Wirtschaft

Anleger feiern Deal mit Aufsicht Musk kündigt "epischen Sieg" für Tesla an

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Entgegen der Überzeugung vieler Experten hält Musk daran fest, dass Tesla im abgelaufenen Quartal profitabel gewesen sei.

(Foto: REUTERS)

Tausendsassa Elon Musk hat durch eine Einigung mit der Börsen-Aufsicht nicht nur seine Absetzung als Tesla-Chef verhindert. Beobachter werten die Vereinbarung als Chance für die Firma. Gleichzeitig verbreitet Musk euphorisch weitere Neuigkeiten.

Elon Musk bleibt sich nach der Einigung mit der US-Börsen-Aufsicht SEC treu und treibt seine Mitarbeiter an, in letzter Minute die von ihm gesetzten Unternehmensziele zu erreichen. Dabei hatte er kurz zuvor nur knapp seine Absetzung an der Firmenspitze abgewendet. Am Samstag hatten Musk, Tesla und die SEC vereinbart, dass der Unternehmer seinen Posten als Verwaltungsratschef an einen unabhängigen Kandidaten abgeben, eine Millionenstrafe zahlen und seine Kommunikation vor allem bei Twitter kontrollieren lassen soll. In ihrer Klage gegen Musk hatte die SEC zuvor gefordert, dass Musk auch als Konzernchef (CEO) entmachtet wird, da er mit seiner überraschend verkündeten Idee eines Börsenrückzugs im August Anleger in die Irre geführt und betrogen habe.

Kurz nach dem Deal mit der Börsenaufsicht schickte Musk eine E-Mail in dem für ihn typischen euphorischen Tonfall an seine Mitarbeiter. Tesla, schrieb er laut US-Medienberichten, stehe kurz vor einem "epischen Sieg jenseits aller Erwartungen". Denn das Unternehmen, das seit Jahren Milliardenverluste schreibt und dem nach Einschätzung vieler Beobachter bald das Geld ausgehen könnte, sei "sehr kurz davor, profitabel zu werden und die Schwarzseher zu widerlegen."

Damit das klappe, so Musk an seine Mitarbeiter, "müssen wir alle morgen [Sonntag] wirklich gut arbeiten." Demnach hing es offenbar vom allerletzten Tag im Quartal ab, ob Tesla die von ihm lange versprochene Steigerung der Auslieferung und eine positive Quartalsbilanz vorweisen kann. Bereits Ende Juni hatte Musk seine Mitarbeiter dazu angetrieben, das von ihm selbst ausgerufene Ziel von 5000 hergestellten Model-3-Wagen pro Woche buchstäblich in letzter Minute zu erreichen. Dass Steigerung von Produktion und Vertrieb in solchen Hau-Ruck-Aktionen zur nachhaltigen Entwicklung des Unternehmens beitragen, wird von vielen Kritikern bezweifelt.

Einem unbestätigten Bericht zufolge soll Tesla im dritten Quartal das selbst gesteckte Ziel von mehr als 50.000 produzierten Model 3 sogar um 3000 Wagen übertroffen haben. Ob der Autobauer damit auch tatsächlich die Gewinnzone erreicht hat, ist offen. Die Quartalsbilanz wird Tesla Anfang November offiziell vorlegen.

Wichtiger "visionärer Charakter"

Die Zugeständnisse von Musk in seinem Deal mit der Börsenaufsicht werden unterdessen von Analysten weniger als Strafe, sondern eher als positiv für das Unternehmen beurteilt. Zwar werde die Machtbasis des Chefs reduziert, schrieben die Analysten von Independent Research. Aber er bleibe Tesla erhalten, was wegen seines "visionären Charakters" für die kalifornische Firma sehr wichtig sei. "Das sollte das Vertrauen des Kapitalmarktes in den E-Autobauer erhöhen", schrieben die Experten weiter, die die Aktien zudem auf "Halten" von "Verkaufen" heraufstuften.

Musk hatte zuletzt nicht nur mit dem Tweet zum angeblichen Börsenrückzug für negative Schlagzeilen gesorgt. In einem Interview mit der "New York Times" hatte er persönliche Probleme, Überarbeitung und Schlafmittelkonsum eingeräumt. In einem live bei Youtube ausgestrahlten Podcast hatte er vor laufender Kamera zudem Cannabis geraucht. Analysten beschimpfte er als Dummköpfe, einen Höhlentaucher, der an der Rettung thailändischer Kinder beteiligt war, als Pädophilen. 

Gene Munster, Chef der Beteiligungsfirma Loup Ventures, bezeichnete die Vorgabe für Tesla, einen unabhängigen Verwaltungsratschef ernennen zu müssen, als "Chance". Es gebe der Firma "die Möglichkeit, jemanden an diese Stelle zu setzen, der in der Lage ist, Musk zu beeinflussen und Telsa zu helfen, nachhaltig zu werden."

Quelle: ntv.de, mbo