Wirtschaft

Pokémon-Karten als Geldanlage Nur "Dummköpfe" investieren sechsstellig

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Privatanleger müssen sich darüber im Klaren sein, dass die Preise stark schwanken.

(Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com)

Zehntausende schauen in den sozialen Medien Influencern und Streamern dabei zu, wie sie Pokémon-Karten auspacken. Inzwischen werden für besonders seltene Sammlerobjekte sechsstellige Summen bezahlt. Die enorme Preissteigerung lockt längst auch professionelle Anleger an.

Im vergangenen Oktober erfüllte sich der US-Rapper Logic einen Kindheitstraum und ersteigerte die bis dahin teuerste Pokémon-Karte der Welt. Das extrem seltene Sammlerstück wechselte für die Rekordsumme von 226.000 Dollar den Besitzer. Der bekennende Pokémon-Fan sicherte sich mit seinem Gebot eine legendäre Karte aus dem Jahr 1999.

Nach den zum Teil sehr kräftigen Preissteigerungen sind die Sammlerstücke nun auch in den Fokus von Privatanlegern gelangt. "Einige sind inzwischen bereit, für Karten und Sets nennenswerte Preise zu bezahlen", sagt Michael Grote von der Frankfurt School ntv.de. Fünf- und sechsstellige Summen ließen sich kaum mit dem Material- oder Nutzwert der Karte erklären, sondern allein mit dem Wunsch, diese Karte zu besitzen. Denn eigentlich haben früher vor allem Kinder auf Schulhöfen die Karten untereinander getauscht.

In einem Instagram-Post nach der Ersteigerung erklärt Rapper Logic, warum ein buntes Stück Karton für ihn so wertvoll ist. "Als ich noch ein Kind war, habe ich Pokémon geliebt, konnte mir die Karten aber nicht leisten. Ich kann mich sogar daran erinnern, dass ich einmal versucht habe, Lebensmittelmarken gegen Pokémon-Karten einzutauschen", schreibt Logic. Als Erwachsener habe er jetzt endlich die Möglichkeit, sich ein Stück von etwas zurückzukaufen, das er als Kind schon geliebt habe. "Dabei geht es nicht um das Materielle. Es geht um die Erfahrung."

Als Hobby hat das Sammeln der Karten seine Berechtigung. "Man sollte aber davon ausgehen, dass es Geld kostet, wie viele andere Hobbys auch", sagt Grote. Als Instrument für einen langfristigen Vermögensaufbau seien diese hochspekulativen und mit vielen Unsicherheiten behafteten Anlagen gleich aus mehreren Gründen nicht geeignet. Für Privatanleger lohne sich dieser Markt zum einen allein schon nicht, weil er nicht reguliert ist. Anleger sind nicht durch einen entsprechenden Kapitalmarkt- oder Anlegerschutzgesetze abgesichert. "Zunächst lässt sich die Werthaltigkeit der Karten schlecht überprüfen. Die steigenden Preise werden auf kurz oder lang sehr gute Fälschungen nach sich ziehen", sagt Grote. Sobald Käufe und Verkäufe international getätigt werden, würde es zudem schwierig, Ansprüche - beispielsweise bei ausbleibendem Versand der Karten nach Bezahlung - gerichtlich durchzusetzen.

Privatanleger müssen sich zum anderen außerdem darüber im Klaren sein, dass die Preise stark schwanken. "Es gibt keine Gewähr, dass ein einmal erzielter Preis erneut erzielt wird oder sogar übertroffen werden kann", sagt Grote. Er sieht viel eher die Gefahr einer spekulativen Blase. Im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung können Neueinsteiger, die auf schnelle Wertsteigerungen hoffen, die Preise hochtreiben. "Sobald diese Anleger ihr Interesse verlieren, sinken auch die Preise wieder. Und zwar schnell, weil sich dann viele Anleger von weiteren Kursverlusten schützen, indem sie sich von ihren Beständen trennen", sagt Grote.

Für Grote ist der Kauf von Pokémon-Karten als Kapitalanlage Spekulation in Reinform. Bei Aktien werde man zum Miteigentümer eines produktiven Unternehmens und bei Anleihen Kreditgeber von Unternehmen oder Staaten. "Bei Pokémon-Karten - ähnlich wie bei Briefmarken, die außerhalb des Sammel-Universums keinerlei Funktion haben - kann die Rendite nur aus Preissteigerungen kommen." Eine Anlage folgt laut Grote daher der sogenannten "Greater Fool"-Theorie: Ich kann einen unüberlegten Kauf tätigen, ich muss nur einen größeren Dummkopf finden, dem ich den Gegenstand zu einem noch höheren Preis wieder verkaufen kann.

Unklar, wie lange dieser Trend dauert

Wer jetzt trotzdem nicht die Finger von Pokémon-Karten lassen will, sollte zumindest auf Nummer sicher gehen und sich vor dem Kauf einer Karte bei der "Professional Sports Authenticator" kurz PSA informieren. Die Bewertungsfirma ist spezialisiert auf historische Artefakte aus dem Sportbereich, schätzt aber eben auch den Wert von modernen Pokémon-Karten und dokumentiert welche Preise zuletzt für jeweilige Karten gezahlt worden sind.

Zuletzt haben eine Reihe von Influencern und Streamern den Pokémon-Trend befeuert und auch nach Deutschland gebracht. Der 26-jährige Twitch-Star Trymacs ist unter anderem dafür bekannt, online massenhaft sogenannter Booster Packs mit jeweils zehn zufälligen Karten zu öffnen. Ein Karton voll mit ungeöffneten Karten kostet ihn etwa 1700 Euro. Ein teures Hobby. Auch wenn dem Streamer, der eigentlich Maximilian Stemmler heißt, Zehntausende Zuschauer live auf Twitch dabei zu schauen, wie er fast 13 Stunden vergeblich ein regenbogenfarbenes Pikachu sucht, in den Wettkampf um wertvolle Karten sollten Anleger nicht einsteigen. "Es ist unklar, wie lange dieser Trend andauert – und hierin liegt eine wesentliche Gefahr für Investoren", sagt Grote.

Quelle: ntv.de

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