Wirtschaft

Viel Kritik an Corona-Politik Ökonomen kündigen Regierung die Treue

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Jede einzelne Impfdosis könnte der Gesellschaft Kosten von Hunderten Euro ersparen, wenn sie einige Monate schneller geliefert würde.

(Foto: imago images/TT)

Zu Beginn der Corona-Krise bekommt die Bundesregierung aus der Wirtschaftswissenschaft viel Lob. Das ist vorbei. Vor allem die langsame Impfkampagne ist für viele Ökonomen ein Scheitern mit Ansage.

In seltener Eintracht über alle ihre ideologischen Lager hinweg hatten Wirtschaftswissenschaftler die deutsche Corona-Politik zu Beginn mehrheitlich gelobt. Von dieser Zustimmung ist kaum noch etwas übrig geblieben. Dem aktuellen Ökonomenpanel des Ifo-Instituts und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zufolge sind inzwischen 47 Prozent der befragten Professoren und Professorinnen "eher unzufrieden" oder "sehr unzufrieden" mit der Corona-Wirtschaftspolitik. 30 Prozent antworteten mit "teils-teils" und 20 Prozent mit zufrieden. "Sehr zufrieden" sind nur noch zwei Prozent.

Die milliardenschweren Hilfsmaßnahmen und das Konjunkturpaket im Frühjahr und Sommer 2020 waren von den Experten im Ökonomenpanel noch mit Zustimmungswerten von bis zu 80 Prozent begrüßt worden. Die Regierung folgte größtenteils mit ihrer Politik den Vorschlägen der Wissenschaftler, die etwa das Finanzministerium in regelmäßigen Videokonferenzen nach ihrem Rat fragte. Doch inzwischen gehen die Meinungen der Ökonomen etwa zur Frage nach dem Umfang weiterer Corona-Hilfen weit auseinander. Bei vielen Themen handelt die Politik inzwischen nicht mehr nach wirtschaftswissenschaftlichem Rat. Gründe für die aktuelle Unzufriedenheit gibt es der Ifo-Umfrage zufolge viele: Die Politik sei zu langsam und reagiere unflexibel, es würden keine Öffnungsperspektiven entwickelt. Zudem seien die Hilfen für die Unternehmen zu bürokratisch.

Für besonders große Enttäuschung sorgte zuletzt die Impfstrategie. Seit Monaten schon monieren Ökonomen, dass Bundesregierung und EU-Kommission hier von Beginn an falsche Prioritäten gesetzt hätten. Hätte die EU früher mehr Impfstoff bestellt und auch mehr dafür ausgegeben, hätten die Hersteller und auch deren Zulieferer schneller größere Produktionskapazitäten aufbauen können. Die Ersparnisse durch eine frühere Überwindung der Krise, wie es wohl in Großbritannien, Israel aber auch den USA der Fall sein wird, seien weit größer als die Mehrkosten.

Frühere Lieferungen sind Hunderte Euro wert

Pro Dosis könnte um drei Monate früher gelieferter Impfstoff der Gesellschaft hunderte Euro Pandemie-Kosten ersparen, haben etwa der Chef des Ifo-Instituts Clemens Fuest und der britische Ökonom Daniel Gros ausgerechnet. Darum haben Ökonomen inzwischen in zahlreichen Aufrufen gefordert, den Herstellern mit hohen Prämien Anreize für schnellere Lieferungen zu bieten. Den Prämienvorschlag sahen 45 Prozent der im Ökonomenpanel Befragten "sehr positiv" und 21 Prozent "eher positiv". 16 Prozent nannten ihn "neutral", 9 Prozent antworteten "eher negativ" und 5 Prozent "sehr negativ". Die Befürworter begründeten ihre Meinung unter anderem damit, dass die gesellschaftlichen Kosten der Pandemie alles andere in den Schatten stellten und die Preisaufschläge im Vergleich dazu gering seien. Als weitere Maßnahme befürworten viele Panel-Teilnehmer eine Ausweitung der Corona-Tests.

Eine Lockerung des gegenwärtigen Lockdowns, wie es viele Vertreter der betroffenen Branchen derzeit vehement fordern, sehen die Ökonomen teils kritisch. Bei der Frage, ob eine sofortige und völlige Aufhebung des Lockdowns die Zahl von Insolvenzen verringern würde, waren die Volkswirte gespalten. "Nein" antworteten 43 Prozent, "ja" 35 Prozent, "weiß nicht" 22 Prozent. Die Befragten mit "Nein"-Antworten verwiesen insbesondere darauf, dass eine sofortige Öffnung eine dritte Welle der Krankheit auslösen würde - mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Quelle: ntv.de

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