Wirtschaft
Die Bundeswehr bezeichnet das Transportflugzeug Antonow 124 als "fliegenden Güterzug".
Die Bundeswehr bezeichnet das Transportflugzeug Antonow 124 als "fliegenden Güterzug".(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 18. April 2018

Russland stoppt Lieferung: Nato bekommt keine Antonow 124 mehr

Seit 2006 erhalten zehn Nato-Länder von Russland das Transportflugzeug Antonow 124 für ihre Streitkräfte. Diesen Vertrag möchte der russische Konzern Wolga-Dnjepr nun auslaufen lassen. Damit sind die Fähigkeiten der Nato eingeschränkt.

Russland stoppt die Bereitstellung des Großraum-Transportflugzeugs Antonow 124 für die Streitkräfte der Nato: Der Vertrag mit zehn Nato-Ländern zum Einsatz des militärisch wichtigen Flugzeugs werde nach dem Auslaufen zum Jahresende nicht mehr verlängert, teilte der russische Konzern Wolga-Dnjepr mit. Der Vertrag war seit 2006 bislang jedes Jahr verlängert worden.

Wolga-Dnjepr stellte den teilnehmenden Nato-Staaten bislang die Maschinen zur Verfügung, weil die Nato derzeit nur über eingeschränkte Luftladekapazitäten verfügt. Auch die Bundeswehr setzt die Maschinen ein. Einige von ihnen sind am Flughafen Leipzig-Halle stationiert.

Die Bekanntgabe der Entscheidung von Wolga-Dnjepr fällt in eine Zeit wachsender Spannungen zwischen Russland und dem Westen. Der Wegfall der Maschine dürfte die Lufttransport-Fähigkeiten der Nato weiter einschränken. Angesichts der anhaltenden Probleme beim europäischen Transportflugzeug A400M spielt die Antonow 124 wegen ihres außergewöhnlich großen Ladevolumens eine wichtige Rolle.

"Fliegender Güterzug"

Die Bundeswehr bezeichnet die Antonow 124 auf ihrer Internetseite als "fliegenden Güterzug". Sie kann beispielsweise Panzer und Hubschrauber an Einsatzorte fliegen. Die deutsche Truppe nutzte das Flugzeug etwa, um Kampfhubschrauber vom Typ "Tiger" zum Einsatz im westafrikanischen Krisenstaat Mali zu fliegen.

Auch Frankreich setzte bislang stark auf die Transportkapazitäten der Antonow 124. Ein französischer Parlamentsbericht kam vor einem Jahr zu dem Schluss, dass die Streitkräfte des Landes beim Lufttransport eine "sehr starke Abhängigkeit" von russischen und ukrainischen Lieferanten aufwiesen.

Die Nato in Brüssel bestätigte, dass die Bereitstellung der Antonow 124 im kommenden Jahr nicht mehr fortgesetzt werde. Das Bündnis will nun mit den betroffenen Ländern über Alternativen beraten. Die bisherigen Bereitstellungen erfolgten im Rahmen des so genannten Salis-Vertrags. Daran beteiligt sind neben Deutschland und Frankreich noch Belgien, Tschechien, Ungarn, Luxemburg, Norwegen, Polen, die Slowakei und Slowenien.

Die Nato-Staaten bezogen die Antonows allerdings nicht ausschließlich von dem russischen Unternehmen Wolga-Dnjepr. Auch das ukrainische Unternehmen Antonov Airlines stellt die Maschinen bereit.

Quelle: n-tv.de