Wirtschaft

Leistungssport mit Kopftuch Nike rüstet Athletinnen mit "Pro Hijab" aus

Das kann sich sehen lassen: Nike hat die Zielgruppe arabischer Sportlerinnen entdeckt und den "Pro Hijab" entworfen. Mit dem Kopftuch plant der Sportartikelriese nichts weniger als eine Revolution.

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Der US-amerikanische Sportartikelhersteller Nike hat sein Ziel untermauert, auch in der arabischen Welt dauerhaft Fuß zu fassen. Pünktlich zum internationalen Weltfrauentag kündigte der Konzern an, einen Hidschab für muslimische Athletinnen auf den Markt zu bringen.

Der "Pro Hijab" ist der erste Sport-Hidschab von Nike – und kann sich durchaus sehen lassen: Elegant schmiegt sich das Kleidungsstück an den Körper der jeweiligen Athletin an. Das Sport-Kopftuch wird in drei dezenten Farben erhältlich sein und besteht aus leichtem, atmungsaktivem Polyester. Trotz der winzigen Luftlöcher im Stoff ist es blickdicht, um die allgemein gültigen Hidschab-Regeln nicht zu verletzen.

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Laut Firmenangaben dauerte es ein Jahr, das Kleidungsstück zu entwickeln. Hintergrund seien zahlreiche Beschwerden muslimischer Athletinnen gewesen, wonach sie ein traditioneller Hidschab beim Sport gestört habe. Dieses Problem wollte Nike lösen. Darüber hinaus habe die Motivation darin bestanden, "den heutigen Pionierinnen zu dienen und noch mehr Frauen und Mädchen in der Region zu begeistern, die immer noch mit Barrieren und begrenztem Zugang zum Sport konfrontiert sind".

Hidschab als Teil einer Kampfansage

Getestet wurde der "Pro Hijab" unter anderem von Zahra Lari, einer Eiskunstläuferin aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die 21-Jährige ist das Gesicht der neuen Nike-Kampagne. Dem Sender CNN sagte sie, bereits viele verschiedene Hidschabs erfolglos beim Sport ausprobiert zu haben. Vom "Pro Hijab" hingegen sei sie "von der Passform und dem geringen Gewicht weggeblasen" worden.

Lari ist allerdings nicht die erste Top-Athletin, die mit einem Hidschab internationale Wettkämpfe bestreitet. Bereits bei den Olympischen Spielen 2012 in London startete die saudische Leichtathletin Sarah Attar verschleiert ins 800-Meter-Rennen. Vier Jahre später traten Laris Landsfrau Amna Al Haddad im Gewichtheben sowie die US-Fechterin Ibtihaj Muhammad bei Olympia in Rio an – ebenfalls wie das äqyptische Beachvolleyball-Duo Doaa Elghobashy/Nada Meawad, das sich an der Copacabana den späteren Olympiasiegerinnen Laura Ludwig und Kira Walkenhorst geschlagen geben musste.

Bereits im Februar startete Nike eine Werbekampagne im Nahen Osten, die an die weibliche Zielgruppe gerichtet war. Unter dem Titel "Was werden sie über dich sagen?" veröffentlichte der Sportartikelriese einen Videoclip, in dem fünf arabische Athletinnen, darunter auch Lari, beim Sport zu sehen sind. Der Kurzfilm will nicht nur als Werbung, sondern vor allem auch als Kampfansage gegen überholte Geschlechterrollen und Vorurteile in der Region verstanden werden. Bis zum Start der von Nike postulierten Revolution in der arabischen Welt ist allerdings noch etwas Geduld gefragt – der "Pro Hijab" soll erst im Frühjahr 2018 auf den Markt kommen.

Quelle: n-tv.de, cri

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