Wirtschaft

Berliner Philharmoniker "Musikkultur bedroht wie nie"

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Die Berliner Philharmoniker profitieren in diesen schweren Zeiten von ihrer "Digital Concert Hall".

(Foto: imago/Andreas Gora)

Der Saal ist leer, aber die Musiker spielen weiter. Zwei Vertreter der weltberühmten Berliner Philharmoniker sprechen darüber, was Pandemie und Lockdown wirtschaftlich und mental für Haus und Ensemble bedeuten: In der Branche gebe es "unheimlich viele Fragezeichen".

Es ist die längste Spielpause seit Gründung der Berliner Philharmoniker im Jahr 1882, eines der weltweit führenden Sinfonieorchester. "Seit Mitte März 2020 bin ich gefühlt nur noch in irgendwelchen Runden unterwegs, wo wir für die Kultur kämpfen, wo wir Lobbyarbeit machen, wo wir versuchen, die Politik auch auf unsere Interessen und Nöte zu lenken," sagt Andrea Zietzschmann, seit 2017 Intendantin des Ensembles, im Podcast "Die Stunde Null".

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Andrea Zietzschmann, Intendantin der Berliner Philharmoniker

(Foto: imago/tagesspiegel)

Mit einem Eigenfinanzierungsanteil von 60 Prozent habe das Orchester immer sehr erfolgreich gearbeitet, doch die derzeitige Krise gehe an die Substanz. Einnahmen aus Ticketverkäufen und Saalvermietungen fallen weg, Gastspiele und Tourneen sind abgesagt. In der Branche gebe es "unheimlich viele Fragezeichen", so Zietzschmann, überall spüre man die Verunsicherung.

Können Gastspiele in den nächsten Jahren wie geplant stattfinden? Sind die Sponsoren weiter im Boot - auch wenn das Publikum nur halb so groß sein darf? Die Auswirkungen auf den Betrieb würden sich erst mittelfristig zeigen, sagt die Intendantin. Eines sei aber schon jetzt klar: "Wir werden mehr Geld brauchen."

Darüber hinaus wünscht sich Zietzschmann mehr langfristige Planungssicherheit. "Sie brauchen im Grunde so etwas wie eine Ausfallversicherung, weil die Versicherungsgesellschaften natürlich keine Corona-Versicherung mehr abschließen." Es gehe darum "wenigstens 50 Prozent refinanziert" zu bekommen. Beide sagen: Musik lebt vom Austausch mit dem Publikum. Die Vielfalt der Musikkultur sei so bedroht wie nie.

 

Aber es gibt auch einen Lichtblick: Die Philharmoniker profitieren in diesen Zeiten der Pandemie von ihrer "Digital Concert Hall", einer Streaming-Plattform mit Zugang zu Live-Konzerten und Archivaufnahmen, die bereits 2008 gestartet ist. Nach Schließung des Konzerthauses seien die Registrierung "total in die Höhe geschossen", sagt Olaf Maninger, seit 1996 Solo-Cellist der Philharmoniker, der die Entwicklung des Portals maßgeblich betreut hat. Die Mitgliederzahl sei im vergangenen Jahr um fast 40 Prozent gewachsen: Für Maninger ein deutliches Zeichen für das große Bedürfnis, das Menschen nach Kultur und "geistiger Erbauung" verspürten.

Hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null":

  • Welche positiven Nebeneffekte die Krise auf die Konzertbranche hat
  • Worauf sich Andrea Zietzschmann und Olaf Maninger persönlich freuen
  • Was den Live-Auftritt für Musiker und Publikum so besonders macht und warum kein digitales Angebot den Besuch im Konzerthaus ersetzen kann

Alle Folgen finden Sie direkt bei Audio NowApple oder Spotify oder via Google.

Quelle: ntv.de, ddi