Wirtschaft

Profitieren vom Internet-Hype? Neuer Fonds setzt auf Reddit-Revolution

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Der Bulle symbolisiert steigende Kurse.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Hobby-Zocker verabreden sich im Internet, um Aktienkurse nach oben zu treiben - mit Erfolg. Ein Fondsanbieter will auf dieser Welle reiten und bietet Anlegern ein spezielles Finanzprodukt an. Der Name ist zwar hip. Doch die Zusammensetzung ist nicht besonders originell.

Während die auf der Internet-Plattform organisierten Attacken munter weitergehen, will auch die Finanzindustrie von Internet-Flashmobs profitieren. Jüngstes Beispiel: Der Vermögensverwalter VanEck hat einen börsengehandelten Fonds aufgelegt, in dem sich die US-Aktien befinden sollen, die im Internet besonders gehypt werden.

Das ist zumindest der Anspruch. Der ETF (Kürzel: BUZZ) folgt der Kursentwicklung der 75 in den USA gehandelten Aktien, bei denen im Internet die "Anlegerstimmung am positivsten" ist. Leisten soll das Künstliche Intelligenz, die Internet-Quellen wie Social Media, Nachrichtenseiten und Blogs durchforstet. "Bei Twitter, Reddit, Stocktwits und Dutzenden anderer Plattformen haben sich Communities von Anlegern herausgebildet, die über Aktien diskutieren", zitiert der Finanzdienstleister "Bloomberg" den Chef der Fonds-Sparte von VanEck, Ed Lopez. Daraus sei mittlerweile eine alternative Datenquelle geworden, die man nutzen solle. "Jeden Tag gibt es eine Menge Online-Geplauder", wirbt die Firma. "Verschlafen Sie das nicht!"

Ob es dem Fonds allerdings gelingt, tatsächlich die am heißesten gehandelten Trends abzubilden, ist zweifelhaft. Der Index, dessen Zusammensetzung der ETF abbildet, hat zumindest einen hippen Namen: Buzz NextGen AI US Sentiment Leaders Index. Doch um dort hineinzugelangen, müssen die Unternehmen einen Börsenwert von mindestens fünf Milliarden Dollar haben - das schließt einen Großteil der Aktien aus. Außerdem wird die Zusammensetzung lediglich einmal im Monat angepasst. Für die so spontan entstehenden wie kurzlebigen Flashmobs von Hobby-Zockern ist der Fonds also nichts.

Die Gamestop-Attacke wäre an dem Fonds damit vorbeigegangen. In Foren wie "Wall Street Bets" auf der Internet-Plattform Reddit hatten sich Trader verabredet, Aktien des Videospiele-Händlers zu kaufen, um damit gemeinsam den Kurs nach oben zu treiben. Da Hedgefonds massiv auf einen fallenden Kurs der Aktie gesetzt hatten, mussten diese Gamestop-Aktien kaufen, um ihre drohenden Verluste zu begrenzen. Das Ergebnis: Der Kurs schoss nach oben - zeitweise lag das Plus bei rund 1600 Prozent. Dann ging es allerdings steil bergab.

Fokus auf Tech-Titeln

Gamestop-Aktien finden sich auch derzeit nicht im ETF. Die größte Position ist Twitter, danach folgen der Glückspiel-Anbieter DraftKings und Ford. Auch die folgenden Aktien sind nicht gerade besonders originell: Facebook, Amazon, Apple, AMD, American Airlines, Netflix und Tesla. Mit anderen Worten: Der Fonds setzt vor allem auf Tech-Aktien, die eine monatelange Rally hingelegt haben. Reuters zufolge hat der Buzz-Index in den vergangenen zwölf Monaten knapp 80 Prozent an Wert gewonnen. Der S&P 500 hat im gleichen Zeitraum um rund 25 Prozent zugelegt.

Die Idee ist übrigens nicht neu. Einen ähnlichen ETF hatte der Fondsanbieter 2016 aufgelegt. Doch drei Jahre später machte der ihn mangels Interesse wieder dicht. Diesmal jedoch soll das Projekt ein Erfolg werden. Es ist durchaus möglich, dass dies gelingt. Denn die Internet-Gemeinde von Hobby-Tradern hat jede Menge Aufmerksamkeit erreicht - und viele Anleger hoffen, davon irgendwie profitieren zu können.

Quelle: ntv.de

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