Wirtschaft

"Laufende Diskussionen" PSA und Fiat Chrysler bahnen Megafusion an

Nach der gescheiterten Fusion mit Renault hat Fiat Chrysler möglicherweise einen neuen Partner gefunden. Der Autobauer bestätigt Gespräche über einen Zusammenschluss mit der Opel-Mutter PSA. Sollten sie sich vereinen, entstünde ein neuer Autogigant.

Der italienisch-amerikanische Automobilhersteller Fiat Chrysler (FCA) hat Gespräche mit dem französischen Opel-Mutterkonzern PSA über einen möglichen Zusammenschluss bestätigt. "Es gibt laufende Diskussionen, die darauf abzielen, eine der führenden Mobilitätsgruppen der Welt zu schaffen", schrieb FCA in einer kurzen Mitteilung. Gegenwärtig habe man nichts weiter hinzuzufügen, hieß es darin. Eine gleichlautende Mitteilung gab es von PSA.

PSA Peugeot Citroën
PSA Peugeot Citroën 22,40

Das "Wall Street Journal" hatte zuvor berichtet, Fiat Chrysler und der PSA wären an der Börse rund 50 Milliarden Dollar (45 Milliarden Euro) wert. Peugeot-Chef Carlos Tavares soll den Konzern nach Angaben des Blattes als Vorstandsvorsitzender führen, der FCA-Verwaltungsratsvorsitzende John Elkann - Enkel des langjährigen Fiat-Bosses Giovanni Agnelli - würde dieselbe Rolle bei dem neuen Unternehmen einnehmen.

PSA führt auch die Traditionsmarken Peugeot und Citroën. Fiat Chrysler hat die Marken Alfa Romeo, Chrysler, Dodge, Jeep, Lancia oder Maserati unter seinem Dach. Autohersteller stehen unter einem riesigen Druck, denn sie müssen in autonome Autos und Elektromobilität investieren. Zusammen haben die PSA-Gruppe und Fiat Chrysler vergangenes Jahr rund 8,7 Millionen Autos weltweit verkauft. Damit würden sie auf Platz vier rangieren hinter Volkswagen und der Allianz aus Renault, Nissan, Mitsubishi Motors (beide rund 10,8 Millionen) sowie Toyota (10,6 Millionen) auf Platz drei.

Bekannt ist, dass Tavares in den USA expandieren will, wo die französische Marke Peugeot seit fast drei Jahrzehnten nicht mehr vertreten ist. Eine Verbindung mit Fiat Chrysler würde einen breiten Zugang zum US-Markt ermöglichen. So könnten Fiat-Chrysler-Händler, die die beliebten Marken Jeep und Ram verkaufen, möglicherweise auch Peugeot-Modelle anbieten. Ein Abkommen würde zugleich Fiat Chrysler mehr Gewicht in Europa verschaffen, wo Peugeot im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Fahrzeuge verkaufte, verglichen mit 1 Million von Fiat Chrysler. Ein kombiniertes Unternehmen würde in Europa fast so viele Fahrzeuge verkaufen wie der Marktführer Volkswagen mit einem Marktanteil von 24 Prozent.

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Nach Renault hat es Fiat Chrysler auf einen Zusammenschluss mit PSA abgesehen.

(Foto: dpa)

Fiat Chrysler wollte sich bereits zuvor mit dem französischen Hersteller Renault verbinden und den weltweit drittgrößten Autohersteller formieren. Die Gespräche scheiterten jedoch. Nach monatelangen Verhandlungen zog Fiat Chrysler im Juni seine Offerte für einen Zusammenschluss überraschend zurück. Die Schuld für das Scheitern schoben sich Renault und FCA dann gegenseitig zu. Fiat Chrysler erklärte, der französische Autobauer habe die Entscheidung über förmliche Fusionsgespräche verzögert - Hersteller Renault, an dem der Staat 15 Prozent der Anteile hält, sagte, der italienisch-amerikanische Konzern habe Druck gemacht und zudem nicht auf die ausdrückliche Zustimmung des japanischen Partners Nissan warten wollen.

Französische Regierung zeigt sich offen

An der Börse hatten Gerüchte bereits für kräftige Kursbewegung gesorgt. Die Aktien von FCA waren am Dienstag mit einem Plus von 7,5 Prozent aus dem US-Handel gegangen. PSA-Chef Tavares gilt in der Branche als ein harter Sanierer. Vor gut zwei Jahren hatte PSA den deutschen Traditionshersteller Opel übernommen, der unter der Führung von General Motors (GM) lange rote Zahlen geschrieben hatte. Opel wird von den Franzosen auf Effizienz getrimmt und arbeitet wieder profitabel, beschäftigt aber deutlich weniger Mitarbeiter. So wurde das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim teilweise an den Dienstleister Segula verkauft.

Der 1899 gegründete Autohersteller Fiat - eines der wichtigsten Unternehmen der italienischen Wirtschaftsgeschichte - war 2014 in der Fiat Chrysler Automobiles (FCA) aufgegangen. Die italienische Zeitung "La Repubblica" warnte, dass die französische Regierung, wie schon bei der gescheiterten Fusion mit Renault, das Projekt gefährden könnte. "In Frankreich ist die Regierung dieselbe geblieben, und sie ist Aktionärin bei Peugeot, wie sie es bei Renault war. Was hat sich geändert?", fragte das Blatt. Möglicherweise sei die Regierung in Paris dieses Mal zurückhaltender in ihren Anforderungen.

Wie aus Kreisen des Wirtschafts- und Finanzministeriums verlautete, wolle Frankreich bei der Neuaufstellung der Autobranche seinen Platz einnehmen. Die Gespräche zwischen PSA und FCA würden mit "Aufmerksamkeit und Offenheit" verfolgt. Der Staat hält nach früheren Unternehmensangaben über eine Förderbank 12,23 Prozent der Anteile von PSA und 9,75 Prozent der Stimmrechte. Weitere große Anteilseigner bei PSA sind die Peugeot-Familie und der chinesische Hersteller Dongfeng. Der Staat dringt nach eigenen Angaben darauf, dass die industrielle Präsenz von PSA gewahrt bleibt. Ein neuer Verbund müsste auch zusagen, bei der europäischen Batteriezellenfertigung mitzuziehen. PSA hat im Stammland Frankreich zahlreiche Fabriken.

Quelle: n-tv.de, ibu/dpa/DJ

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