Wirtschaft

Vor Übernahme durch AMS Osram erhöht den Spardruck noch mal

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Osram-Chef Berlien musste auf der Hauptversammlung deutliche Kritik einstecken.

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Lichttechnikkonzern Osram tut schon so einiges, um seine Kosten zu senken. Vor der Übernahme durch den Sensorhersteller AMS verkündet der ehemalige Glühbirnengigant nun, den Gürtel noch enger schnallen zu wollen. Ob dafür weitere Stellen abgebaut werden, ist unklar.

Vor der Übernahme durch den österreichischen Sensorhersteller AMS verschärft der kriselnde Lichttechnikkonzern Osram seinen Sparkurs. "Wir wollen die Kosten im Zeitraum von 2018 bis 2022 insgesamt um bis zu 300 Millionen Euro senken", sagte Finanzvorstand Ingo Bank auf der Hauptversammlung in München. Ob dies mit einem weiteren Stellenabbau einhergeht, blieb offen.

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Bisher hatte sich Osram Einsparungen von 220 Millionen Euro vorgenommen, unter anderem durch den Abbau von rund 800 Arbeitsplätzen in Deutschland. Auf dem Prüfstand stehen unverändert Strukturen und Abläufe, das Geschäftsportfolio und Verwaltungskosten, bekräftigte Bank. Das Sparprogramm komme schneller voran als erwartet.

Der Sensorhersteller AMS aus Premstätten bei Graz hat nach langem Ringen rund 60 Prozent der Osram-Aktien eingesammelt. Nach einer für August erwarteten außerordentlichen Osram-Hauptversammlung zum geplanten Beherrschungsvertrag will AMS den Münchner Konzern von der Börse nehmen. Osram-Chef Olaf Berlien, der die Übernahme zunächst abgelehnt hatte, warb am Mittwoch noch einmal für das Zusammengehen: "Gemeinsam mit AMS hat Osram eine gute Zukunft." Die Geschäfte des Münchner LED-Spezialisten und des österreichischen Sensoranbieters ergänzten sich derart, dass beide gemeinsam neue Produkte etwa in der Gesundheitsdiagnostik oder für Fahrassistenzsystemen anbieten könnten.

Übernahme könnte noch an Finanzierung scheitern

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Weil eine Zustimmung von Kartellbehörden in aller Welt zu der Übernahme noch aussteht, waren die Österreicher auf der Hauptversammlung lediglich mit ihrem bisherigen Stimmrechtsanteil von rund 20 Prozent vertreten. Insgesamt nahmen nach Angaben von Aufsichtsratschef Peter Bauer gut 49 Prozent des Kapitals an dem Aktionärstreffen teil. Dass die Hälfte der Aktionäre fehlt, ist für Osram nicht ungewöhnlich: Im vergangenen Jahr kamen knapp 54 Prozent.

Aktionärsvertreter äußerten die Sorge, dass die bis zu 4,6 Milliarden Euro schwere Übernahme scheitern könnte. So gilt die Finanzierung von AMS durch eine Kapitalerhöhung und durch Kredite als ambitioniert. "Geht da was schief, dann hätten wir einen Continental-Schaeffler-Fall", sagte die Vizepräsidentin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Daniela Bergdolt. Der Autozulieferer Schaeffler hatte sich bei der Übernahme von Continental vor Jahren beinahe verhoben. "Je teurer die Übernahme, desto höher ist der Spardruck", gab Christian Retkowski von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) zu bedenken.

Die Übernahme war auf heftigen Widerstand von Arbeitnehmern in Deutschland gestoßen, die weitere Arbeitsplätze in Gefahr sehen. Ein Kleinaktionär, der nach eigenen Angaben selbst Osram-Mitarbeiter ist, äußerte seinen Unmut über den Stellenabbau und die Übernahme. Unter dem Beifall weiterer Aktionäre rief er Berlien zu: "Ihr Name wird immer mit der Zerschlagung von Osram verbunden sein."

Quelle: ntv.de, lwe/rts/dpa