Wirtschaft

Langsameres Wachstum Nestle schüttet weitere Milliarden aus

RTS2FWZ2.jpg

Für die Nestle-Aktionäre gibt es in den kommenden Jahren wohl deutlich mehr als nur Wasser.

(Foto: REUTERS)

Der Schweizer Nahrungsmittelriese strafft sein Geschäft. Dazu werden Sparten abgestoßen und neue gesucht. Inzwischen sitzt der Konzern auf einem ordentlichen Finanzpolster. Davon sollen wiederholt die Aktionäre profitieren.

Nestle ist im Sommer etwas langsamer gewachsen als zuletzt. Erstmals seit langem konnte der Schweizer Nahrungsmittelriese nicht von Preiserhöhungen profitieren. Dennoch hält der Hersteller von Marken wie Maggi und Nescafe an seinen Zielen fest - und legt ein neues milliardenschweres Wohlfühlprogramm für Aktionäre auf.

Nestle
Nestle 94,64

Im dritten Quartal kletterten die Erlöse auf Jahressicht um 2,9 Prozent auf 68,4 Milliarden Franken. Das bereinigte Plus belief sich auf 3,7 Prozent - nach 3,9 Prozent im Quartal davor, wie das Unternehmen mitteilte. Nestle peilt weiterhin ein organisches Plus von rund 3,5 Prozent und eine bereinigte operative Gewinnmarge von rund 17,5 Prozent oder mehr an. "Wir sind mit unserem Neunmonatsergebnis zufrieden und haben weitere Fortschritte auf dem Weg zu unseren Finanzzielen für 2020 erzielt", sagte Firmenchef Mark Schneider.

Bis 2022 will der Konzern erneut bis zu 20 Milliarden Franken an seine Aktionäre ausschütten - hauptsächlich in Form von Aktienrückkäufen. Ein Teil des Geldes könne auch über Sonderdividenden fließen - vorausgesetzt Nestle benötige das Geld nicht für Zukäufe. Das aktuelle Aktienrückkaufprogramm mit einem Umfang von ebenfalls 20 Milliarden Franken läuft zum Jahresende aus.

Nestle hatte unlängst den rund zehn Milliarden Franken schweren Verkauf der Hautpflegesparte Nestle Skin Health abgeschlossen. Einige Investoren hatten sich deshalb bereits Hoffnungen auf eine Sonderdividende oder ein weiteres Aktienrückkaufprogramm gemacht.

Darüber hinaus hat Nestle auch das Fleischwarengeschäft unter der Marke Herta auf den Prüfstand gestellt. Hier dauere die Prüfung strategischer Optionen an und werde wie geplant bis zum Jahresende abgeschlossen sein, erklärte das Unternehmen. Mit einem möglichen Verkauf will sich Nestle den geänderten Konsumgewohnheiten anpassen: In vielen Ländern sinkt die Nachfrage nach Fleisch, während die Menschen verstärkt zu vegetarischen Produkten greifen.

Wassergeschäft wird umgebaut

Beide Maßnahmen sind Teil des Umbaus von Firmenchef Schneider. Er hat sich in den vergangenen Jahren von schwächelnden oder nicht zum Kerngeschäft gehörenden Geschäftsteilen getrennt und das Geld in Wachstumsbereiche wie Kaffee, Babynahrung, Tiernahrung, Wasser oder das Geschäft mit gesunden Lebensmitteln investiert. All das soll helfen, den Nahrungsmittelriesen bis 2020 wieder zu alten Wachstumsraten im mittleren einstelligen Bereich zurückzuführen.

Zudem baut Schneider das Wassergeschäft um, das zuletzt in einigen Regionen nicht gut gelaufen war. Die Geschäftseinheit werde künftig nicht mehr zentral geführt, sondern in die drei geografischen Zonen der Gruppe integriert. Das solle helfen, das Wachstum zu beschleunigen. Zudem scheide der bisherige Leiter von Nestle Waters, Maurizio Patarnello, per Ende 2019 aus der Konzernleitung aus. Zum Wassergeschäft von Nestle gehören Marken wie S.Pellegrino, Perrier und Acqua Panna.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts

Mehr zum Thema