Wirtschaft

Verlegeschiff verlässt Baustelle Nord Stream 2 vor Rügen fertiggestellt

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Die "Fortuna" besitzt keinen eigenen Antrieb, sondern muss von Schleppern gezogen werden.

(Foto: imago images/Jens Koehler)

Vor einem Jahr kommen die Arbeiten an der Nord Stream 2 auf Druck der USA weitgehend zum Erliegen. Anfang Dezember verlässt das russische Rohrverlegeschiff "Fortuna" den Hafen in Wismar und kehrt ins Baugebiet zurück. Jetzt befindet es sich auf dem Rückweg.

Russland kommt mit dem Bau der umstrittenen Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 trotz der US-Sanktionsdrohungen offenbar voran. Das russische Schiff "Fortuna", das die Rohre verlegt, hat die Baustelle zwischen Rügen und der dänischen Insel Bornholm in der Ostsee verlassen und befindet sich auf der Fahrt zum Hafen in Wismar, wie Positionsdaten zeigen, die im Internet öffentlich zu sehen sind. Das deutet darauf hin, dass der 2,6 Kilometer lange Abschnitt des Projekts in deutschen Gewässern abgeschlossen ist. Der Plan sieht vor, dass die "Fortuna" den Bau Mitte Januar in dänischen Gewässern fortsetzt.

Auf Anfrage bestätigte das Unternehmen Nord Stream 2 am Abend, die Bauarbeiten für einen 2,6 Kilometer langen Leitungsabschnitt in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone seien beendet worden.

Das Schiff hatte Wismar Anfang des Monats verlassen und die Arbeiten an der Pipeline wieder aufgenommen. Sie waren vor einem Jahr auf Druck der USA weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Leitung ist zu rund 90 Prozent fertig, etwas mehr als 100 Kilometer fehlen noch.

Eine Stellungnahme der Pipeline-Gesellschaft liegt nicht vor. Zuletzt hieß es aus Washington, die US-Regierung bereite weitere Sanktionen vor und dränge europäische Verbündete und Privatunternehmen dazu, die Arbeiten am Bau der Pipeline zu stoppen. Bundesaußenminister Heiko Maas erklärte allerdings, dass die Bundesregierung nicht einlenken werde: "Wir brauchen nicht über europäische Souveränität zu reden, wenn dann darunter verstanden wird, dass wir in Zukunft alles nur noch machen, wie Washington es will", sagte er in einem Interview.

Auch Biden ein Gegner

Die Pipeline soll nach Fertigstellung jedes Jahr 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas von Russland nach Deutschland pumpen. Den USA ist die Leitung ein Dorn im Auge. Die Regierung des scheidenden Präsidenten Donald Trump wie auch Kongressabgeordnete beider Parteien beklagen, dass sich die Europäer von russischem Erdgas abhängig machen. Auch der designierte Präsident Joe Biden hat in der Vergangenheit das Projekt kritisiert. Unterstützt werden sie von osteuropäischen Staaten wie Polen und den baltischen Ländern. Kritiker werfen den USA dagegen vor, allein aus wirtschaftlichen Interessen zu handeln: Auch sie wollen Erdgas nach Europa verkaufen.

Nord Stream 2 ist die zweite Ostsee-Pipeline zwischen Russland und Deutschland. Hinter dem Projekt steht der russische Staatskonzern Gazprom, der die Hälfte der geplanten Gesamtkosten stemmen soll. Die andere Hälfte finanzieren die europäischen Energieunternehmen Wintershall Dea, OMV, Uniper, Royal Dutch Shell und Engie.

Quelle: ntv.de, chr/rts

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