Wirtschaft

Fangquoten für 2017 ausgehandelt Ostseefischer dürfen weniger Dorsch fangen

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Nicht nur dieser Dorsch selbst, auch die Bestände in der Ostsee sind momentan ganz schön ausgelaugt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Einerseits sollen die EU-Fischereiminister die Bestände in den europäischen Meeren sichern, andererseits müssen sie an die Lebensgrundlage der Fischer denken - 2017 wird dieser Balanceakt besonders bei einem Fisch besonders schwierig.

Die deutschen Fischer dürfen im kommenden Jahr deutlich weniger Dorsch aus der Ostsee ziehen. Im Westen sinkt die Fangmenge um 56 Prozent gegenüber 2016, in der östlichen Ostsee um 25 Prozent. Darauf haben sich die EU-Fischereiminister am späten Montagabend in Luxemburg geeinigt, wie der Rat als Vertretung der EU-Staaten mitteilte. Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) sprach von einer "schmerzhaften, aber angesichts der Bestandssituation erforderlichen Quotenreduzierung".

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Zumindest oberhalb der Wasserlinie ist die Welt noch in Ordnung, wie hier in Timmendorf.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Dorschbestände in der Ostsee sind ausgelaugt. Für viele Ostseefischer geht es allerdings um die Existenz. Deutsche Fischer können damit nach Angaben von Diplomaten in der westlichen Ostsee 2017 insgesamt 1194 Tonnen Dorsch fangen (von 5597 Tonnen insgesamt), im Osten 2820 Tonnen (von 30.857 Tonnen). Schmidt erklärte: "Die Bestände werden sich weiter erholen können und unsere Ostseefischer haben eine wirtschaftliche Perspektive." Abwrackprämien für Fischer, die Kutter aufgeben oder vorübergehend stilllegen, sollten weiter gezahlt werden.

Unter dem Strich kürzen die EU-Staaten die Fangmengen damit deutlich weniger, als von der EU-Kommission vorgeschlagen. Diese wollte die Quote im Westen um 88 Prozent senken. EU-Fischereikommissar Karmenu Vella beschrieb die Verhandlungen als sehr schwierig. Allerdings bewege sich die EU mit den vereinbarten Quoten noch im Rahmen der Empfehlungen der Wissenschaft.

Sprotten in Hülle und Fülle

Die Minister schreckten angesichts der Nöte der Ostseefischer zwar vor äußerst drastischen Kürzungen zurück. Sie einigten sich aber auf zusätzliche Auflagen. So gibt es auch für Freizeitfischer, die inzwischen ähnlich viel Dorsch aus der Ostsee holen wie gewerbliche Fischer, im kommenden Jahr Obergrenzen. In der Laichsaison im Februar und März dürfen sie höchstens drei Dorsche pro Tag angeln, im Rest des Jahres fünf. Kommerzielle Fischer dürfen im Februar und März in der westlichen Ostsee acht Wochen lang keinen Dorsch fangen - zwei Wochen länger als bislang.

Bei anderen Fischbeständen können die Fischer sich über Zuwächse freuen. Dies gilt für allem für die Scholle, wenn auch bei einer niedrigen Gesamtmenge: Hier verdoppelt sich die Fangmenge für die gesamte Ostsee nahezu auf 7862 Tonnen. Die Heringsquote steigt im Westen um 8 Prozent auf 28.401 Tonnen. Beim Lachs ändert sich wenig: Für 2017 ist erneut eine Fangmenge von 95.928 Tonnen vorgesehen, nur im Golf von Finnland im äußersten Osten gibt es eine Kürzung um ein Fünftel. Die Sprottenquote steigt um 29 Prozent auf 260.993 Tonnen.

Die EU-Staaten handeln jedes Jahr die Fangmengen (Quoten) für das kommende Jahr untereinander aus. Nach den Ostseequoten im Oktober steht im Dezember die Entscheidung über die Fangmengen in der Nordsee und im Atlantik an. Grundlage für die Verhandlungen sind Vorschläge, die die EU-Kommission auf Grundlage wissenschaftlicher Gutachten macht.

Quelle: ntv.de, jve/dpa