Wirtschaft

Selbst bei Öffnung von HormusÖlpreis hat vor 2028 kaum eine Chance auf Entspannung

11.06.2026, 15:39 Uhr
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Branchenexperten warnen, dass die schwersten wirtschaftlichen Folgen der Krise dem Markt erst noch bevorstehen könnten. (Foto: imago/Westend61)

Die Folgen der Blockade der Straße von Hormus sind schon jetzt verheerend. Eine diplomatische Einigung ist nicht in Sicht. Die Preis-Reporting-Agentur Argus Media rechnet mit noch höheren Ölpreisen, sinkenden Lagerbeständen und einer Erholung des Marktes erst in mehreren Jahren.

Die iranische Blockade der Straße von Hormus treibt den globalen Ölpreis nun schon seit mehr als drei Monaten deutlich in die Höhe. Ein Ende ist nicht in Sicht - im zähen Ringen um eine Friedensvereinbarung erweist sich die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran als mehr als brüchig. Branchenexperten warnen, dass die schwersten wirtschaftlichen Folgen der Krise dem Markt erst noch bevorstehen könnten.

Rohöl-Analystin Martha Tallas von der Preis-Reporting-Agentur Argus Media geht davon aus, dass die strategische Meerenge bis Ende August praktisch geschlossen bleibt. "Sollte die Meerenge im September schrittweise öffnen und sich der Schiffsverkehr danach stetig normalisieren, werden die Rohölexporte erst im März 2027 wieder das Januar-Niveau 2026 erreichen", prognostiziert Tallas.

Vor diesem Hintergrund hat Argus Media die Preiserwartung für Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee für das dritte Quartal drastisch angehoben – von bislang 95 US-Dollar auf durchschnittlich 120 US-Dollar pro Barrel. Wenn die Exporte im vierten Quartal wieder einsetzen, rechnet die Agentur wieder mit einer Preiskorrektur nach unten auf 95 US-Dollar.

Eine Blockade bis August würde bedeuten, dass die Ölexporte ganze sechs Monate lang stark eingeschränkt blieben. Das hätte laut Tallas auch spürbare Auswirkungen auf die Jahre 2027 und 2028. "Die Nachfrage nach Rohöl und Ölprodukten wird in diesem Zeitraum hoch bleiben, da der Markt die in diesem Jahr abgebauten Lagerbestände wieder auffüllt und viele Länder zudem strategische Vorräte anlegen dürften", sagt Tallas. Entsprechend hat Argus Media die Prognose für Brent auf durchschnittlich 86 US-Dollar für 2027 und 80 US-Dollar für 2028 heraufgesetzt. Vor Ausbruch des Krieges Ende Februar kostete ein Barrel Brent-Rohöl rund 71 US-Dollar.

Eine Milliarde Barrel Öl wurden demnach seit Beginn der Blockade nicht geliefert. Die Argus-Analysten schätzen, dass zwei Drittel der Ausfälle mit Lagerbeständen kompensiert wurden. Bisher handele es sich dabei größtenteils um Industrielagerbestände. Doch die Rolle der strategischen Reserven nehme zu. So wurden bereits 58 Millionen Barrel Rohöl aus der strategischen Reserve der USA auf den Markt gebracht.

Durch die Straße von Hormus wird normalerweise ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen abgewickelt. Der Iran hatte kurz nach Kriegsbeginn durch Drohungen und Angriffe auf Schiffe den Verkehr in der Meerenge weitgehend zum Erliegen gebracht.

Vergangene Nacht beschossen sich die USA und der Iran trotz der seit zwei Monaten geltenden Waffenruhe erneut schwer. Irans Militär reagierte auf neue US-Angriffe nach eigenen Angaben mit einer kompletten Sperrung der Straße von Hormus. Das US-Regionalkommando Centcom schrieb dagegen auf X: "Handelsschiffe fahren weiterhin heute Nacht in die Straße von Hormus ein und heraus." Die widersprüchlichen Signale zeigen vor allem eins: Die Lage in der Meerenge bleibt hochgradig instabil, so schnell findet der Energiemarkt also sicher keine Ruhe.

Quelle: ntv.de, jki

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