Wirtschaft

Prognosen leicht angehoben Ökonomen erwarten mehr Wachstum

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Exportland Deutschland - die Forscher warnen vor Protektionimus wie ihn US-Präsident Trump anpreist.

(Foto: picture alliance / Christian Cha)

Zwei Institute für Wirtschaftsforschung schrauben ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr etwas nach oben. Zudem erwarten Forscher zusätzliche Jobs. Sorgen macht ihnen, wie die US-Handelspolitik aussehen könnte.

Führende Forschungsinstitute blicken trotz Risiken mit mehr Optimismus auf die deutsche Konjunktur. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat seine Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft erhöht. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte in diesem Jahr um 1,3 (bisherige Prognose: 1,2) Prozent steigen und 2018 um 1,8 (bisher: 1,6) Prozent zulegen, wie die Forscher und Regierungsberater mitteilten. Den Rückgang zum Wachstum von 1,9 Prozent im vorigen Jahr begründen die Ökonomen mit einer geringeren Zahl von Arbeitstagen. Zudem verliere die Binnennachfrage etwas Schwung. "Die Realeinkommen der privaten Haushalte werden wegen der höheren Inflation wohl nicht mehr so stark steigen und damit auch der private Konsum nicht", sagte RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn.

Etwas anders sieht es das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW). Es hat ebenfalls seine Prognose für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr leicht erhöht, rechnet beim Bruttoinlandsprodukt allerdings mit einem Plus von 1,4 Prozent. Im nächsten Jahr gebe es einen Zuwachs von 1,7 Prozent. Wachstumstreiber bleibe der private Konsum.

Hunderttausende neue Arbeitsplätze erwartet

Zudem erwartet das DIW, dass die Beschäftigung zunehmen wird. Demnach sollen in diesem Jahr 600.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, im kommenden weitere 440.000. Die Arbeitslosenquote werde bis Ende 2018 auf 5,1 Prozent sinken, das wären 0,7 Prozentpunkte weniger als Ende 2016, hieß es. Ein Grund sei, dass Arbeitgeber nicht mehr so viel Auswahl hätten, sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. "Es ist für Unternehmen attraktiv einzustellen, um sich Leute zu sichern." Zudem seien die Lohnkosten im Verhältnis zur Produktivität nicht besonders stark gestiegen. "Der Beschäftigungsboom in Deutschland wird sich in diesem Jahr fortsetzen", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher.

Das DIW rechnet überwiegend mit sozialversicherungspflichtigen neuen Stellen, vor allem im Dienstleistungssektor, auch in der Leiharbeit. Personalbedarf gebe es ebenso in den Bereichen Erziehung, Pflege und Gesundheit. Der Boom erhöhe die Chancen für Flüchtlinge, von denen in diesem Jahr viele auf den Arbeitsmarkt kämen. Auch das RWI-Institut geht von einer zunehmenden Beschäftigung aus. Konjunkturchef Döhrn sagte, trotzdem werde die Arbeitslosigkeit kaum zurückgehen. Grund dafür sei, dass verstärkt Flüchtlinge mit anfangs "ungünstigen Beschäftigungschancen" auf den Arbeitsmarkt strebten.

Risikofaktor Trump

Die Forscher warnen vor steigenden Risiken. "Die Risiken für die deutsche Konjunktur haben zugenommen", sagten die Experten vom RWI. Der in vielen Ländern wachsende Protektionismus stelle das deutsche Geschäftsmodell einer exportstarken Wirtschaft mit einem immer noch vergleichsweise bedeutsamen Industriesektor in Frage. "Würde die Handelsintegration zurückgedreht, hätte dies erhebliche Folgen für Wachstum und Wohlstand in Deutschland." Die Aussichten für die Weltwirtschaft seien zwar günstig. Der unklare künftige Kurs der US-Wirtschaftspolitik.

Die Institute rechnen auch mit sinkenden Überschüssen. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung werden laut DIW in diesem Jahr ein Plus von 14,3 Milliarden Euro und 2018 ein Plus von 8,6 Milliarden ausweisen. 2016 lag der Überschuss noch bei 23,7 Milliarden Euro, 2015 bei 20,9 Milliarden. "Obwohl die konkurrierenden Parteien im Wahlkampf gerne solche Versprechen machen, ist insgesamt aus meiner Sicht kein Spielraum für Steuersenkungen oder anderweitige Steuergeschenke vorhanden", sagte DIW-Finanzexpertin Kristina van Deuverden.

Quelle: n-tv.de, hul/rts

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