Wirtschaft

Schulden erdrücken Erotikhändler Neuer Chef soll Beate Uhse retten

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Ein Fall für's Museum: Die erfolgreichen Zeiten des Beate-Uhse-Konzerns sind lange vorbei.

(Foto: imago/Stefan Zeitz)

Im Zeitalter von Onlinehandel und Internetpornografie hat der ehemalige Branchenführer auf dem Erotik-Markt den Anschluss verloren. Seit Jahren schreibt das Unternehmen Verluste, der Umsatz geht zurück. Gelingt dem neuen Chef die Wende?

Der Handelsmanager Michael Specht wird neuer Chef des Erotik-Händlers Beate Uhse. Der Aufsichtsrat habe Specht zum 15. April auf die freie Position des Vorstandsvorsitzenden berufen,  teilte das Unternehmen in Hamburg mit. Der Betriebswirt folgt auf Nathal van Rijn, der nur wenige Monate an der Spitze des Erotikhändlers gestanden und das Unternehmen im Januar verlassen hatte. Specht arbeitete zuvor unter anderem für Foot Locker Germany, The North Face, L'TUR und Starbucks.

Beate Uhse
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Ein Vorstandsposten bei Beate Uhse war in den vergangenen Jahren oft ein Schleudersitz. Das Unternehmen kämpft trotz der hohen Bekanntheit seiner Marke mit Imageproblemen, rückläufigen Umsätzen und anhaltenden Verlusten.

Für die ersten neun Monate vergangenen Jahres wies Beate Uhse einen Umsatz von 77,8 Millionen Euro und einen Verlust vor Steuern von 4,85 Millionen Euro aus. Die Veröffentlichung der Jahreszahlen für 2016, die für diesen Donnerstag vorgesehen war, werde wegen des Wechsels im Vorstand auf Mai verschoben, hieß es in der Mitteilung.

Beate Uhse kämpft vor allem mit Altlasten der Vergangenheit. Gründerin Beate Rotermund-Uhse, die 1962 den ersten Sexshop in Deutschland eröffnete, war die Pionierin der Branche. Sie machte Beate Uhse zu einer der bekanntesten Marken. Doch viele Kunden verbinden mit dem Unternehmen immer noch ein leicht angeschmuddeltes Image von Rotlicht, Porno und Bahnhofskino.

Von Amazon und Start-Ups verdrängt

Zwar versucht das Unternehmen schon seit langem, Frauen und junge Paare als Kunden zu gewinnen. Das Sortiment wurde geändert, das Logo feminisiert und der berühmte Katalog eingestellt. Dennoch gelang es den Vorständen nicht, das Unternehmen auf einen Wachstumskurs zu führen. Das verschwindende Geschäft mit Sexfilmen auf Video-Kassette oder DVD, längst gratis verfügbar im Internet, konnte nicht ersetzt werden.

"Das Ruder wurde zu spät in Richtung E-Commerce herumgeworfen", sagt ein Kenner der Branche. Ein Großteil des einschlägigen Sortiments werde heute über die Handelsplattform Amazon verkauft. Wer dort nach einem Vibrator für Frauen sucht, bekommt mehrere Dutzend Modelle in diversen Variationen präsentiert. Auch Newcomer wie Eis.de oder Amorelie sind im Internet erfolgreich.

Angaben über den Umsatz der Erotikbranche sind beim entsprechenden Verband nicht zu bekommen; zu unübersichtlich ist die Vielfalt der Händler und Vertriebswege, zu unscharf auch die Abgrenzung im Bereich Wäsche und Dessous.

Die Aktie von Beate Uhse ist schon lange ein Pennystock, nur ein paar Cent wert. Das Unternehmen ist weniger als 17 Millionen Euro wert. In zwei Jahren muss das Unternehmen eine hoch verzinste Anleihe über 30 Millionen Euro zurückzahlen. Schon im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen Mühe, die fälligen Zinsen von 7,75 Prozent aufzubringen. Am Ende half ein Kredit. Doch wenn die Umsätze nicht steigen und die Ertragssituation sich nicht bessert hat Beate Uhse bald kein Geld mehr in der Kasse. Dann sind die Eigentümer gefragt, vor allem die schleswig-holsteinischen Sparkassen und der niederländische Unternehmer Gerard Cok. Sie werden letztlich entscheiden, ob die Lichter bei Beate Uhse bald ausgehen oder das Unternehmen eine neue Chance bekommt.

Quelle: n-tv.de, Eckart Gienke, dpa

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