vorstandschefs Martin) Winterkorn und (Ferdinand) Piëch hat man gesehen, dass die Gefahr des Besserwissers und Alleinentscheiders an der Spitze sehr groß ist", sagte Dudenhöffer der "Passauer Neuen Presse".

Den letzten grundlegenden Umbau hatte Volkswagen 2012 vollzogen. Damals hatte der Konzern unter anderem die Allianz seiner Nutzfahrzeug-Geschäfte vertieft, die Aktivitäten in China ausgebaut und Dutzende Management-Positionen neu besetzt - bei VW selbst, bei Audi, den leichten Nutzfahrzeugen, Bentley und in anderen Bereichen.

Das "Dieselgate" erhöhte dann den Druck, weitere Kosten einzusparen. 2015 wurde eine Trennung von Konzern- und Markenfunktionen angeschoben. Die Verantwortung der Vertriebsregionen wurde ebenfalls gestärkt. So schuf VW eine eigene Marktregion Nordamerika, wo die Kernmarke lange der Konkurrenz hinterherfuhr. Später rief Müller die "Strategie 2025" aus - ein Ziel war der Abbau des Zentralismus im VW-Reich. Im Asien-Geschäft peilt der Konzern auch eine Partnerschaft mit dem japanischen Lkw-Bauer Hino Motors an, der zum Erzrivalen Toyota gehört. Beide Seiten gaben eine Rahmenvereinbarung hierzu bekannt.

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa

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