Netzagentur erwartet hohe PreiseDeutschlands Gasspeicher füllen sich trotz Nahost-Konflikt langsam wieder

Die gestiegenen Energiepreise seien "ein harter Schlag" für die Industrie, doch Lieferengpässe fürchtet Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller nicht. Sollte der Konflikt in der Golfregion aber länger andauern, könnten auch Privathaushalte die Auswirkungen spüren.
Trotz vergleichsweise geringer Füllstände in den Erdgasspeichern und dem Ausfall von Flüssigerdgaslieferungen aus Katar und anderen Golfstaaten erwartet die Bundesnetzagentur keine Versorgungsprobleme in Deutschland. Eine neue Gaskrise sei "überhaupt nicht abzusehen", sagte Netzagentur-Chef Klaus Müller gegenüber "Table.Briefings".
Zwar seien die Gasspeicher mit rund 20 Prozent aktuell eher niedrig befüllt, doch Deutschland beziehe kein Erdgas aus Katar. Durch die milde Witterung leerten sich die Speicher derzeit zudem auch nicht weiter - im Gegenteil: "Seit vier Tagen speichern wir ein", erklärte Müller.
Allerdings führe der Konflikt zu deutlich höheren Preisen, warnte die Bundesnetzagentur. Der Weltmarktpreis habe sich innerhalb von 48 Stunden fast verdoppelt. "Das ist ein harter Schlag für alle Unternehmen, die am Spotmarkt Gas beschaffen müssen", erklärte Müller. Die relevanten Akteure auf dem Gasmarkt hätten deutlich gemacht, dass diese Preisspitzen für eine gewisse Zeit verkraftbar seien. Privatkunden seien durch Verträge mit längerfristigen Festpreisen in der Regel zunächst geschützt, könnten die Auswirkungen aber später spüren. "Alles steht und fällt damit, wie lange der Krieg, die Krise andauert", warnte Müller.
Dass die Füllstandsvorgaben für deutsche Gasspeicher im letzten Jahr abgesenkt wurden, sei weiterhin richtig. Nun brauche es aber einen neuen Mechanismus zur Absicherung, um gegen künftige externe Schocks besser gewappnet zu sein. "Die Diskussion läuft jetzt", sagte Müller. "Ich gehe davon aus, dass sie sehr zeitnah entschieden wird."