Wirtschaft

Kläger fordern Milliarden Opioid-Klagen zwingen Purdue in Insolvenz

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Nach der Insolvenz soll die Firma in eine Stiftung überführt werden. Das ist umstritten.

(Foto: imago images / ZUMA Press)

Die Schmerzmittel von Purdue sollen der Grundstein der Opioid-Krise in den USA sein. Das Unternehmen soll deren Suchtgefahr verschleiert haben. Dem Pharmakonzern droht durch eine Klagewelle der finanzielle Ruin. Ein Insolvenzantrag soll dem nun zuvorkommen.

Der US-Pharmakonzern Purdue Pharma, gegen den mehr als 2000 Klagen wegen des süchtig machenden Schmerzmittels Oxycontin laufen, hat Gläubigerschutz beantragt. Mit dem Verfahren nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts will Purdue die Klagen beilegen, wie das Unternehmen in Stamford im US-Bundesstaat Connecticut mitteilte. Die Firma soll in eine Stiftung der öffentlichen Hand überführt werden.

Doch die Vereinbarung ist höchst umstritten und wird von vielen Klägern abgelehnt. Bundesstaaten, Städte und Landkreise fordern von dem Unternehmen Milliarden von Dollar zurück, die sie für den Kampf gegen Opiat-Abhängigkeit und Überdosierung ausgegeben haben. Inhaber ist die Familie Sackler, die lange Zeit vor allem durch ihr Mäzenatentum bekannt war.

Opioide sind zum Teil synthetisch hergestellte Arzneimittel - wie etwa Oxycontin - mit unter anderem schmerzlindernden Eigenschaften. Sie bergen jedoch auch enorme Abhängigkeitsrisiken und hohes Missbrauchspotenzial. Purdue und den Sacklers wird vorgeworfen, solche Schmerzmittel unter Verschleierung der Suchtgefahren mit rücksichtslosen und aggressiven Methoden vermarktet zu haben. Damit wurde aus Sicht der Kläger ein wesentlicher Grundstein für die verheerende Opioid-Epidemie in den Vereinigten Staaten gelegt, die in den vergangenen Jahren laut US-Behörden zu Hunderttausenden Toten durch Überdosierungen führte.

"Familie versucht, sich aus der Verantwortung zu ziehen"

Ursprünglich wollten die Behörden bis zu zwölf Milliarden US-Dollar (rund elfMilliarden Euro) an Schadenersatz fordern, die Purdue-Verantwortlichen konnten sich aber mit diesen auf einen Vergleichsbetrag von mehr als zehn Milliarden US-Dollar einigen. Das wäre damit die bisher höchste Vergleichssumme im Zusammenhang mit der in den USA grassierenden Welle der Opioid-Abhängigkeit.

Die seit Wochen von Insidern in US-Medien gestreuten Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Kritiker haben große Zweifel am Vergleichsvolumen geäußert, in dem etliche ungewisse Posten wie Erlöse aus künftigen Medikamentenverkäufen eingerechnet sind. Die im Mittelpunkt des Konflikts stehende Unternehmerfamilie Sackler soll lediglich bereit sein, drei Milliarden Dollar in bar und weitere rund 1,5 Milliarden durch den Verkauf einer anderen Firma zu zahlen.

Die Gegner des Vergleichs sind der Meinung, dass die Sacklers damit zu glimpflich davon kommen würden. Das US-Magazin "Forbes" schätzte das Vermögen der Familie zuletzt auf etwa 13 Milliarden Dollar. Der Clan hat seinen Reichtum maßgeblich durch das Geschäft mit umstrittenen Schmerzmitteln angehäuft. "Während unser Land sich von dem Massensterben erholt, dass die Sacklers mit ihrer Gier angerichtet haben, versucht die Familie, sich aus der Verantwortung zu ziehen", sagte New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James. Sie vertritt einen der zahlreichen Bundesstaaten, die den Vergleich mit Purdue und den Sacklers ablehnen.

Mehrheit der US-Bundesstaaten lehnt Vergleich ab

Nach Informationen der "New York Times" tragen den Deal bislang 24 US-Staaten mit, während 26 dagegen sind. Wie es weitergeht, wird sich beim zuständigen Insolvenzgericht in White Plains, New York, entscheiden. Am Freitag hatte die New Yorker Staatsanwaltschaft weitere schwere Vorwürfe gegen die Sacklers erhoben und den Clan beschuldigt, eine Milliarde Dollar unter anderem auf Schweizer Bankkonten versteckt zu haben. Wegen der Kritik an den Sacklers haben mehrere berühmte Museen die jahrelange Zusammenarbeit mit der Familie beendet, etwa das Metropolitan Museum in New York, die Tate Modern in London und der Louvre in Paris.

Erst Ende August hatte ein US-Gericht den Pharmakonzern Johnson & Johnson wegen unrechtmäßiger Vermarktung von suchtgefährdenden Schmerzmitteln zu einer Zahlung von 572 Millionen Dollar verurteilt. Johnson & Johnson kündigte umgehend an, Berufung gegen die Entscheidung einzulegen. Der Generalstaatsanwalt von Oklahoma, Mike Hunter, hatte dem Konzern vorgeworfen, mit suchtgefährdenden Schmerzmitteln ein Wegbereiter der Opioid-Welle und Drogenkrise gewesen zu sein. Diese Klage hatte sich auch gegen Purdue gerichtet, doch dem Unternehmen war es gelungen, den Prozess durch eine Vergleichszahlung von 270 Millionen Dollar abzuwenden.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa

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