Wirtschaft

Spenden für Bedürftige nötig Nahrung in Nordkorea wird nach Dürre knapp

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Die Frühernte in Nordkorea ging dem UN-Bericht zufolge um 30 Prozent zurück.

(Foto: picture alliance / Wong Maye-E/A)

Nordkoreas Wirtschaft wächst im vergangenen Jahr trotz westlicher Sanktionen so schnell wie zuletzt vor 17 Jahren. Doch nun kämpft das Land mit einer schweren Dürre - und ist laut eines UN-Berichts auf Nahrungsmittelimporte und -spenden angewiesen.

Im abgeschotteten Nordkorea droht UN-Experten zufolge eine Verschärfung der ohnehin schwierigen Versorgungslage. Grund dafür sind Missernten - laut der Experten erlebt Nordkorea die schwerste Dürre seit 16 Jahren. Die Produktion von Nutzpflanzen ist eines Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) zufolge durch die Dürre "schwer geschädigt". In den nächsten drei Monaten seien größere Nahrungsmittelimporte oder -spenden erforderlich, um besonders hilfsbedürftige Menschen wie Kinder und Ältere ausreichend versorgen zu können.

Von April bis Juni sei in den wichtigsten Anbaugebieten sogar weniger Regen gefallen als im vergleichbaren Dürre-Jahr 2001, als die Getreideproduktion auf fast zwei Millionen Tonnen Reis gesunken war. Die Frühernte im Juni, darunter von Weizen, Gerste und Kartoffeln, ging dem Bericht nach um 30 Prozent zurück. Zwar habe der Regen im Juli einige Erleichterung gebracht, sei für eine normale Entwicklung der Pflanzen jedoch vermutlich zu spät gekommen.  

Nutzpflanzen sind laut FAO während der ohnehin schwierigen Zeit von Mai bis September eine wichtige Versorgungsquelle für die Nordkoreaner. Das militärisch hochgerüstete Land mit mehr als 25 Millionen Einwohnern ist nach mehreren Naturkatastrophen und aufgrund der eigenen Misswirtschaft seit vielen Jahren auf Nahrungshilfe von außen angewiesen. Nach Angaben des Welternährungsprogramms (WFP) ist die Ernährungssicherheit für etwa 70 Prozent der Bevölkerung gefährdet.

Raketen- und Atomprogramm kurbelt Wirtschaft an

Ungeachtet davon ist die Wirtschaft in Nordkorea 2016 trotz westlicher Sanktionen so schnell gewachsen wie seit 17 Jahren nicht mehr. Zu diesem Ergebnis kommen Berechnungen der südkoreanischen Zentralbank. Das Bruttoinlandsprodukt sei um 3,9 Prozent gestiegen, erklärte die Notenbank. Bergbau und der Energiebereich hätten dazu ebenso beigetragen wie die um 4,6 Prozent gestiegenen Exporte. Auch der Bau von Komponenten für das Raketen- und Atomprogramm habe die Wirtschaft angekurbelt.

Ein größeres Wachstum gab es zuletzt 1999 mit 6,1 Prozent, 2015 hatten niedrige Rohstoffpreise und eine Dürre für eine Rezession gesorgt. Die Wirtschaftsleistung pro Kopf habe mit umgerechnet etwa 1148 Euro nur fünf Prozent des Wertes von Südkorea erreicht.

Nordkorea gibt selbst keine Konjunkturdaten bekannt. Die Zentralbank im südlichen Nachbarland veröffentlicht dagegen seit 1991 eigene Berechnungen über das kommunistische Land. Sie basieren auf Regierungsdaten, die beispielsweise vom südkoreanischen Ministerium für Wiedervereinigung und von Geheimdiensten stammen. Die Schätzungen werden von internationalen Organisationen und Forschern weitgehend übernommen.

Seit 2006 sind Sanktionen gegen Nordkorea wegen des Raketen- und Atomprogramms in Kraft. In den vergangenen Monaten wurden mehrere Raketentests unternommen, zuletzt mit einer Interkontinentalrakete, die auch die USA erreichen könnte. Außerdem betont Nordkorea, dass es mittlerweile die Technik beherrscht, einen Atomsprengkopf auf die Rakete zu montieren. Die USA dringen deshalb auf schärfere Sanktionen und nehmen dabei vor allem Nordkoreas wichtigsten Handelspartner China in die Pflicht. Binnen weniger Wochen könnten neue Strafmaßnahmen gegen kleinere chinesische Banken und andere Firmen verhängt werden, die mit dem abgeschotteten Land Geschäfte machen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Washingtoner Regierungskreisen. Nach chinesischen Angaben weitete sich der Handel mit Nordkorea im ersten Halbjahr um 10,5 Prozent auf 2,55 Milliarden Dollar aus.

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa/rts

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