Wirtschaft

"Anstieg der Renditen brisant"Ökonom rechnet mit jährlichen Zinskosten in Milliardenhöhe

23.03.2026, 13:08 Uhr
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Zeitung-Boersenteil-Deutsche-Staatsanleihen
Bundesanleihen seien kein sicherer Hafen mehr, sagte Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung. (Foto: picture alliance / Bildagentur-online/Schöning)

Der Krieg im Nahen Osten sorgt für Unruhe an den Finanzmärkten. Die Rendite für deutsche Bundesanleihen liegen auf dem höchsten Stand seit 15 Jahren. Ein Ökonom warnt langfristig vor einer enormen Belastung für den Staatshaushalt.

Finanzexperten halten die seit Beginn des Iran-Kriegs deutlich gestiegenen Renditen für deutsche Bundesanleihen auf mittlere Sicht für problematisch. "Der bisherige Renditeanstieg für Bundesanleihen ist kurzfristig gut verkraftbar", sagte Ökonom Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). "Dennoch ist der Anstieg der Renditen brisant", warnte der Experte.

Früher hätten Bundesanleihen als sicherer Hafen gegolten und bei Kriegen eher von Kursgewinnen profitiert, sodass die Renditen fielen. "Dies gilt nicht länger", sagte Heinemann. Euro-Staatsanleihen würden heute bei geopolitischen Krisen eher mit wachsenden Risikoprämien belegt, was einen starken Reputationsverlust belege. "Auf Dauer könnten die Kosten daher sehr viel höher sein", warnte der Experte er angesichts von etwa drei Billionen Euro Schulden von Bund, Ländern und Gemeinden.

Diese dürfte in den kommenden Jahren durch das Sondervermögen und die schuldenfinanzierten Verteidigungsausgaben in Richtung vier Billionen klettern. Länder und Gemeinden müssten noch höhere Zinsen als der Bund zahlen. "Deutschland steuert daher bei den Zinskosten aller Ebenen auf Beträge von 120 bis 150 Milliarden Euro pro Jahr zu", sagte Heinemann. "Früher konnte Deutschland aus seinen Schulden herauswachsen, so ein Szenario wird immer unrealistischer."

Die Rendite für deutsche Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit lag zuletzt über der Marke von drei Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit 2011. Vor Kriegsbeginn betrug sie etwa 2,7 Prozent. "Rechnerisch belastet dieser Anstieg den Bund auf Jahresfrist somit mit überschaubaren 1,5 Milliarden Euro", sagte Heinemann mit Blick auf Planungen des Bundes. Dieser will in diesem Jahr die Rekordsumme von 512 Milliarden Euro bei Investoren durch die Auktion von Bundeswertpapieren einsammeln.

Analyst: Finale Auswirkungen schwer absehbar

Auch nach den Worten von Analyst Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg treibt die Reaktion der Anleihemärkte auf den Iran-Krieg - wachsende Inflationssorgen, Spekulation auf EZB-Zinsanhebungen - die Finanzierungskosten des Staates nach oben. "Die finalen Auswirkungen lassen sich in dieser frühen Phase nach dem Schock noch schwer abschätzen", sagte der Experte. Hielten die ersten Effekte an oder bauten sich diese infolge anhaltender Disruption in den Lieferketten weiter auf, dürften sich die ohnehin schon bestehenden Nöte der Regierung in der Haushaltsplanung jedoch absehbar weiter vergrößern.

Andere Euro-Länder müssen noch weit höhere Zinsen bezahlen als Deutschland. In Italien liegt die Rendite bei vier Prozent, in Frankreich knapp darunter. "In diesen Ländern droht das Schuldenwachstum außer Kontrolle zu geraten", warnte ZEW-Experte Heinemann. "Die Wahrscheinlichkeit einer Schuldenkrise steigt." Dadurch könnte die Europäische Zentralbank in ein Dilemma geraten. Zur Inflationsbekämpfung seien Zinserhöhungen angesagt, welche die Euro-Mitgliedstaaten aber fiskalisch in die Krise stürzen könnten.

Quelle: ntv.de, lar/rts

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