Wirtschaft

Prima PR-Aktion Warum Elon Musk wirklich Aktien verkauft

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Elon Musk ist "Bloomberg" zufolge 338 Milliarden Dollar schwer.

(Foto: AP)

Der weltweit reichste Mensch verspricht, Aktien zu verkaufen und damit endlich Steuern zu zahlen. Doch hinter dem Deal von Elon Musk steckt ein besonderes Kalkül: Er hat einen eleganten Weg gefunden, um noch reicher zu werden.

Das muss man Elon Musk lassen: Er hat endlich eine gute Entschuldigung dafür gefunden, Tesla-Aktien im großen Stil zu verkaufen. Am Wochenende stellte der Tesla-Chef auf Twitter zur Abstimmung, ob er sich von zehn Prozent seines Aktienpakets trennen solle, um Steuern zu zahlen. Er versprach, das Ergebnis umzusetzen. Zur Einordnung: Musk hielt Daten von Refinitiv zufolge Ende Oktober 23 Prozent an Tesla, was etwa 230 Milliarden Dollar entspricht. Für zehn Prozent würde er also - nach derzeitigem Stand - rund 23 Milliarden Dollar bekommen, die er dann auch versteuern muss.

Tesla Motors (USD)
Tesla Motors (USD) 177,88

Das Ergebnis fiel eindeutig aus. Eine deutliche Mehrheit der 3,5 Millionen Teilnehmer stimmte dafür, Musk möge Aktien verkaufen. Die Pointe: Musk vergaß zu erwähnen, dass er das aller Voraussicht nach sowieso machen wollte - und zwar, um eine ohnehin kommende milliardenschwere Steuerlast begleichen zu können.

Bei der Abstimmung klang das allerdings ganz anders. "In letzter Zeit wird viel über nicht realisierte Gewinne als Mittel zur Steuervermeidung gesprochen", schrieb Musk. "Daher schlage ich vor, zehn Prozent meiner Tesla-Aktien zu verkaufen." Da er weder Gehalt noch Boni erhalte, sei der Verkauf von Aktien der einzige Weg für ihn, Steuern zu zahlen.

In den USA wird viel über eine Reform des Steuersystems diskutiert, die schon beim Vermögen ansetzen könnte. Dort werden Kursgewinne von Aktien dann besteuert, wenn die Papiere tatsächlich verkauft und damit der Gewinn realisiert worden ist. Wohlhabende können damit ein riesiges Vermögen aufbauen, ohne dabei Steuern zu zahlen.

Niemand ist so reich wie Musk

Im Zuge von geplanten Steuerreformen von Präsident Joe Biden ist im Gespräch, dies zu ändern. Diskutiert wird im Kongress eine sogenannte "Milliardärssteuer" von 23,8 Prozent auf Gewinne bei Wertpapieren, egal, ob diese durch einen Verkauf realisiert wurden oder nicht. Betroffen wären etwa 700 Steuerzahler in den USA, die ein Vermögen von mehr als eine Milliarde Dollar besitzen oder drei Jahre in Folge 100 Millionen Dollar als Jahreseinkommen aufweisen. Das so eingenommene Geld soll dabei helfen, Bidens geplante Sozial- und Klimareformen zu finanzieren. Musk hält wenig von den Überlegungen.

Derweil ist der Tesla-Gründer wegen des gigantischen Kursanstiegs der Tesla-Aktien zum reichsten Menschen des Planeten geworden. "Bloomberg" schätzt sein Vermögen auf satte 338 Milliarden Dollar.

Es besteht vor allem aus Tesla-Papieren. Musk bezieht außerdem weder ein Festgehalt, noch bekommt er Bonuszahlungen. Seine Vergütung besteht allein aus erfolgsabhängigen Aktienoptionen - also dem Recht, Tesla-Aktien bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Er darf diese Optionen aber nur dann ziehen, wenn Tesla vorher vereinbarte Ziele erreicht, etwa beim Börsenwert.

Eine dieser Optionen läuft bald aus. 2012 bekam Musk von Tesla das Recht eingeräumt, 22,8 Millionen Aktien für jeweils 6,24 US-Dollar zu kaufen - einzulösen bis August 2022. Damals kostete eine Tesla-Aktie weniger als 6 Dollar, mittlerweile ist eine 1228 Dollar wert. Das heißt: Musk kann für 145 Millionen Dollar ein Aktienpaket kaufen, das derzeit knapp 28 Milliarden Dollar wert ist.

Option läuft aus

Doch dabei gibt es ein Problem, denn Musk braucht dafür Geld. Er muss zunächst die 145 Millionen Dollar für den Kauf auftreiben. Der einfachste Weg, an das nötige Geld zu kommen, ist, Aktien zu verkaufen, die er schon hat. Beim Ziehen der Option werden außerdem Steuern fällig. Musk muss die Differenz zwischen dem 6-Dollar-Optionspreis und dem aktuellen Aktienkurs versteuern. Die fälligen Steuern auf Bundesebene und seines langjährigen Wohnsitzes Kalifornien summieren sich auf rund 54 Prozent, Musk müsste also etwas mehr als 15 Milliarden Dollar zahlen. Unter dem Strich blieben damit immer noch knapp 13 Milliarden Dollar übrig.

Für den Verkauf seines 10-Prozent-Pakets im Volumen von 23 Milliarden Dollar müsste Musk Steuern auf die realisierten Kursgewinne zahlen. Das Magazin "Forbes" kommt auf rund 5 Milliarden Dollar - unter der Voraussetzung, dass Musk keine Verluste aus anderen Investitionen dagegen rechnet.

Musk könnte auch darauf verzichten, die Optionen zu ziehen. Bisher hat er allerdings deutlich gemacht, dass er nicht daran denkt. Im September sprach er von Aktienverkäufen, da er Geld zum Zahlen von Steuern auf fällig werdende Aktienoptionen brauchen werde. Schon vorher hatte er in einer Diskussion um die Besteuerung von Reichen getwittert: "Ich werde Tesla-Aktien nur dann verkaufen, wenn meine Aktienoptionen auslaufen und ich keine andere Wahl habe."

Quelle: ntv.de, mit rts/dpa

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